Schockfrosten, kompostieren oder zersetzen: umweltschonendes Leichnam-Recycling

Infinity Burial SuitDer „Infinity Burial Suit“ ist ein Pilzanzug, der in der Lage ist, tote Körper mit Haut, Haar und Schadstoffen zu „essen“.

Neue Alternativen zur Einäscherung und Erdbestattung versprechen ein reines ökologisches Gewissen.

Ökologische Schäden gänzlich auszuschließen, verheißt ein Verfahren der schwedischen Promessa Organic AB: Bei der so genannten Promession werden die sterblichen menschlichen Überreste tiefgefroren und auf bis zu minus 196°C abgekühlt, im Anschluss durch Schallwellen und Erschütterungen pulverisiert und in einer Vakuum-Kammer getrocknet. Schließlich werden Metallteile und andere Fremdstoffe entfernt. Das Pulver wird nach der Abtrennung von Schadstoffen in einem kompostierbaren Sarg beigesetzt werden, wird mit Hilfe von Mikroorganismen innerhalb von zwölf Monaten zu Humus zersetzt und so wieder im Naturkreislauf. Der so verkürzte Prozess der Verwesung bringt eine Verringerung des Flächenverbrauchs mit sich. Unter Verwendung von Ökostrom wäre die Bilanz sogar positiver als bei der Verbrennung.

Während die rechtlichen Voraussetzungen für diese Bestattungsart in Schweden noch fehlen, erlauben es laut Wirtschaftswoche einige deutsche Bundesländer wie Niedersachsen bereits. Laut § 10 des Bestattungsgesetzes laut § 10 sind die Behörden ermächtigt, „eine Tieftemperaturbehandlung mit anschließender Erdbestattung auf einem Friedhof in einem kompostierbaren Sarg zuzulassen.“ Auch in Mecklenburg-Vorpommern ist dieses Verfahren laut Rolf Lichtner vom BDB erlaubt, werde aber aus bestattungskulturellen Gründen nicht genutzt.

Eine weitere Möglichkeit des umweltverträglichen Verbleibs menschlicher Überreste verspricht das schottische Unternehmen Resomation Ltd. mit einem alkalischen Hydrolyseverfahren aus der Tierkadaverbeseitigung: Der Leichnam wird durch eine heiße Lauge unter hohen Druck in seine Bestandteile zersetzt. Innerhalb von zwei bis drei Stunden löst er sich in eine weitgehend rückstandsfreie und sterile Flüssigkeit auf, die in einer Abwasserreinigungsanlage nachbehandelt wird. Verbleibende Knochen werden gemahlen und in einer Urne übergeben. Diese flüssige „Bio-Kremierung“ soll 85 Prozent weniger Energie als eine Einäscherung verbrauchen, keine Quecksilber, Dioxine oder Furane freisetzen. Das Verfahren ist in bislang in Kanada, Großbritannien und Australien sowie einigen Bundesstaaten der USA zugelassen. Andere wiederum melden aufgrund mangelnder Nachweise ökologische Bedenken an.

In Deutschland werden sie eher unter kulturhistorischen bzw. ethischen und Aspekten der Menschlichkeit als unter ökologischen Aspekten diskutiert.

 

Kompostierung im Urban Death Project

Die Mission einer Initiative in Seattle, die sich „Urban Death Project“ nennt, ist eine sinnvolle, gerechte und ökologische Alternative für den Umgang mit Verstorbenen. Das ganzheitliche Modell basiert laut urbandeathproject.org auf einem ökologischen Dispositionssystems auf der Grundlage der natürlichen Zyklen, um nach dem Tod neues Leben entstehen zu lassen. Im Mittelpunkt dieses Modells steht ein so genanntes Rekompostierungssystem, das Körper in einem schonenden Verfahren in Erde umwandelt. Neu an der Idee ist die Einbeziehung des Verfahrens in die Abschiednahme durch die Hinterbliebenen. Das Urban Death Project sieht ein eigens errichtetes dreistöckiges Gebäude  mit Gemeinschaftsräumen vor, in denen die Trauernden der Rückkehr des Verstorbenen in die Erde beiwohnen. Die Überreste werden zum Nährboden für das Gebäude umgebenden Gärten. Im Rahmen der Abschiednahme können weltliche oder religiöse Riten zelebriert werden, während der Verstorbene in kohlenstoffreichem pflanzlichem Material im Inneren des Bauwerks abgelegt und mithilfe von Mikroben zu Erde abgebaut wird. Diese Art der Kompostierung wird in den USA bereits für Tierkadaver angewendet.

 

Urban-Death-Projet
Die Mission einer Initiative in Seattle, die sich „Urban Death Project “ nennt, ist eine sinnvolle, gerechte und ökologische Alternative für den Umgang mit Verstorbenen.

 

Die Gründerin des Projekts, die Architektin und Anthropologin Katrina Spade, ist auch Mitglied des „Order of the Good Death“, einer Gruppe von Bestattungsprofis, Akademikern und Künstlern, die seit der Gründung 2011 in Kalifornien gemeinsam nach Wegen suchen, den Tod wieder als Teil des Lebens in die öffentliche Aufmerksamkeit zu rücken. „Green Burial“ ist auch in den USA ein wachsender Trend. Von den rund 19.500 Bestattern in den USA bietet rund jedes fünfte Mitglied des Bestatterverbandes Bestattungen mit zumindest einer „grünen Komponente“ an, zitiert die Wirtschaftswoche die Sprecherin Jessica Koth[1]. Dies können etwa örtliche Blumen, Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern im regionalen Umkreis oder der Verzicht auf die weit verbreitete Praxis der Einbalsamierung mit umweltschädlichen Chemikalien wie Formaldehyd sein.

 

In Pilze gehüllt

Wenngleich es in den USA keinen Friedhofszwang gibt, wünschen sich viele Menschen eine ökologisch unbedenkliche Erdbestattung auf dem Friedhof. Der „Infinity Burial Suit“ ist ein Pilzanzug, der in der Lage ist, tote Körper mit Haut, Haar und Schadstoffen zu „essen“. Die US-amerikanische Künstlerin Jae Rhim Lee, auch sie Mitglied der „Order of the good Death“-Bewegung hat am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) einen Pilzanzug entwickelt, der organisches totes Material zersetzt. Er besteht aus biologisch abbaubarem Material ohne Zusatz von Chemikalien und Konservierungsstoffen. Der Hersteller Coeio verspricht mehr als eine „green Burial“, denn dank des Burial Suit belaste der Körper die Umwelt nicht nur nicht, sondern nütze ihr sogar: Pflanzenwurzeln gelangen leichter an Nährstoffe und die Verrottung werde beschleunigt. Überies tragen die Pilzsporen zum Abbau toxischer Stoffe bei, die sonst in den Boden und das Grundwasser gelangen würden. Wird der Körper innerhalb von 24 Stunden im Infinity Burial Suit beerdigt, verwandeln sich die Pilzsporen, die den schwarzen Anzug wie weiße Adern überziehen, in Pilze. Diese sind nicht nur in der Lage, tote Körperzellen zu zersetzen, sondern können angeblich auch Giftstoffe aufnehmen. Das Unternehmen empfiehlt, den Burial Suit in einem ökologisch abbaubaren Sarg zu tragen.