Neue Lebens­pers­pek­tiven dank profes­sio­nel­ler Trauer­be­glei­tung

csm_448368_R_by_Kathrin-Frischemeyer_pixelio.de_04a2c3067cNeue Lebens­pers­pek­tiven dank profes­sio­nel­ler Trauer­be­glei­tung. © Kathrin Frischemeyer/pixelio.de

Trauer ist eine natürliche und angemessene Reaktion auf den Verlust eines Menschen. Die Hinterbliebenen fühlen sich aber oft mit ihrer Trauer allein gelassen – sicherlich auch, weil es viele Hindernisse auf dem Weg der Trauerarbeit gibt. Diese Hürden zu überwinden und den Angehörigen konkrete Hilfestellung zu geben, haben sich mittlerweile viele Institutionen und Einzelpersonen zur Aufgabe gemacht. Mit den Anforderungen an eine professionelle Trauerbegleitung sind dabei ganz neue Berufsbilder entstanden.

 

„Ich gehe offen und zugewandt in die Gespräche und im Miteinander entwickelt sich der individuelle Weg. Ich frage behutsam nach, bringe Ideen ein. Es ist mir wichtig, den Trauernden ein Gefühl der Wertschätzung entgegenzubringen.“ So beschreibt die Marburger Pastorin Kathy Christina Pithan den Prozess der Trauerbegleitung. Sie hat sich von ihrem Pastorendienst freistellen lassen, um als Trauerrednerin in erster Linie für diejenigen zu arbeiten, die keine Begleitung durch die Kirche erhalten oder diese bewusst nicht wollen. Auch Chris Paul betont die große Bedeutung einer „wertschätzenden Grundhaltung, die den Trauernden selbst, ihren individuellen Trauerprozessen, aber auch den Verstorbenen gilt.“ Chris Paul leitet das TrauerInstitut Deutschland e.V. (TID) in Bonn. Das TID ist der größte Anbieter von qualifizierten Fortbildungen zur Trauerbegleitung in Deutschland. Durch TID werden bundesweit haupt- und ehrenamtliche TrauerbegleiterInnen aus allen Berufsfeldern geschult: von Pflegeberufen über Psychologen bis zu Theologen.

 

Theorie allein hilft nicht

Auch die Theologin Kathy Christina Pithan hat sich als Seelsorgerin und Beraterin weiterqualifiziert und Einzelseminare zu verschiedenen Themen besucht. Doch theoretische Weiterbildung allein befähigt einen Menschen noch nicht zur Trauerbegleitung. Genauso wichtig ist die eigene Erfahrung: „Jede Trauer ist anders und trotzdem gibt es ein tieferes Verständnis, wenn man sich der Zerbrechlichkeit des Lebens schon mal gestellt hat“, findet die Marburgerin. „Ich habe einmal selbst Trauerbegleitung in Anspruch genommen. Das hat bewirkt, dass die unschönen und schmerzvollen Erfahrungen zu einem Erfahrungsschatz geworden sind. Dieser kann mir und anderen eine Hilfe sein, die eigenen Gefühle anzunehmen und das Leben aus dieser Kraft heraus neu zu gestalten.“ Diese Einstellung finden die Trauernden aber erst am Ende des Prozesses. Am Anfang steht der konkrete Abschied von dem Verstorbenen bei seiner Bestattung. Hier berät Kathy Christina Pithan die Angehörigen bei der Gestaltung der Trauerfeier. Nach deren Wünschen und Vorstellungen wählt sie passende Musik und Texte aus und stimmt ihre Trauerrede darauf ab. „Manchmal bringen sich die Angehörigen selbst ein, mit einer kurzen Rede, einer Textlesung oder einem Lied“, erklärt sie. „So wie eine Witwe, die sehr gut sang und deren Aufnahmen italienischer Liebeslieder der Trauerfeier ihres Mannes eine sehr persönliche Note gaben.“

 

Das Grab als Ort der Trauer

Die Trauerfeier ist der Beginn des oft langen Abschiednehmens und der persönlichen Trauer. Kathy Christina Pithan: „Vielen Trauernden hilft es, wenn Sie zum Grab gehen. Hier ist ein Ort, an dem sie in einem inneren Zwiegespräch sein können und neue Kraft finden.“ Dieser Aspekt der Trauerarbeit liegt auch Andreas Mäsing sehr am Herzen: „Jeder Mensch hat ein Anrecht auf Gedenken und Erinnerung, so wie alle Angehörigen ein Recht haben auf einen Ort für ihre Trauer an einer würdigen Grabstätte.“ Andreas Mäsing ist Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Friedhofskultur e.V. (VFFK), der die traditionelle Bestattungs-, Friedhofs- und Erinnerungskultur stärken will. Kathy Christina Pithan schreibt dem Friedhof eine besondere Rolle in der Trauerarbeit zu: „Ich schätze es, wenn die Friedhofskapelle so gebaut ist, dass sie den Menschen Ruhe und Geborgenheit vermittelt“, erzählt die Pastorin. „In Wetzlar zum Beispiel befindet sich im Innenhof des Neuen Friedhofs ein kleiner Brunnen, der wie eine Oase gestaltet ist. Das Plätschern des Wassers wirkt sehr wohltuend. Ähnlich wohltuend empfinde ich die großen Bäume auf alten Friedhöfen und es gefällt mir, wenn die Friedhofsordnung es zulässt, dass die Gräber unterschiedlich gestaltet werden können. Auf solchen Friedhöfen kann ich einen Spaziergang nur empfehlen, selbst wenn man kein bestimmtes Grab zu pflegen hat. Sie laden ein, über das Leben nachzudenken und schenken Ruhe und Gelassenheit.“

 

Internetadressen:

www.wertgeschaetzt.de (Kathy Christina Pithan, Trauerrednerin, Marburg)

www.trauerinstitut.de (Trauerinstitut Deutschland e.V., Bonn)