Wie kreativ können letzte Grüße sein? – Zum Abschied wird gesprayt, gebastelt und gebaut.

Hedwig Portner ist Bestatterin bei Pfeifer Bestattungen und Ananke Bestattungen Leipzig

(Statement von Hedwig Portner, Bestatterin bei Pfeifer Bestattungen und Ananke Bestattungen in Leipzig.)

 

Wir arbeiten viel mit Ritualen und laden Familie und Freunde der Verstorbenen ein, kreativ zu werden, um die Persönlichkeit des Verstorbenen in den Mittelpunkt zu rücken. Zum Beispiel entwickele ich gemeinsam mit den Hinterbliebenen ein Trauerbuch, das ein Kondolenzbuch ersetzen kann. Das kann ein Fotobuch sein, ein Planer oder ein Buch mit weißen Seiten, welches vom Sterbetag an bis zur Beerdigung gefüllt wird. Mit Bildern, Sprüchen, Erinnerungen, Postkarten. Gestaltet von Familie und Freunden.

Letzte Grüße können auch an Zweige in einer großen Vase in der Trauerfeierhalle gehängt werden – ein sehr persönliches Ritual, das Hinterbliebene einbezieht. Vor einigen Monaten haben wir kurz hintereinander zwei Jugendliche bestattet – Freunde, die jeder auf eine andere tragische Art und Weise verstorben waren. Da beide als Waldorfschüler in einem kreativen Umfeld aufwuchsen, gestalteten die Mitschüler den Sarg, verewigten sich mit Handabdrücken und Malerei, die Freundin des einen Jungen hinterließ einen Kussmund. Der Sarg wurde so gewissermaßen zum letzten Gruß.

Im Trauergespräch entwickelten wir mit den Eltern des einen Jungen, beide Filmschaffende, die Idee eines Lebensfilms, den diese zusammenschnitten. Von dem anderen Jungen ließen wir einen Handabdruck anfertigen. Übrigens wurden beide Jungen einander gegenüber auf dem Südfriedhof erdbestattet – jeder in einem sehr persönlichen Rahmen: Der Eine war Segler. Für die Beisetzung hatten seine Freunde Sand vom See geholt und diesen bei der Beisetzung statt Erde mit der Schaufel auf den Sarg gegeben. Der andere Junge war leidenschaftlicher Fußballer gewesen. Auf seiner Trauerfeier erschienen viele seiner Freunde symbolisch im Trainingsanzug. Die besten Ideen kommen tatsächlich meist von den Angehörigen und Freunden – wir müssen sie nur aus ihnen herauskitzeln.

In WhatsApp-Gruppen können Trauernde auch gemeinsam kreativ werden.  Auch letzte Grüße verlagern sich immer mehr ins Netz, etwa auf Facebook und Instagram. Doch die Menschen brauchen auch einen Ort, der nicht digital ist – im Fall des einen Jungen seinen Unfallort, an dem Blumen, Wünsche, persönliche Gegenstände oder auch Briefe abgelegt werden können. Im September werden wir im Rahmen eines dreiwöchigen Kulturprogramms den jugendlichen Trauernden im Leipziger Viertel Connewitz einen Tag lang eine Mauer als Trauermauer zur Verfügung stellen, auf die letzte Grüße gemalt, geschrieben oder gesprayt werden dürfen.

 

Weiterführende Links:

pfeifer-bestattungen-leipzig.de

anankebestattungen.de