Win-Win-Situation

csm_krawuttke_klein_17_61b4522fa8© echtgemalt

Wir kennen das alle. Im Alter werden viele bislang eher ungemütliche Zeitgenossen auf einmal sanft und freundlich. Altersmilde nennt man das. Denn wenn der Tod näher rückt, möchte keiner die noch verbleibende Zeit mit Zank und Streit verbringen. So weit, so gut.

 

Jetzt frage ich mich natürlich als Bestatter schon seit langem, wie man diese altersmilde Gabe fürs Geschäft nutzen kann. Seit einiger Zeit habe ich dafür ein paar Werbebotschaften in der Schublade. Zum Beispiel: „Alt und Krank? Na, Gott sei Dank!“. Klingt gut, ist aber vielleicht ein wenig zu offensichtlich. Die Werbebotschaft sollte nicht den Vorteil des Werbenden, sondern den Vorteil für den Kunden hervorheben. Dann vielleicht so: „Froh ist, wer genug gespart, wenn das Ende naht“. Auch nicht gut, denn das klingt teuer. Besser ist es auch, wenn auch der Firmenname in so einem Slogan erwähnt wird. „In Bestattungsfragen nicht verzagen, Krawuttke fragen.“ Klingt irgendwie bekannt. Ich glaube das gab es schon mal, aber besser gut geklaut, als schlecht selber getextet.

Aber die beste Werbung ist immer noch die, die nicht als solche auffällt. Ich glaube das nennt sich dann Marketing. Diesbezüglich habe ich mich neulich mal mit unserem Pastor Meiercord auf ein Bier zusammengesetzt. „Gert“, hab ich gesagt, „ihr von der Kirche habt doch auch Probleme, neue Kunden zu finden. Warum tun wir uns nicht zusammen und gestalten ein gemeinsames Angebot?“. Erst wusste der Gert Meiercord überhaupt nichts darauf zu sagen, nach ein paar Bier sprudelten aber auch bei ihm die ersten Geschäftsideen. „Wir können ja so Rabattkarten einführen. Bei jedem Gottesdienstbesuch gibt es ein Stempel auf die Karte. Wenn die Karte voll ist, kann man das bei Dir im Laden gegen etwas Schönes einlösen. Zum Beispiel gegen eine Tüte Sargnägel“, scherzte der Pastor. Ok, der Witz mit den Nägeln hat zwar sooo einen Bart, aber das mit den Rabattkarten  war gar keine  schlechte Idee. Ich könnte zum Beispiel eine schöne Wäschegarnitur für ein volles Rabattheft anbieten. Oder eine Sonderfarbe extra beim Trauerkartendruck.

„Aber“, warf der Pastor fragend ein, „was haben wir als Kirche denn davon?“. Da hatte er recht. Man muss kein Marketingstratege sein, um zu wissen: Eine Kooperation ist nur erfolgreich, wenn für beide Seiten eine sogenannte Win-Win-Situation entsteht. „Was hältst Du davon“, schlug ich vor, „wenn wir sagen, bei zwei mit uns durchgeführten Bestattungen übernimmt Krawuttke die Kosten für eine Taufe. Damit wird automatisch wieder für Nachwuchs in der Gemeinde gesorgt.“ Pastor Meiercord war einverstanden und ich rieb mir die Hände, angesichts des guten Geschäfts. Zwei Bestattungen für ein läppisches Taufkleid und ein wenig Weihwasser. Das rechnet sich. Sofort setzte ich mich Zuhause hin und überlegte mir einen flotten Werbespruch für das neue Joint-Venture zwischen der Kirche und Krawuttke Bestattungen. Wie wär´s mit: „Ob Katholisch oder Evangelisch –Krawuttke macht euch alle selig.“