Redens-Art: Was Trauerredner leisten

Trauerrednerin Birgit Janetzky

Freie Trauerredner gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Das Interesse am Beruf ist groß. So tummeln sich neben den etablierten intensiven Ausbildungen auch immer mehr Intensiv- und Fernkurse auf dem Markt. Die Tatsache, dass Trauerredner kein geschützter Beruf ist, macht es für Bestatter nicht leichter, einen oder mehrere vertrauensvolle Partner zu finden. Welche Kriterien sind also wichtig?

Wer das Stichwort „freier Trauerredner“ googelt, erhält in Sekundenschnelle 28.000 Seiten zum Thema, auf denen unterschiedlich qualifizierte Menschen ihre Dienste anbieten. Ein großer Markt – mittlerweile mit vielen buchstäblich schwarzen Schafen. Trauerrednern kommt vor allem die Aufgabe zu, die letztgültigen Worte zum Leben eines Verstorbenen auszusprechen. Dennoch ist der Begriff unzureichend, reduziert er doch die Person auf die Rede und lässt das breite Spektrum an Fähigkeiten und kulturellem, religiösem und psychologischem Wissen außen vor, dessen es bedarf, um Menschen in einer Abschiedssituation zu begleiten. Etwa seit den 1980er Jahren sind Trauerredner zunehmend gefragt, gehören doch immer weniger Menschen einer Kirche oder sonstigen Religionsgemeinschaft an. Waren sie früher oft akademisch gebildet und in der Öffentlichkeit bereits bekannt, sind Trauerredner heute qualifizierte Fachleute – oft mit professioneller Ausbildung im Bereich Anthropologie, Gesellschaftswissenschaft, Kulturwissenschaft, Psychologie und Rhetorik sowie mit Kenntnissen um Lebensübergangsrituale und Symbolik. Auch die eigene Lebenserfahrung ist ein nicht zu unterschätzender Faktor. Denn Trauerredner werden auch an ihrem glaubwürdigen und authentischen Auftreten gemessen. Gute Trauerredner führen ein ausführliches Gespräch im Rahmen eines Hausbesuchs. Wie der Bestatter für eine individuelle Dekoration verantwortlich ist, muss auch die Trauerrede der Persönlichkeit des Verstorbenen gerecht werden. Unpersönliche Textbausteine werden schnell entlarvt. So formulieren auch immer mehr Hinterbliebene persönliche Anliegen. Die Folge für den Berufsstand und die Bestattungsinstitute: Die Arbeit der verschiedenen Trauerrednerinnen und -redner wird nicht nur zunehmend aufwändiger, sondern auch vergleichbar – gleichermaßen eine Chance wie ein Risiko. Denn aufgrund der großen Konkurrenz haben heute nur noch lebenserfahrene und gut qualifizierte Trauerredner eine Chance, diese Arbeit als einen Beruf auszuüben. Drei Experten verraten in der Print-Ausgabe 02/2015, welchen Herausforderungen sich Trauerredner heute stellen müssen, was eine gute Trauerrede ausmacht und wie Bestatter passende Partner finden: http://vdzb.de/fileadmin/seiten/heft-archiv/ausgabe_april_15.pdf