Leben im World Wide Web

csm_krawuttke_klein_17_61b4522fa8© echtgemalt

Internet! Ich höre immer nur Internet! Die Kunden lassen ihr Geld bei virtuellen Banken, sehen fern ohne Fernseher, telefonieren ohne Telefon. Alles läuft nur noch über Computer, iPhones und Blackberry-Telefone. Das world wide web macht vor nichts mehr Halt.

 

Da fragt mich doch der Kollege Schmitke aus dem Nachbarort kürzlich, was ich von virtuellen Friedhöfen halte, und ob ich mich schon mal mit Online-Kondolenz beschäftigt hätte. Er hätte da schon mal Kunden gehabt, die sich bei ihm Informationen holen wollten. Ich war erst mal wie vom Donner gerührt. „Ja, das glaube ich ja wohl nicht“, hab ich gesagt. „Wo kommen wir denn da hin? Also wenn mich das mal einer fragt, dann werd ich ihm sagen, dass bei mir immer noch ganz echt gestorben, beerdigt und getrauert wird – ganz unvirtuell – und dass sich daran in naher Zukunft auch nichts ändern wird, wenn ich das richtig sehe! Sterben geht ja wohl noch nicht rein virtuell, werd ich ihm sagen!“ Viel größere Sorgen habe ich mir zu dem Zeitpunkt auch darum gemacht, dass meine Tochter ihren neuen Freund nun auch noch im Netz kennengelernt hat. Herrjeh, warum kann sie nicht einfach in die Tanzschule gehen, oder sich einen aus der Schule anlachen. Das ging bei uns doch auch früher! So macht er ja einen netten Eindruck. Immerhin ist er 150 Kilometer gefahren, um meine Tochter bei uns abzuholen. Brav bei uns vorgestellt hat er sich auch, bevor die beiden zum Essen gegangen sind. Mit ihrer Freundin Birgit. Da hat meine Tochter vernünftigerweise drauf bestanden. Dann hat er meine Tochter unversehrt wieder abgeliefert und ist nach Hause gefahren. Das hat er nun schon dreimal durchgezogen. Hut ab! Aber das kann auch Fassade sein. Man hört ja so einiges über das Netz.

 

Dass er ihr beim Kauf des neuen Gebrauchtwagens geholfen hat, fand ich wohl auch nett. Er kannte anscheinend ganz gute Adressen im Internet und wusste, wo man auf die Bewertungen der Kunden auch was geben kann. Mir hat er das auch empfohlen. Ich soll mal bei Qype gucken, wenn ich essen gehen will oder eine Anschaffung plane, hat er gesagt. Man könne sich da sehr gut informieren, was andere Kunden davon halten. „Pah! Wenn ich wissen will, wer was taugt und wer nicht, dann frage ich meine Freunde und Bekannten, “  hab ich ihm da erst mal an den virtuell verseuchten Kopf geworfen. „Virtuell  und Virus, das liegt doch ganz offensichtlich nah beieinander! Alles Quatsch, der einem nur Ärger einbringt!“ Aber geguckt habe ich dann doch mal bei Qype. Und was soll ich sagen? Ich habe nur so zum Spaß auch mal nach Bestattern gesucht und festgestellt, dass dort viele meiner Kollegen schon mit super Bewertungen am Start sind. Unter anderem der Schmitke aus dem Nachbarort. Der hat auch neuerdings so eine Verlinkung auf seiner Internetseite. Da kann man drauf klicken und landet sofort auf seinem Facebook-Profil, wo er eine Unternehmensseite erstellt hat. Ich habe da natürlich auch drauf geklickt. Man ist ja neugierig.  Und wen sehe ich da in der Liste der Schmitke-Fans? Meinen alten Schulkollegen Herbert, der sich anscheinend in der gleichen Branche herumtreibt wie ich, ohne dass wir uns mal getroffen hätten. Deshalb habe ich mir dann auch mal ein Profil auf Facebook erstellt. Sonst hätte ich ihn ja nicht anschreiben können. Wir planen jetzt ein Klassentreffen und haben schon viele der alten Mitschüler bei Facebook gefunden. Das Restaurant, wo die Feier stattfinden soll, hat Herbert über Qype ausfindig gemacht. Es hatte super Bewertungen.