Unternehmens­porträt: Bestattungshaus Radermacher

csm_Ehepaar-Radermacher_-_Kopie_b7cabf14f9Unternehmens­porträt. © Bestattungshaus Radermacher

Das orangene Haus im kleinen Örtchen Lügde-Sabbenhausen kann man schon von weitem sehen. Es fällt auf. So sieht doch kein Bestattungshaus aus? Entgegen der Vorurteile vieler Menschen, dass Bestattungshäuser immer dunkel und alt sind, ist das Haus Nummer Neun in der Wörmkestraße ein heller Neubau mit knalligem Farbanstrich.

 

Mittlerweile ist es fast vier Jahre her, dass Thomas Radermacher in die neuen Räumlichkeiten seines Bestattungshauses zog. Der Bestatter hat das Haus fast vollständig in Eigenleistung gebaut. Freunde und Familie haben ihn unterstützt. Obwohl es das Bestattungshaus Radermacher bereits seit über 30 Jahren gibt, war der Umzug eine Art Neuanfang. Alles begann mit einem Seminar in Münster vor sechs Jahren. Thomas Radermacher lernte die Bestattungsräume und Arbeitsweise eines Kollegen kennen. Er war hellauf begeistert. Genau das wollte er seinen Kunden auch bieten. Ein kleiner Umbau hätte nicht ausgereicht. Wenn schon dann richtig, dachte er sich und baute ein eigenes Bestattungshaus – ganz nach seinen Vorstellungen und Wünschen.

 

Erste Beerdigung mit 14 Jahren

Als im Jahr 1978 der einzige Bestatter in Lügde-Sabbenhausen seinen Betrieb auflöste überlegte Rolf Radermacher nicht lange und übernahm das kleine Bestattungsinstitut. „Mein Vater hatte eine Tischlerei. Zur damaligen Zeit war es nichts Ungewöhnliches, das der Tischler des Ortes gleichzeitig auch der Bestatter war.“ Thomas Radermacher kann sich noch genau an seine erste Bestattung erinnern: „Ich war 14 Jahre alt. Wir holten eine 88 Jahre alte Dame ab, die nur noch 40 Kilogramm wog. Ich fand die Versorgung der verstorbenen Dorfbewohnerin überhaupt nicht schlimm. Ab da unterstützte ich meinen Vater nicht nur in der Tischlerei, sondern auch bei Bestattungen.“ Die Radermachers führten das Bestattungshaus so wie ihr Vorgänger. „Wenn ich jetzt die Jahre vor unserem Umzug betrachte, war unsere Arbeitsweise schlicht, traditionell und teilweise richtig altbacken“, sagt Thomas Radermacher. Der Bestatter ist froh, dass er auch mal über den Tellerrand blicken durfte und gelernt hat, was heutzutage alles möglich ist.

 

Bewusste Farbauswahl

„Die Anforderungen und Wünsche der Hinterbliebenen haben sich in den letzten Jahren verändert. So wie die ganze Bestattungskultur. Es ist wichtig sich nicht vor Neuem zu verschließen, sondern darauf zu reagieren“, berichtet Radermacher. Genau das hat der Bestatter der kleinen Gemeinde im Kreis Lippe vor acht Jahren getan. Er baute ein komplett neues Bestattungshaus. „In den Bereichen Innenarchitektur, Gestaltung und beim Marketing habe ich mir professionelle Unterstützung gesucht.“ Dabei herausgekommen ist ein Bestattungshaus, das Außen und Innen von verschiedenen Orange-Tönen geprägt ist. Familie Radermacher befolgte den Rat ihrer Innenarchitektin und wählte bewusst diese Farbtöne. Orange gilt in der Psychologie als stimmungsaufhellend, stimulierend und wird mit Lust verbunden. Zusätzlich steht die Farbe der untergehenden Sonne für Kontaktfreudigkeit und die Bereitschaft, Neues zu entdecken. „Mit unserer Farbwahl wollten wir für unsere Kunden eine Wohlfühlatmosphäre schaffen. Der Tod muss nicht dunkel und schwarz sein. Mit der warmen und optimistischen Ausstrahlung der mediterranen Farben geben wir unseren Kunden die Möglichkeit, in Würde, Liebe und Harmonie Abschied zu nehmen und den Ort der Erinnerung individuell zu planen und zu gestalten“, so Thomas Radermacher.

