„Pimp my Sarg“ ?!

csm_krawuttke_klein_17_61b4522fa8© echtgemalt

Sie wissen es ja selbst: Der Wettbewerb in unserem Gewerbe ist heutzutage genauso hart wie in anderen Branchen. Das habe auch in der letzten Zeit deutlich zu spüren bekommen. Es war an der Zeit, etwas zu ändern, um wieder mehr Kundschaft anzulocken! Nur die richtige Idee, die fehlte mir noch …

 

Am Abendbrottisch wollte ich das Problem mit meiner Familie besprechen – was sich als nicht ganz so einfach herausstellte. Mein Sohn Gunter spielte die ganze Zeit über mit seinem iPod, seine Schwester Sarah las die Cosmopolitan. „Hört Ihr“, versuchte ich ein Gespräch anzufangen, „ich habe etwas mit Euch zu besprechen. Ich brauche Ideen, wie wir das Geschäft wieder etwas beleben können!“. Von der anderen Seite des Tisches kam unterdrücktes Gekicher: „B E L E B E N? Dass ich nicht lache!“, rief Sarah. Mein Sohn blickte von seiner neuesten technischen Errungenschaft gar nicht erst hoch. „Kinder, hört Eurem Vater doch mal zu“, sagte meine Frau und guckte strafend. „Ihr seid doch sonst so kreativ, wenn es um etwas geht, was Ihr haben wollt. Wenn Ihr auch künftig die neuesten Klamotten haben wollt“, ich schielte zu meiner Tochter, „oder auch die neueste Spielekonsole“, ich warf einen strengen Blick auf meinen Sohn, „dann müsst Ihr mithelfen!“.

 

Ein paar Tage später kamen meine Kinder zu mir. „Wir haben da eine Idee. Wilhelm Krawuttke Bestattungen, Tradition seit 1930 – das klingt so … langweilig und verstaubt“, Sarah stockte. „Manchmal haben wir beinahe das Gefühl, auch Du und Deine Produkte stammen noch aus dieser Zeit“, sagte Gunter und grinste mich frech an. „Du musst Dich von der Masse abheben“, rief er. „Ein paar 08/15-Särge aus dem Katalog reichen da nicht. Du musst was anbieten, was sonst keiner hat. Wie wäre es mit Aktionen wie ‚Pimp my Sarg‘?“, schlug Gunter vor. „Das ist auch ganz einfach“, ergänzte Sarah. „Du veranstaltest einfach einen Tag der offenen Tür. Und die Leute, die kommen, können ihre Särge dann selbst gestalten. Damit förderst Du nicht nur die Auseinandersetzung mit dem Tod, sondern baust auch gleich eine intensive Kundenbeziehung auf, die sich später bezahlt macht!“

 

Gesagt, getan. Zwei Wochen setzte ich den Vorschlag meiner Kinder um. Rund 20 hauptsächlich junge Leute kamen und gestalteten ihre Särge… wie soll ich sagen… wahrlich individuell: mit fetzigen Ed-Hardy-Motiven, selbst gemalten Totenköpfen und teilweise doch sehr unanständigen Sprüchen – über die ich im ersten Moment noch lachen musste …

 

Zuerst betrachtete ich den Tag als einen großen Erfolg. Wann sonst waren je 20 Personen auf einmal im meinem Geschäft gewesen? Nur – vielleicht hätten meine Kinder für die Aktion nicht unbedingt an ihrer Schule werben sollen. Ein Seniorenheim wäre sicherlich sinnvoller gewesen. Denn nach der Aktion ist mir das Lachen vergangen. Denn dermaßen ‚individuell‘ gestaltet, kriege ich die Särge einfach nicht mehr verkauft. Die Kunden, die meine Ausstellungsräume betreten, schütteln beim Anblick der ‚gepimpten‘ Särge nur zweifelnd den Kopf. Mein Vermieter, bei dem ich nach zusätzlichem Lagerraum fragen musste, reibt sich dagegen freudig die Hände. Und meinen Wettbewerbern habe ich ungewollt einen noch größeren Vorsprung geliefert.