Vereinsamung bei Beerdigungen

csm_birgitta_hohenester_pixelio.de_ad64c58f9eVereinsamung bei Beerdigungen. birgitta hohenester_pixelio.de

In Schweden immer weniger Menschen an Begräbnissen teil. Der schwedische Dachverband der Beerdigungsbranche meldet, dass sich die Teilnehmeranzahl an Beerdigungen seit Ende der 80er-Jahre quasi halbiert hat. So kamen 1989 noch durchschnittlich 50 Gäste, um sich persönlich zu verabschieden. In den vergangenen Jahren dagegen kamen nur noch durchschnittlich 25 Personen pro Beerdigung.

 

„Beerdigungen sind nicht mehr und nicht weniger als ein Spiegel der Gesellschaft. Menschen sind heute oft einsamer als früher“, sagt Bestatter Ulf Lernéus in einem Interview mit der österreichischen Zeitung Der Standard. Demnach gibt es in Schweden heutzutage viel mehr Einpersonenhaushalte. Vor allem der demografische Wandel spielt hierbei eine Rolle. Der unsichere Arbeitsmarkt bedingt das Umziehen zwischen vielen verschiedenen Orten. Das unstete Leben macht es schwieriger, tiefere Beziehungen aufzubauen, die bis zum letzten Geleit reichen. Soziologische Netzwerkstudien unterstreichen diese These. Heute gibt es  im Gegensatz zu früher weniger enge und nahe Verhältnisse. Freundschaften finden oft nur online statt und können genauso schnell enden wie sie angefangen haben.

 

Verlust der Trauerkultur schreitet voran

Nicht nur in Schweden lässt sich ein Verlust der Trauerkultur feststellen. Auch in Deutschland ist ein Rückgang der Trauergäste bei Beerdigungen zu beobachten. Während es früher selbstverständlich war, dass man zur Beerdigung der Tante auch von weit her anreist, kommt es heutzutage immer häufiger vor, dass Menschen erst einmal abwägen, ob sie sich überhaupt auf den Weg machen. Ein Grund ist hier sicherlich die Entfremdung der Familien untereinander. Abgesehen davon, dass die Familienverbände viel kleiner sind als früher, leben die Familienmitglieder nicht selten über ganz Deutschland verteilt. So hat man zur Tante vielleicht gar keinen persönlichen Bezug aufgebaut, da man sie nur selten gesehen hat. Dementsprechend nimmt man dann die 500 Kilometer Anfahrt zur Beerdigung nicht in Kauf. Auf der anderen Seite wollen Angehörige von vornherein nur wenige Leute zur Beerdigung einladen. Damit können sie jedoch einigen Verwandten oder Freunden vor den Kopf stoßen, die sich nur allzu gern noch einmal von dem Verstorbenen während einer Trauerfeier verabschiedet hätten. Für viele ist der letzte Abschied auf dem Weg der Trauerbewältigung ein wichtiger Schritt. So sollte der Bestatter im Beratungsgespräch immer darauf hinweisen, dass die Beerdigung ein einmaliges Ereignis ist das nicht wiederholt werden kann. Außerdem sollten die nahen Verwandten nicht nur an sich selbst, sondern auch an das Umfeld des Verstorbenen denken.