Wie sehen die Friedhöfe der Zukunft aus?

csm_bild_anonym_5ddd7a4483Wie sehen die Friedhöfe der Zukunft aus? © Aeternitas e.V.

Der Wandel auf den deutschen Friedhöfen ist kaum mehr zu übersehen. Die Nachfrage nach traditionellen Gräbern sinkt, günstige Urnengräber liegen im Trend. Die Konkurrenz durch Beisetzungen im Wald oder auf hoher See nimmt zu. Folge sind Lücken in den Gräberreihen und Löcher in den Gebührenhaushalten.

 

Grabfelder ohne Grabmale, dazu zahlreiche Lücken in den einstmals durchgehenden Gräberreihen. Dieses Bild bietet sich heute vielen Friedhofsbesuchern und ist Folge des Trends zu immer günstigeren und kleineren Urnengräbern. Ungefähr die Hälfte der Bestattungen in Deutschland sind mittlerweile Urnenbestattungen, vor 15 Jahren war es noch ein Drittel. „Den Friedhöfen brechen die Einnahmen weg, die Haushalte weisen immer größere Löcher auf“, erläutert Alexander Helbach, Pressesprecher von Aeternitas, der Verbraucherinitiative Bestattungskultur. Die Konkurrenz von außerhalb erhöht den Druck. Zehntausende Deutsche werden jedes Jahr auf See oder im Ausland beigesetzt – mit steigender Tendenz. Urnenbestattungen in Bestattungswäldern werden immer beliebter. Derzeit sind es zwei bis drei Prozent der Bestattungen in Deutschland, doch jedes Jahr werden es mehr. Der erste Anbieter in Deutschland, die FriedWald GmbH, startete 2001 mit einem Bestattungswald im Reinhardswald bei Kassel. Mittlerweile sind in über 30 FriedWäldern Bestattungen möglich. Der andere große Anbieter, die RuheForst GmbH, verzeichnet bereits mehr als 40 RuheForste. Dazu tummeln sich viele kleine Anbieter am Markt wie der Trauerwald im bayerischen Eisenstein. Für viele Friedhöfe ist die zunehmende Beliebtheit der Baumbestattungen jedoch auch eine Chance. Sie verfügen über große Baumbestände und über  ein Überangebot an Flächen, die für – traditionelle – Bestattungen nicht mehr benötigt werden. Dort bieten sie nun selbst Baumbestattungen an.

 

Neben den Kosten führt häufig der Wunsch, den Nachkommen die Grabpflege zu ersparen, zur Entscheidung für anonyme Urnengräber, eine Nische in der Urnenwand oder die Bestattung unter Bäumen. Mit  einheitlich gestalteten Grabanlagen für zahlreiche einzelne kleine Grabstätten, den Gemeinschaftsgrabanlagen, reagieren Friedhöfe auf diesen Wunsch. Die Grabpflege ist in den Friedhofsgebühren enthalten. Im Unterschied zur anonymen Bestattung werden die Namen der Verstorbenen jedoch an einem zentralen Grabmal oder kleinen Einzelgrabmalen vermerkt. Schlagzeilen machen derzeit die Memoriam-Gärten, zum Beispiel in Köln, Bonn oder Duisburg. Als Kooperationspartner der örtlichen Friedhofsverwaltungen bieten Friedhofsgärtnergenossenschaften fertige Grabstellen in parkähnlich angelegten Landschaften an – Grabpflege inklusive. Inmitten von Hügeln, Wasserläufen, Brunnen und Sitzgelegenheiten liegen die Grabstätten für Sarg- oder Urnenbestattungen.

 

Die Friedhofsverwaltung Karlsruhe knüpft dagegen an alte Traditionen an. Sie bietet den Friedhofsnutzern Ewigkeitsgräber auf unbestimmte Zeit, wie sie noch bis in die Siebziger Jahre hinein üblich waren. Der Anteil der ewigen Gräber beträgt laut dem Friedhofschef Matthäus Vogel schon zehn Prozent. Eines ist sicher – das Bild des Friedhofs wird sich in den nächsten Jahren weiterhin verändern. Es wird hier und da auch zu Friedhofsschließungen kommen. Doch Alexander Helbach wagt einen positiven Blick in die Zukunft: „Friedhöfe wird es immer geben, sie werden nur anders aussehen als heute: bunter und vielfältiger.“ Den Friedhofsbesucher der Zukunft erwarten unter anderem parkähnliche Grabanlagen neben anonymen Rasengräbern, Urnenwände neben traditionellen Familiengräbern und Urnengräber unter Bäumen neben den altbekannten Gräberreihen.