Von See-Hunden und Meer-Katzen (Interview mit Kapitän Horst Hahn)

Einen Tierfriedhof und die gemeinsame Bestattung von Tier und Mensch gibt es auch auf See. Die Idee dazu kam Kapitän Horst Hahn, als der Kater seiner Frau starb…Einen Tierfriedhof und die gemeinsame Bestattung von Tier und Mensch gibt es auch auf See. Die Idee dazu kam Kapitän Horst Hahn, als der Kater seiner Frau starb…

Wie kamen Sie als Seebestatter darauf, auch Tiere auf See zu bestatten?

Ich hatte gerade meineFrau und ihren Kater Max kennengelernt, der eine besondere Angewohnheit hatte: Wenn meine Frau mit dem Staubsauger herumwirtschaftete, saß er in der geöffneten Schlafzimmerschranktür in der Wäsche und äugte heraus. Als er krank wurde, musste meine Frau ihn einschläfern lassen. Ich nahm ihn im Auto mit zu einem Tierkrematorium in Hamburg und entschied mich für eine Pappschachtel statt einer Luxusurne, die ich mit auf See nehmen wollte. Da war der Gedanke der Tierseebestattung geboren. Kater Max gehörte jedoch zu meiner Frau Christel, nicht zu mir, und sollte mit ihr zusammen seebestattet werden. Als wir unsere Hündin kauften, entschieden wir, dass Lucky mit mir seebestattet werden sollte. So lange liegt die Pappschachtel mit Max´ Asche in der Wäsche im Kleiderschrank und ‚guckt zu‘, wenn meine Frau staubsaugt. Luckys Asche steht mittlerweile daneben.

 

Wie reagierten, Friedhöfe, Bestatter und Behörden anfangs auf Ihre Idee?

Über die Idee der Mensch-/Tier-Seebestattung sprach ich zunächst mit Friedhofbetreibern. Einige waren nicht begeistert und befürchteten, dass Ihnen nun auch noch diejenigen Menschen abspringen, die gemeinsam mit ihrem Haustier bestattet werden möchten und dies auf den meisten Friedhöfen nicht dürfen. Die Humanbestatter waren da offener. Die erste Betreuung und Vermittlung läuft schließlich über sie und meine Geschichte von Kater Max und Hündin Lucky hat sie letztendlich überzeugt.

Jetzt musste das Ganze nur noch genehmigt werden. Was in die See eingebracht werden darf, entscheidet nicht die Bundesregierung, sondern die Ministerpräsidenten der einzelnen Bundesländer. Ich begann mit Kiel. Hier hatte ich Jahre vorher bereits die erste Genehmigung für die Humanbestattung in Deutschland erhalten. Die waren gleich Feuer und Flamme. Vorausgesetzt, wir konnten garantieren, dass Menschen, die Keine Hunde oder Katzen mögen, getrennt bestattet würden. Das war kein Problem. Die Genehmigungen der anderen Ministerien kamen etwas zähneknirschend, aber sie kamen. Das ist jetzt rund fünf Jahre her.

 

Werden Herrchen und Hund wirklich zusammen bestattet – in einer Urne?

Wir füllen die menschliche Asche in eine Seeurne aus meeresfreundlichem Material um. Der Hund wird dann sozusagen ins Herrchen geschüttet. Das Material der Seeurnen darf unterschiedlich sein. Wir haben eine Urne aus Pappmaché entwickelt, die jetzt aus biologischer Pappe in einer Papierfabrik in Thüringen hergestellt wird. In ein Loch im Boden kann Wasser eindringen, sodass sie sinkt und nicht schwimmt.

So bleibt ein kleiner Hügel Asche auf dem Meeresgrund und sandet ein, selbst wenn der Absenkbehälter zerfällt.

 

Auf dem Land entstehen immer mehr Mensch-/Tier-Friedhöfe. Rechnen auch Sie mit einer wachsenden Nachfrage?

Auf jeden Fall. Alleine schon, weil die Idee sich herumspricht und die Seebestattung überdies allgemein immer beliebter wird. Bei in 20 Jahren durchschnittlich zu erwartenden 930.000 Verstorbenen jährlich, davon 53 Prozent Feuerbestattungen und davon wiederum 18 Prozent Seebestattungen pro Jahr ergeben sich pro Jahr 88.722 Seebestattungen. Es gibt derzeit aber nur 20 Schiffe, die Seebestattungen durchführen können und dürfen. 24.000 Seebestattungen können also nur pro Jahr durchgeführt werden. Der Bedarf kann entweder durch Sammelbeisetzungen oder durch den Neubau von Schiffen gedeckt werden. Übrigens sind wir Seebestatter untereinander durchaus kooperativ. Kommt ein Kunde mit dem Wunsch, sich mit einem Haustier seebestatten zu lassen zu einem Kollegen, verweist er ihn auch an uns.

 

Was, wenn das Haustier vor seinem Halter verstirbt?

Dann gewähren wir diesen letzten Willen natürlich! Der Halter kann testamentarisch bestimmen, dass der Hund nach dem Ableben eingeäschert und auf die Position seines Herrchens oder Frauchens auf See gebracht werden soll. Das machen wir kostenlos und nehmen die Urne des Tieres einfach bei einer Fahrt zu einer Human-Seebestattung mit. Wenn wir der Trauergemeinde erklären, dass wir noch kurz den Hund zu seinem Herrchen herunterlassen müssen, sind viele ganz interessiert und denken oft ebenfalls über eine gemeinsame Bestattung nach, wenn sie ein Haustier haben. ‚Dann hört wenigstens das illegale Verbuddeln auf‘, hören wir oft. Werden Heimtiere alleine bestattet und ist auch keine gemeinsame Bestattung mit dem Halter geplant, führen wir Kollektivbestattungen für Tiere auf See durch – zwar ohne ‚Angehörige‘ an Bord, aber manchmal mit aufwändigeren Urnen mit einem Foto des Tieres als letzter persönlicher Gruß.

 

Link zur Webseite: www.seebstattungen.de