Sterbehilfe im Abendprogramm

csm_Fernsehprogramm_by_RainerSturm_pixelio_b18d2b52c6Sterbehilfe im Abendprogramm. © Rainer Sturm/ pixelio.de

Im Dezember 2008 strahlte ein englischer Fernsehsender einen Fall von Sterbehilfe aus. Bereits im Vorfeld hatte die Ankündigung heftige Kritik ausgelöst. Dabei handelte es sich nicht um die erste derartige Dokumentation, die im Fernsehen zu sehen war.

 

Unterstützt von der umstrittenen Sterbehilfeorganisation Dignitas, beging der Brite Craig Ewert bereits im September 2006 vor laufender Kamera Selbstmord. Im Oktober und Dezember 2008 sendeten ein britischer und ein Schweizer Fernsehsender diese Aufnahmen. Für internationale Aufmerksamkeit sorgte vor allem die Übertragung des englischen TV-Senders Sky Real Lives. Der Privatsender hatte den Dokumentarfilm The Suicide Tourist unter dem Titel Right to die? (auf Deutsch: Recht zu sterben?) ausgestrahlt.

 

Quotenhoch für TV-Sender

Anders als in vielen Medien berichtet, handelte es sich bei der Dokumentation jedoch nicht um die erste Ausstrahlung eines Selbstmordes im Fernsehen. Bereits im August 1992 hatte der deutsche TV-Sender Sat.1 in seinem Magazin „Akut“ den gefilmten Selbstmord eines Mannes ausgestrahlt – zumindest teilweise. Kurz vor dem Tod des Mannes wurde die Aufnahme angehalten und nur noch der Ton abgespielt. Right to die? zeigte mehr, die Kamera zeichnete das Geschehen bis zum Ende auf. Unzählige Fernsehzuschauer sahen im abendlichen Fernsehprogramm, wie der unter der unheilbaren Krankheit amyotrophe Lateralsklerose leidende Mann mithilfe eines Strohhalms den tödlichen Medikamentencocktail zu sich nahm und danach selbst das Beatmungsgerät ausschaltete, indem er auf einen Schalter biss. Seine Hände konnte der ehemalige Informatikprofessor zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr bewegen.

 

Kritik und Lob

Schon im Vorfeld hatte die Ankündigung des Fernsehsenders, die Dokumentation zu zeigen, heftige Kritik ausgelöst. Nach der Sendung waren die Urteile gespalten. Positiv fiel beispielsweise das Urteil des Online-Magazins spiegel.de aus: die Dokumentation sei zu Unrecht als „Quotenhascherei“ bezeichnet worden – sie sei im Gegenteil „eine sensible Studie zur Alltäglichkeit des Todes“. Negativ dagegen äußerte sich zum Beispiel der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe. Er forderte in einer Pressemitteilung die Medien dazu auf, „Sterbehilfe nicht als scheinbar ideale Handlungsanleitung zum Freitod zu inszenieren, sondern mehr über die Möglichkeiten der ärztlichen Sterbebegleitung zu informieren“. Seine Begründung:  „Wenn das Sterben öffentlich inszeniert wird, verliert der Sterbende seine Würde.“ Auch der VDZB bezieht eine klare Position zu der TV-Ausstrahlung. „Unabhängig davon, ob man Menschen das Recht auf Freitod zubilligt oder nicht – einen begleiteten Selbstmord im Fernsehen zu zeigen und derart zu inszenieren, ist nicht akzeptabel“, erklärt Geschäftsführer Siegfried von Lauvenberg. „Ein solches Vorgehen kann man nur als Sensationsjournalismus bezeichnen.“