Kindern die Angst vor dem Tod nehmen

csm_09.04.2009_005_77fc29a9d0Kindern die Angst vor dem Tod nehmen. © Friedhofsgärtner Dortmund eG

Für viele Erwachsenen ist der Tod ein Tabuthema. Kinder dagegen wollen allen Vorurteilen zum Trotz häufig alles über das Wie und Warum des Sterbens erfahren. Bundesweite Initiativen wollen dieses unbefangene Interesse von Kindern wachhalten und sie mit unserer Trauerkultur vertraut machen.

 

In ganz Deutschland versuchen Initiativen aus dem Umfeld des Friedhofs und den einschlägigen Gewerken, den Kindern die Scheu vor einem Thema zu nehmen, das die Erwachsenen zumeist selbst im wahrsten Sinne des Wortes totschweigen. Die Initiativen laden deshalb zu Workshops, Friedhofsführungen für Kindergärten und anderen Aktionen ein.

 

„Kinder, Tod und Lebensfreude“

So zum Beispiel im Ruhrgebiet. Hier haben sich die Genossenschaften der Friedhofsgärtner in Dortmund, Gelsenkirchen und Bochum zusammengeschlossen, um Kinder mit dem Ort Friedhof vertraut zu machen. Weitere Träger haben sich mittlerweile dem Netzwerk namens „Kinder, Tod und Lebensfreude“ angeschlossen, beispielsweise lokale Kindergärten und Hospizdienste. Einer der Kindergärten, der sich an der an der Initiative „Kinder, Tod und Lebensfreude“ beteiligt, ist der Kindergarten St. Bonifatius in Dortmund, Zeitungen wie die Welt oder die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) berichteten über die Aktion. Im Rahmen des Projekts gestalteten die Kinder einen Teil des Gartens zusammen mit der Friedhofsgärtner Dortmund eG zu einem Tierfriedhof um. Seit einigen Wochen finden hier Beerdigungen von Bienen, Fliegen oder Spinnen statt. Die Tiere werden in einen kleinen Sarg aus Pappe gelegt und in einem dafür ausgehobenen Grab in Minitaturformat beigesetzt. Dann stellen sich die Kinder im Kreis um das Grab auf und halten eine Beisetzungsfeier ab, bei der ein Lied gesungen und dem Tier ein Wunsch mit auf seinen Weg gegeben wird.

 

Kinder mit dem Tod konfrontieren

Andreas Mäsing, Vorsitzender des „Vereins zur Förderung der deutschen Friedhofskultur (VFFK)“ sieht eine frühe Heranführung der Kinder an die Thematik Tod nicht nur als sehr förderlich für die psychische Reifung der Kinder an, sondern bewertet solche Aktionen auch vor einem historischen Kontext. In einer im Rahmen der Initiative „Kinder, Tod und Lebensfreude“ veröffentlichten Pressemitteilung erklärt er: „Bis vor etwa hundert Jahren wurden Kinder immer schon sehr früh mit dem Tod konfrontiert. Danach hat man bis heute die Kinder vor dem Thema Sterben schützen wollen. Tatsache aber ist, dass der Tod zum Leben gehört. Und wenn wir von den Kindern erwarten, dass sie das Leben lernen, so ist es unehrlich von uns, ihnen den Tod vorzuenthalten.“