Sich abmühen für die Kinder!?

csm_krawuttke_klein_17_61b4522fa8© echtgemalt

Kennen Sie das auch? Man rackert sich ab, ist 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche für das Geschäft da, kämpft um jeden Kunden, ist immer höflich, seriös und vor Ort eine feste Größe – man kann mit Recht stolz auf das sein, was man sich erarbeitet hat.

 

Noch ein paar Jahre und dann kann man seinen Kindern ein gut geführtes kleines Bestattungsunternehmen übergeben. Höchste Zeit, mal mit den lieben Nachkommen ein ernstes Wort zu sprechen, sie auf ihre geschäftliche Zukunft vorzubereiten. Die Fußstapfen, in die sie treten werden, sind groß. Daher sollte man frühzeitig anfangen. „Hört mal…“, beginne ich am Abendbrottisch. Die Gelegenheit erscheint mir günstig, denn ausnahmsweise ist mal die ganze Familie versammelt. „Papa ist ja auch nicht mehr der Jüngste…“.  Der 16-jährige Gunter schaut mich an, stopft sich eine ganze Gewürzgurke in den Mund und grunzt. Seine ein Jahr jüngere Schwester Sarah rollt nur mit den Augen. Ich lasse mich nicht beirren und fahre fort. „Ihr seid ja in ein paar Jahren fertig mit der Schule und dann fängt für Euch der Ernst des Lebens an.“ Sarah scheint sofort zu merken, worauf ich hinaus will. „Wenn Du meinst, dass ich mich dann in deine Sargbude stelle und den Trauerkloß spiele, hast du dich geschnitten.“ Jakob prustet vor Erheiterung einige feuchte Brotkrümel über den Tisch. „Sarah, Gunter!“ ermahnt sie zischend meine Frau.

 

Ich wusste, dass es nicht leicht werden würde und tue so, als hätte ich nichts gehört. „Heutzutage ist es nicht einfach, eine Arbeit zu finden, mit der man eine Familie ernähren kann.“ Gunter hat gerade den Mund leergekaut und nutzt die Gelegenheit für einen Kommentar zur Sache. „Ich will sowieso nicht heiraten und Kinder will ich erst recht nicht“. Die nächste Gewürzgurke wandert in seinen Mund. Ich kann mich erinnern, dass ich in seinem Alter auch so gedacht habe. Vielleicht ist es nicht schlecht, wenn er das weiß und dadurch merkt, dass wir gar nicht so verschieden sind. „Früher hab ich das auch nicht gewollt. Aber jeder Mensch macht auch mal Fehler und einige Dinge im Leben kann man leider nicht mehr rückgängig machen.“ Das böse Funkeln in den Augen meiner Frau bringt mich ein wenig aus dem Konzept, aber Gunters Aufmerksamkeit scheint gefesselt zu sein. Er blickt mich mit offenem Mund an und ich fühle mich bestätigt: „Guckt mal, jeder hier im Ort kennt den Namen Krawuttke. Und das schon seit vielen Generationen. Krawuttke Bestattungen, Tradition seit  1930! Seid ihr denn da nicht ein wenig stolz drauf?“ „Nein!“ kam es unisono aus dem Mund meiner beiden Halbwüchsigen. „Willst du wissen, welche Witze wir uns täglich anhören müssen?“ entrüstet sich Sarah. Ich konnte es mir vorstellen, ich hatte in der Schule das gleiche Problem. Während ich mich in Gedanken noch an die vielen unschönen Situationen in meiner Jugend erinnerte, scheint für meine beiden Sprösslinge das Gespräch vorbei zu sein. Sie räumen ihre Teller ab und wollen gehen. Ich protestiere: „Wo wollt ihr hin?“ „Heut abend ist doch Halloween. Wir sind noch auf eine Party eingeladen,“  erklärt mir Gunter. „Müsst ihr euch da nicht verkleiden?“ fragt meine Frau besorgt. „Nee, brauchen wir nicht,“ meint Sarah „wir gehen als Krawuttke, das reicht!“