„Unternehmen mit veralteten Online-Auftritten werden nicht ernst genommen.“ (Interview mit Birgit Aurelia Janetzky)

Mit Beratung zu allen Fragen an der Schnittstelle von Mensch, Tod und Internet will Birgit Aurelia Janetzky dazu beitragen, dass das Bewusstsein bei den Menschen wächst und Unternehmen, Verbände und Freiberufler die Digitalisierung auf eine gute Weise in ihre Produkte, Dienstleistungen und Beratungen integrieren können.Mit Beratung zu allen Fragen an der Schnittstelle von Mensch, Tod und Internet will Birgit Aurelia Janetzky dazu beitragen, dass das Bewusstsein bei den Menschen wächst und Unternehmen, Verbände und Freiberufler die Digitalisierung auf eine gute Weise in ihre Produkte, Dienstleistungen und Beratungen integrieren können.

Wie schätzen Sie die Bestattungsbranche hinsichtlich des Digitalisierungsgrades ein und wo gibt es noch Nachholbedarf?

Das Thema Digitalisierung ist in der Bestattungsbranche angekommen. Vielleicht ist das noch nicht bei jedem kleinen Bestatter der Fall, aber in den größeren Bestattungshäusern und bei den Filialisten wächst das Bewusstsein, dass hier etwas getan werden muss.

Manchmal habe ich den Eindruck, dass noch zu sehr nach der Generation derer geschaut wird, die jetzt die Bestattung ihrer alten Eltern in Auftrag geben. Diese Generation der Babyboomer ist noch nicht digital aufgewachsen, und so über die herkömmlichen Kanäle noch ganz gut zu erreichen. Schon jetzt und in den nächsten Jahren zunehmend, werden die Menschen eine Bestattung in Auftrag geben, die bereits digital aufgewachsen sind und digitale Medien mit großer Selbstverständlichkeit nutzen. Nicht-digitale Wege sind außerhalb ihres Blickfeldes. Unternehmen mit veralteten Onlineauftritten werden nicht ernst genommen.

 

In welche Bereiche ist die Digitalisierung schon vorgedrungen?

Hier muss man zwei Dimensionen unterscheiden: Zum einen geht es um digitale Werkzeuge, die die Arbeit des Bestatters erleichtern können. Dazu zählen eine gute Bestattungssoftware, ein digitaler Katalog, der MP3-Player statt der CD bei der Trauerfeier, oder die Abwicklung der sterbefallbezogenen Formalitäten per Onlineplattform. Quasi alle Abmeldungen inklusive des digitalen Nachlasses können online vorgenommen werden.

Die zweite Form der Digitalisierung, in der Fachsprache wird sie als disruptiv bezeichnet, wird von vielen Bestattern als bedrohlich empfunden. Gemeint sind damit die Vergleichsportale für Bestattungsdienstleistungen im Internet, die das herkömmliche Geschäftsmodell infrage stellen. In anderen Branchen kann man ablesen, wohin die Entwicklung gehen könnte. Heute findet kaum noch eine Hotelbuchung direkt in einem Hotel statt, sondern diverse Buchungsplattformen sind zwischen den Kunden und das Hotel geschaltet. Das geht immer auf Kosten der Verdienstmargen. Ob das in dieser Gänze auch für die Bestattung funktionieren wird, das bleibt abzuwarten. Doch jede Bestattung, die über ein Onlineportal vermittelt wird, ist eine Bestattung weniger für den ortsansässigen Bestatter.

 

Was empfehlen Sie Bestattern, die ihre Individualität und Unabhängigkeit bewahren wollen?

Wer als Unternehmen nicht in die Abhängigkeit einer zwischengeschalteten Vertriebsplattform geraten möchte muss bewusst gegensteuern. Da sich die gesamte Informationssuche der Menschen in das Internet verlagert, muss jeder Bestatter dort präsent und gut auffindbar sein. Es wird nicht ausreichen, das Thema digitaler Veränderungen aussitzen zu wollen. Bestattungshäuser müssen jetzt aktiv werden, um auch in Zukunft im Bestattungsmarkt bestehen zu können. Was also ist zu tun?

Unabdingbar ist eine gute Webseite für das Bestattungsunternehmen. Selbst wenn Menschen ihren Bestatter noch über Empfehlungen finden, die junge Generation schaut sich das Ganze erst einmal online an. Da die Menschen vermehrt mit dem Smartphone online gehen, muss die Webseite natürlich technisch auf dem aktuellen Stand sein. Das Zauberwort heißt hier „responsive“, d. h. die Webseite muss sich in der Darstellung automatisch an die kleinen Bildschirme der mobilen Geräte anpassen. Die Navigation muss ohne zu scrollen, mit einem Klick verfügbar sein. Gästebücher und Clip Arts sind schon lange out.

Die neue Webseite sollte schon mit der Vorgabe erstellt werden, dass sie gut gefunden werden kann. Sie ist auf die Suchmaschinen optimiert zu texten und zu gestalten. Marktführer ist hier mit knapp 93 % die Suchmaschine Google. Mit einem kostenlosen Eintrag in Google My Business wird der eigene Eintrag eingeblendet, wenn Nutzer in Maps oder auf Google nach dem konkreten Bestattungshaus oder überhaupt einen Bestatter in der Region suchen. Eine Überlegung wert ist auch, ob bei Google Werbung geschaltet wird.

 

Was ist die nächste Stufe, wenn die Website einmal steht?

Ein weiteres wichtiges Stichwort der Digitalisierung ist die Cloud. Die Bestattersoftware, der Katalog oder andere Anwendungen sind nicht mehr lokal auf dem Rechner installiert, sondern auf einem eigenen Server oder dem eines Anbieters. Der Vorteil liegt auf der Hand: Auch unterwegs kann auf die erforderlichen Daten jederzeit zugegriffen werden.

Auch der Bereich des Marketings wird zunehmend digitaler. Über die Webseite haben wir schon gesprochen. Vor allem größere Bestattungshäuser mit mehreren Filialen können von einem guten Auftritt in den Social-Media-Kanälen profitieren.

Eins ist klar, auch im Digitalen erledigen sich die Dinge nicht von selbst. Man muss Zeit reservieren, um sich eine digitale Strategie zu erarbeiten. Es muss über personelle Ressourcen und über Geld gesprochen werden, um die digitale Strategie professionell umzusetzen.

 

Links:
semno.de