Vom „Spielholz“ zur Herzensarbeit

Wie aus Restholz persönliche Urnen entstehen

Ein warmer Duft nach Holz, feiner Staub in der Luft, gedämpftes Licht – in der Werkstatt von Werner Eder nahe Rosenheim entstehen Holzurnen mit Persönlichkeit. Der Familienbetrieb, gegründet 1951 vom Großvater, hat seine Wurzeln im Schreinerhandwerk. Heute vereinen sich dort Tradition, Nachhaltigkeit und Feingefühl – getragen von einem starken Netzwerk aus Menschen in der Region.

Begonnen hat alles fast zufällig. „In der Holzverarbeitung bleiben immer wieder Stücke übrig, die zu schön zum Wegwerfen sind“, erzählt Werner Eder, sogenanntes „Spielholz“. Erst waren daraus kleine Dinge wie Brettchen oder Kleiderbügel entstanden. Dann kam die Idee: Warum nicht daraus Urnen fertigen – Unikate, die die Geschichte des Holzes weitererzählen und sie mit einer Lebensgeschichte verbinden?

Mittlerweile macht die Herstellung von Holzurnen rund 30 Prozent des Umsatzes aus. Geblieben ist die Herkunft: Das Holz stammt von Lieferanten aus der Umgebung. Geschnitten wird es von einem befreundeten Betrieb, der genau weiß, was Eder braucht. „Dieses Netzwerk ist uns wichtiger als Wachstum oder Gewinn. Ehrliche Arbeit und gute Zusammenarbeit erfüllen mich. Wenn ich dann erfahre, wie sehr unsere Arbeit Trauernde unterstützt, bin ich glücklich.“

Handwerk, das verbindet

Die Holzurnen zeigen Maserungen, Astlöcher, Braun- und Rottöne auf Linde, Erle, Buche oder Eiche. Auch Zirbe, wegen ihres charakteristischen Dufts beliebt, findet ab und zu den Weg in die Werkstatt. Besonders gefragt sind Gravuren von Bergen, Wäldern, Blumenwiesen oder regionalen Wahrzeichen. Das beliebteste Motiv bleibt der Lebensbaum, dicht gefolgt von betenden Händen.

Individuelle Gravuren zeigen beispielsweise einen Jaguar-Oldtimer oder eine Pferdekutsche – Erinnerungen an die Leidenschaft des Verstorbenen. „Da brauchen wir oft mehrere Versuche. Wenn etwas nicht perfekt ist, schleifen wir es ab und fangen noch einmal an.“

Technisch begann alles mit einer Lasermaschine – zunächst aus Neugier. Die Option der Rundgravur ermöglicht es, Panoramamotive rund um den Korpus zu gestalten. „Das Lasern ist echte Handarbeit“, sagt Eder. „Es geht um Licht und Schatten, um die richtige Tiefe. Wenn das Motiv am Ende genau dem entspricht, was sich die Angehörigen vorgestellt haben – oder es sogar übertrifft –, ist das ein wunderbares Gefühl.“

Reste aufwerten

Nachhaltigkeit ist bei Eder kein Werbewort, sondern gelebter Alltag. Für die Urnen wird überwiegend Restholz verwendet – ein ressourcenschonender Ansatz, der mittlerweile Schule macht. „Wir arbeiten möglichst ohne Abfall“, erklärt Eder. „Was sich nicht gravieren lässt, wird abgeschliffen und als ungravierte Urne verkauft.“ Dass daraus keine Massenware entsteht, versteht sich von selbst. Jede Urne wird von Hand gefertigt, jede Gravur ist individuell.

Nähe, die bleibt

Eder und sein Team arbeiten meist mit Bestattungsinstituten zusammen, doch Angehörige melden sich auch direkt mit persönlichen Wünschen. Dann wird gemeinsam mit dem Bestatter abgestimmt, was möglich ist. „Oft kommen Ideen aus der Lebensgeschichte des Verstorbenen. Wir versuchen, sie in Holz zu übersetzen.“ Was dabei herauskommt, sind Erinnerungsstücke, die Natur, Handwerk und Menschlichkeit verbinden: In jeder Holzurne steckt nicht nur Holz aus Oberbayern – sondern auch ein Stück Herzblut.

https://www.holzurnen-eder.de

 

 

 

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