 

In Harmonie Abschied nehmen

Das ist der Leitsatz des Bestattungshauses Radermacher. „Bei uns steht das Trauergespräch im Vordergrund. Erst ganz zum Schluss soll sich der Kunde in aller Ruhe ein Sarg oder Urnenmodell aussuchen.“ Geholfen hat ihm seine Ausbildung zum Seelsorger. „Ich habe viel über die Aspekte der Trauer erfahren. Auch wie unterschiedlich die Menschen in Stresssituationen reagieren.“ Dem Bestatter und seinem Team ist es besonders wichtig, den Hinterbliebenen Raum für ihre Trauer zu geben: „Nur so kann eine Beerdigung individuell und einzigartig werden. Im offenen und ehrlichen Dialog überlegen wir gemeinsam, wie dem Verstorbenen eine ganz auf ihn zugeschnittene „letzte Ehre“ erwiesen werden kann“, erläutert der 48-jährige. Mittlerweile kommen nicht nur Familien aus Lügde-Sabbenhausen und den Nachbardörfern zu Thomas Radermacher. Das Konzept des Bestatters hat sich herumgesprochen. Vor kurzem nahm eine Familie rund 30 Kilometer Fahrtweg auf sich, um den verstorbenen Großvater vom Bestattungshaus Radermacher beerdigen zu lassen.

 

Themen Tod und Trauer in die Öffentlichkeit bringen

Neben der persönlichen Begleitung im Sterbefall bietet das Bestattungshaus aus dem Kreis Lippe auch Führungen für Jugend- und Kindergruppen, Lesungen und Forumsveranstaltungen zur Bestattungskultur an. „Uns ist es wichtig, den Menschen die Themen Bestattung und Tod näher zu bringen. Sie gehören zum Leben dazu. Früher oder später muss sich jeder mit dem Tod und der Trauer auseinandersetzen. Wir versuchen den Menschen zu zeigen, dass eine Beerdigung nicht nur eine förmliche Sache ist. Die Bestattung ist vielmehr die letzte Hommage, der letzte Liebesbeweis für den Verstorbenen.“

Als im letzten Jahr von der Lippischen Landeskirche die Anfrage kam, einen Vortrag über den Wandel in der Bestattungskultur zu halten, überlegte Thomas Radermacher nicht lange und sagte zu. „Ich erinnerte mich an die Titelstory der Dezemberausgabe der „Bestattung“, die ich regelmäßig lese. Der Bericht „Kirche und Bestattung – Status Quo“ war so gut geschrieben, dass ich ihn direkt in meinen Vortrag mit einbaute.“ Aufmerksam folgten Pfarrer und Kirchenvorstände auf der Ökumenischen Kirchenvorstandssitzung der Klasse Blomberg der Präsentation des Bestatters. So dauerte es auch nicht lange, bis eine angeregte Diskussion entstand. „Alle Belegexemplare der „Bestattung“, die ich ausgelegt hatte, waren am Ende des Tages vergriffen.“

In diesem Jahr möchte Thomas Radermacher die Außenanlage seines Bestattungshauses ausgestalten. So soll es in Zusammenarbeit mit den Steinmetzen und verschiedenen Gärtnern der Region eine Ausstellung von Mustergräbern und Mustergrabbepflanzungen rund um das Bestattungshaus geben. Diese sollen dem Kunden als Informationsplattform dienen. Zum Beispiel, welche Möglichkeiten es bei der Grabsteinwahl, der Grabpflege oder -bepflanzung gibt.