Kontrovers: Sarglose Bestattung

Zwei Bundesländer haben die Sargpflicht bei Bestattungen bereits aufgehoben. Damit sind nun auch Begräbnisse nach muslimischem Glauben in Deutschland gesetzlich erlaubt.

 

Die gesetzliche Regelung von Bestattungen ist Angelegenheit der einzelnen Bundesländer. Diese entscheiden, ob sie eine Bestattung im Sarg zur Pflicht machen oder nicht. Bisher war die Sargpflicht in Deutschland üblich. Einige Bundesländer haben diese Regelung jedoch mittlerweile aufgehoben oder zumindest gelockert, zum Beispiel indem der Sarg in den Regeln zur Bestattung nicht mehr ausdrücklich erwähnt wird. Einer der wichtigsten Beweggründe für diese Gesetzesänderungen ist die steigende Zahl der muslimischen Bestattungen in Deutschland. Der Wunsch, sich in Deutschland bestatten zu lassen, kann als wichtiges Zeichen der Integration gewertet werden. Allerdings sieht der islamische Glaube vor, dass der Leichnam bei der Bestattung lediglich in ein Leichentuch gehüllt sein darf. Der Sargzwang, an dem einige Bundesländer wie beispielsweise Bayern und Baden-Württemberg weiterhin ausnahmslos festhalten, steht nicht im Einklang mit einer Bestattung nach islamischem Glauben.

 

Andere Bundesländer, darunter Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen genehmigen mittlerweile per Gesetz Ausnahmen von der Sargpflicht. Aus religiösen und weltanschaulichen Gründen ist dort auch eine Bestattung ohne Sarg möglich. Die letzte Entscheidungsgewalt liegt jedoch in den meisten Fällen bei den Kommunen. So hat zum Beispiel die Stadt Köln den Sargzwang unmittelbar nach Verabschiedung des Urteils per Ratsbeschluss wieder in die Satzung für ihre rund 60 Friedhöfe aufgenommen. In anderen Bundesländern, wie beispielsweise in Rheinland-Pfalz, wird der Sargzwang im Bestattungsgesetz nicht klar formuliert. Dies heißt im Umkehrschluss jedoch nicht zwingend, dass eine sarglose Bestattung dort genehmigt ist. Der Stadtrat von Worms legte das Gesetz jedoch offen aus und verabschiedete im Juni 2008 eine neue Friedhofssatzung, die den Sargzwang in Einzelfällen aufhebt. Dass auch ein Kompromiss möglich ist, zeigt das Beispiel Hessen. Dort erlaubt man in Einzelfällen, dass der Deckel des Sargs vor dem Hinablassen ins Erdreich entfernt wird. In Berlin und Bremen wird derzeit noch über eine Lockerung des Sargzwangs diskutiert.