Pleitegeier schwebt über Friedhöfen

csm_Friedhofsschliessung_Bornkamp_09c83a05b5Pleitegeier schwebt über Friedhöfen. © Friedhof Bornkamp/Hamburg

Die Stilllegung des Friedhofs Bornkamp in Hamburg-Altona war abzusehen. Bereits im Frühjahr 2011 wurde die Friedhofskapelle geschlossen. Seit längerem konnten die laufenden Kosten nicht gedeckt werden. Jetzt beginnt ein langfristiges Schließungsverfahren.

 

Von nun an dürfen nur noch die Ehepartner von bereits auf dem Friedhof Bornkamp Beerdigten bestattet werden. Wenn die Ruhezeit von 25 Jahren für alle Gräber abgelaufen ist muss eine weitere Pietätsfrist von 10 Jahren eingehalten werden, bevor das Friedhofsgelände umfunktioniert werden kann. „Wir haben uns bewusst für ein langsames Auslaufen entschieden und wollten damit Hinterbliebenen die Möglichkeit geben sich wie gewünscht neben ihren Ehepartnern bestatten zu lassen“, berichtet Kerstin Harriehausen, kaufmännische Leiterin der Evangelischen Friedhöfe Altona. Nach der Schließung wird der Friedhof Eigentum der Stadt und zur Grünfläche – mit Grabsteinen – umgestaltet. Bebaut werden soll die Fläche Bornkamp nicht. In den Planungen des Projekts der neuen „Mitte Altona“ ist das Gelände als Grüngürtel bereits eingeplant. Grab-Inhaber haben die Wahl: Sie können ihre Angehörigen auf dem Friedhof in Altona-Nord oder kostenlos auf einen anderen Friedhof in Hamburg umbetten lassen. Die Kosten für die Umbettung übernimmt der Ev.- Luth. Kirchengemeindeverband Altona. Rund 1.700 Menschen, deren verstorbene Verwandte auf dem Friedhof Bornkamp ruhen oder die bereits im Vorfeld eine bezahlte Ruhestätte belegt haben wurden per Post von der Schließung informiert.

 

Friedhof im Verhältnis zur Einwohnerzahl zu groß

Bereits seit einigen Jahren war der Friedhof nicht mehr kostendeckend. Von der rund 9,5 Hektar großen Friedhofsfläche sind nur 20 Prozent mit Gräbern belegt. Das rechnet sich einfach nicht. Nicht nur die Friedhöfe Hamburgs sind von möglichen Schließungen betroffen. Deutschlandweit sorgt das Problem von Überhangsflächen zu Schließungen oder Teilschließungen von Friedhöfen. Die großen Friedhofsflächen, die im 19. und 20. Jahrhundert angelegt wurden, werden nicht mehr belegt. Neben den zurückgehenden Bestattungszahlen ist ein Grund für diese Entwicklung veränderte Bestattungsformen. Der Trend zu anonymen Bestattungen, Wald- oder Seebestattungen bringt die großen Friedhöfe in Bedrängnis.

 

7 von 16 Friedhöfen sollen stillgelegt werden

Bis jetzt können viele Kommunen die anfallenden Kosten noch tragen, doch die Prognose für die kommenden Jahre sieht nicht gut aus. Immer mehr Kommunen werden die anfallenden Kosten nicht mehr tragen können. In Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz zum Beispiel sollen in den nächsten Jahren in Rheinland-Pfalz 7 von 16 Friedhöfen stillgelegt werden. Die 13 Idar-Obersteiner Stadtteile verfügen über insgesamt 16 Friedhöfe, die in den vergangenen Jahren ein jährliches Defizit von rund 500 000 Euro verursacht haben. Dabei werden die Bestattungskosten von den Gebühren gedeckt. Das Minus entsteht hauptsächlich durch den Unterhalt der großen Anlagen und einmaligen Sonderausgaben wie Reparaturen an Wasserleitungen oder dem Dach der Friedhofskapelle.

Ein anderes Beispiel ist der städtische Friedhof in Burscheid in Nordrhein-Westfalen. Aufgrund neuer Berechnungen des Haushalts wurde der neue Teil des städtischen Friedhofs im Januar 2012 bereits zehn Jahre nach der Eröffnung wieder geschlossen. In Folge der Schließung sollen die Friedhofsgebühren um rund 40 Prozent sinken. Möglich wird das vor allem durch die reduzierten Kosten der Pflege der Grünanlagen – sie sollen von rund 88 000 auf 48 000 Euro sinken. Bis 2037 sollen alle Nutzungsrechte ausgelaufen sein und der neue Teil des städtischen Friedhofs kann entwidmet werden.

 

Aus Friedhof wird Campingplatz

Die meisten stillgelegten Friedhöfe werden, wie der Alte Friedhof in Freiburg, zur Parkanlage umfunktioniert. In Berlin sollte jedoch auf einem ehemaligen Friedhof ein Campingplatz entstehen. Die Betreiber sahen zunächst kein Problem darin auf einem ehemaligen Friedhof einen Zeltplatz zu errichten. Die Pietät würde nicht verletzt. Die letzten Verstorbenen wurden vor 30 Jahren auf dem Friedhof in Neukölln beerdigt. Alle Gräber sind bereits eingeebnet und im Frühjahr wird auch der letzte verbliebene Grabstein beseitigt. Anfang Mai sollte der Zeltplatz Tentstation auf dem Gelände des ehemaligen Friedhofs St.-Thomas-Friedhof an der Hermannstraße in Neukölln in die neue Saison starten. Doch in letzter Minute entschieden sich die Betreiber der Tentstation gegen den Standort und suchen nun einen neuen. Ab 2016 soll in jedem Fall auf dem ehemaligen Friedhofsgelände ein Park entstehen. Als Ausgleich für den Verlust von Grünflächen durch den Weiterbau der A 100.