Weit mehr als nur eine Begräbnisstätte

csm_aeternitas_bad_honnef_-_Kopie_Kopie_7be8e41111Weit mehr als nur eine Begräbnisstätte. © Aeternitas e.V.

Der Friedhof ist für die meisten Menschen vor allem ein Ort der Trauer und des Todes. In den letzten Jahren jedoch haben sich viele Friedhöfe mehr und mehr zu Orten mit Erlebniswert und touristischen Attraktionen entwickelt.

 

Mit zahlreichen ungewöhnlichen Aktionen zeigen viele Friedhöfe der Öffentlichkeit ein neues Bild und lösen sich aus dem bisherigen Schattendasein. So werden zum Beispiel Führungen zur Historie oder künstlerische, pädagogische und trauertherapeutische Veranstaltungen angeboten.

 

Theaterdarbietungen auf dem Friedhof

So wurden beispielsweise im Jahre 2008 auf dem Alten Südfriedhof in München an zahlreichen Gräbern von Berühmtheiten Szenen aus deren Leben nachgestellt. Insgesamt 35 Schauspieler spielten an zwei Abenden auf über den Friedhof verteilten „Lichtinseln“. Die mehr als 5.000 Besucher konnten von Bühne zu Bühne flanieren und Münchener Persönlichkeiten wie Leo von Klenze, Friedrich von Gärtner und den Komponisten Joseph Hartmann Stuntz beim „Philosophieren“ über vergangene Zeiten erleben. Um eine ganz besondere Atmosphäre zu schaffen, wurde der gesamte Friedhof stimmungsvoll ausgeleuchtet. Im Weiteren kamen die Besucher in den Genuss verschiedener musikalischer Darbietungen zu Ehren herausragender Komponisten, die auf dem Alten Südfriedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

 

Naturlehrpfad zeigt ökologischen Reichtum des Friedhofs

Doch auch ohne spezielle Events haben Friedhöfe mehr zu bieten als nur kunsthistorisch wertvolle Grabmale. Vor allem viele ältere Friedhöfe besitzen aufgrund einer jahrzehntelangen gewachsenen Vegetation eine einzigartige und vielfältige Flora und Fauna. Die Besucher des Ohlsdorfer Friedhofs, des größten Parkfriedhofs der Welt, können auf knapp 400 Hektar Fläche ein waldähnliches Ambiente genießen. Etwa 36.000 Bäume, 15 Teiche und einige Bäche, die von Wasservögeln besiedelt sind, befinden sich auf dem Gelände. Eine beeindruckende Blumenpracht und der im Juni blühende Rhododendron bieten ein beschauliches Naturerlebnis. Zu jeder Jahreszeit ist Hamburgs größte Grünfläche eine Oase der Ruhe inmitten der belebten Metropole. Hier können Besucher entspannen und neue Energie sammeln. Der 2009 eröffnete Naturlehrpfad gibt großen und kleinen Besuchern mit vielen Informationstafeln Einblicke in die Flora und Fauna des Friedhofes. Der Weg führt vorbei an alten Linden, Eichen und Buchen, wobei es unter anderem Buntspechthöhlen und ein komfortabel angelegtes Insektenhotel zu entdecken gibt. Mit dem Naturlehrpfad soll nicht nur der ökologische Reichtum gezeigt, sondern auch Schwellenängste gegenüber dem Friedhof an sich abgebaut werden.

 

Promi-Friedhöfe

Doch nicht nur wegen der wunderschönen Natur besuchen jedes Jahr zahlreiche Touristen den Ohlsdorfer Friedhof. Viele kommen auch aufgrund der Gedenkstätten von deutschen Berühmtheiten wie Hans Albers, Gustav Gründgens, Heinz Erhardt und Inge Meisel. Der Besuch des Grabes einer berühmten Persönlichkeit kann sehr beeindruckend sein. Hier können die Menschen noch einmal ihren Idolen nahe sein. Bekannt als Ruhestätte vieler berühmter Persönlichkeiten ist der Cimetière Père Lachaise in Paris. Unzählige Blumen, Kerzen, Fotos und sogar Schmuck und andere Präsente, zieren die Gräber von Jim Morisson, Edith Piaf, Oscar Wilde, Honoré de Balzac oder Georges Bizet. Auch in Los Angeles gibt es viele Gräber von Prominenten zu besichtigen. Auf dem Pierce Brothers Westwood Village Memorial Park Cemetery liegen die Ruhestätten von Marilyn Monroe, Burt Lancaster, Natalie Wood, Jack Lemmon, Dean Martin, Billy Wilder, Truman Capote und Frank Zappa. Im vergangenen Jahr wurde aber vor allem der Forest Lawn Friedhof in Glendale von unzähligen Touristen und Fans besucht. Denn hier wurde 2009 Michael Jackson zu Grabe getragen.

 

Der Friedhof als Zeugnis der Geschichte

Vor allem bei historisch interessierten Touristen ist der Old Granary Burying Ground in Boston sehr beliebt. Hier befindet sich das Grab des Freiheitskämpfers Paul Revere, der in einem legendären Ritt die Kolonisten vor dem Heranrücken der britischen Armee warnte. Auch die US-Gründerväter John Hancock und Samuel Adams, die die Unabhängigkeitserklärung unterzeichneten, liegen dort begraben. Ein weiteres Zeugnis der amerikanischen Geschichte ist der Green-Wood Cemetery in Brooklyn/New York. Über 560.000 Menschen haben dort ihre letzte Ruhestätte gefunden. Neben Gräbern von Gefallenen des Bürgerkriegs findet man hier auch zahlreiche Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001. Aufgrund seiner Geschichte, Kunstwerke und der schönen Anlage wurde der Green-Wood Cemetery zu einem Nationaldenkmal der USA erklärt. Ein Anziehungspunkt für viele Kriegsveteranen ist der Arlington National Cemetery in Washington D.C. Auf über 81 Hektar Fläche beherbergt dieser Friedhof die Kriegsgräber von über 300.000 Gefallenen.

 

Ein Mehrwert für die Regionen

Friedhöfe sind nicht selten Zeitdokumente und spiegeln in ihrem Aufbau, ihrer Architektur und ihren Grabmälern die epochentypischen Merkmale vergangener Zeiten wieder. Sie sind das kulturelle Gedächtnis einer Stadt. Und so ist der Friedhof nicht selten eine bedeutende touristische Ressource und ein wichtiger Beitrag für die touristische Attraktion einer Stadt oder Region. Der Alte Friedhof bei Peksowe Brzyzko in Zakopane beispielsweise ist nicht nur in Reiseführern als touristisches Ziel aufgeführt, sondern dient zugleich als Werbemotiv für Prospekte und Postkarten der polnischen Stadt. Wie dieses Beispiel anschaulich beweist, sind Friedhöfe mehr als nur Trauerorte. Sie sind ein Ort der Ruhe, Erholung, Begegnung und vor allem Kulturstätten, die Vergangenes dokumentieren und Geschichte erlebbar machen.

 

Weitere Beispiele für Aktionen auf Friedhöfen sind in der Broschüre „Faszination Friedhof: Friedhöfe erleben – Ideen für Aktionen“ nachzulesen. Veröffentlicht wurde die Broschüre von Aeternitas, der Verbraucherinitiative für Bestattungskultur, in Zusammenarbeit mit dem Bund Heimat und Umwelt (BHU), dem Bundesverband der Bürger- und Heimatvereine.