Individuelle Grabmäler: Von Gussbeton bis Flatscreen

csm_5030_fc774947c6.jpgIndividuelle Grabmäler. © Reinhard Vahle

Entgegen dem Trend zu einer wachsenden Anonymisierung wünschen sich immer mehr Menschen einen individuellen und modern gestalteten Grabstein. Die Auswahl an Grabmalen ist schier grenzenlos und lässt keine Wünsche offen. Sogar virtuelle Gedenksteine sind mittlerweile problemlos realisierbar.

 

Wurden früher noch vor allem Kindergräber mit besonders kunstvollen Grabsteinen versehen, findet man auch bei herkömmlichen Gräbern immer häufiger eine Abkehr vom klassischen Grabmal und die Hinwendung zur modernen Gestaltung. Vor allem die Formen sind vielfältiger geworden. Häufig sieht man beispielsweise Grabsteine in Form eines aufgeschlagenen Buches, in das neben den Lebens- und Todesdaten auch Psalme aus der Bibel oder persönliche Worte an oder über den Verstorbenen eingemeißelt werden können. Doch auch großen Kiesel oder Skulpturen in Form von Bäumen oder biblischen Zeichen sind keine Seltenheit mehr.

 

Individualität ist gefragt

Um aktuelle Trends in der Grabgestaltung aufzuspüren, ermitteln die Verbraucherinitiative für Bestattungskultur Aeternitas e.V. und die Fachzeitschrift „Naturstein“ mithilfe des „Grabmal-Ted“ jährlich das beliebteste Grabmal. Wie der diesjährige, fünfte, Wettbewerb bewies, finden die Menschen Gefallen an immer ausgefalleneren und mutigeren Grabmälern. Insgesamt zeigt die finale Auswahl 2010 eine vielfältige Grabmallandschaft und eine klare Symbolsprache. Ein Rückschluss auf die Vorlieben der breiten Öffentlichkeit lässt sich allerdings nur bedingt ziehen. Die Abstimmung zum Grabmal-Ted erfolgt ausschließlich online und setzt somit bei den Teilnehmern bereits eine offene Einstellung gegenüber modernen Entwicklungen heraus. Experimentierfreudigen bietet das Internet übrigens auch die Möglichkeit zum „Do it yourself“-Grabmal. So findet man auf der Internetseite www.suite101.de eine ausführliche Anleitung für den Grabsteinguss aus Beton.

 

Digimale – Erinnerungen in Form bewegter Bilder

Aus unseren Wohnzimmern sind Flatscreens schon lange nicht mehr wegzudenken. Aber wer würde diese Technik auf einem Friedhof vermuten? Was nach einem Setting für einen Science-Fiction-Film klingt, ist schon jetzt Wirklichkeit. Der Trend zu elektronischen Grabmalen hat seinen Ursprung in den Niederlanden und findet mittlerweile auch in Deutschland immer mehr Anhänger. Fotos und Videos von Verstorbenen werden per USB-Datenübertragung in einen Flatscreen-Grabstein eingespeist. Um die privaten Erinnerungen nicht jedem Friedhofsbesucher zugänglich zu machen, kann der Bildschirm mithilfe einer kleinen Fernbedienung aktiviert werden. Auf akustische Untermalung muss dabei jedoch verzichtet werden, und in der Nacht herrscht generelles Sendeverbot für die digitalen Grabsteine. Trotz der technischen Bestandteile sind digitale Grabsteine sehr robust. Sie halten Temperaturen von plus 50 bis minus 50 Grad stand und sind obendrein vandalismus- und feuchtigkeitsresistent. Wer in Deutschland ein Digimal erwerben möchte, wendet sich meist an den Grevener Tischlermeister Carsten Glaser.  Er fertigt die individuellen Grabmale mit integriertem Flatscreen aus Materialien wie Holz, Edelstahl und Glas. Je nach Material und Größe des Bildschirms betragen die Kosten für ein solches Grabmal zwischen 2000 und 5000 Euro. Und wer sich um die Auflagen der Friedhofssatzung sorgt, wird von Glaser schnell beruhigt. Auf Wunsch fertigt er bewegliche Elemente, mit denen sich der Bildschirm bei Verlassen des Friedhofs einfach abdecken lässt.

 

© Herbert Görder

 

Erzählende Grabmale für den individuellen Abschied

Doch auch wer eine Übermaß an Technik auf dem Friedhof für nicht angemessen hält, muss auf individuelle Grabgestaltung noch lange nicht verzichten. Um dem Trend zur Anonymisierung von Grabstätten entgegen zu wirken, entwickelte der Steinmetz und Künstler Herbert Görder das Konzept der „erzählenden Totenbretter“. Diese Grabmale zeigen die individuelle Lebensgeschichte des Verstorbenen und werden nach der Bestattung neben dem Grab aufgestellt. Nach etwa 6 Monaten kann das Provisorium gegen einen massiven Grabstein ausgetauscht werden. Um dem Verstorbenen dabei bestmöglich gerecht werden zu können, klären die beteiligten Bestatter Fragen zu Leben und Persönlichkeit des Toten mit den Hinterhinterbliebenen und übermitteln die Ergebnisse an den Künstler.

 

Grabgestaltung ohne Zwang

Oftmals sorgen sich ältere Menschen darum, ihre Angehörigen mit der Grabpflege unnötig zu belasten. Gerade in Zeiten des häufigen Wohnortwechsels stellt dies oftmals ein Problem dar. Zwar besteht die Möglichkeit, von der Friedhofsverwaltung gepflegte Gemeinschaftsgrabanlagen zu nutzen, dies nimmt den Hinterbliebenen jedoch die Möglichkeit einer individuellen Grabgestaltung. Eine Alternative bieten die so genannten „Wandelbaren Gemeinschaftsgräber“, die auf dem Paderborner Hauptfriedhof bereits seit vergangenem Jahr zu besichtigen sind (vgl. Bestattung 1/2009).

© Herbert Görder

Das Konzept sieht vor, dass Gruppengräber sowohl für Erd- als auch Urnenbestattung von einem Träger, in Paderborn dem ortsansässigen „Arbeitskreis Friedhof“ im Rahmen eines Pflegevertrags angemietet, erstellt und gepflegt werden. Angehörige können einzelne Grabhügel mit Grabzeichen erwerben, die sie so lange bepflanzen und schmücken, wie es ihnen möglich ist bzw. sie es wünschen. Anschließend wird das Grabzeichen an eine zentrale Stelle der Grabanlage versetzt und die Pflege des Grabes vom Gesamtpächter übernommen. Die Angehörigen können somit selbst entscheiden, wie lange sie die Pflege des Grabes übernehmen und kein älterer Mensch muss die Sorge haben, seinen Angehörigen nach seinem Tod zur Last zu fallen.

 

Trauern im Internet

Nicht unerwähnt bleiben soll hier der Trend zu virtuellen Gedenkmöglichkeiten. Im Internet finden sich Gedenkstätten für Menschen, Tiere und manchmal sogar für Beziehungen. Nicht nur Prominente, sondern auch Menschen „wie du und ich“ werden hier betrauert. Der Eintrag ist kostenlos, kann jedoch gegen eine Gebühr durch Fotos und Musik aufgepeppt werden. Die Preise hierfür variieren je nach Anbieter.

Die Motivation für die Inanspruchnahme virtueller Trauermöglichkeiten kann sehr unterschiedlich sein. So finden möglicherweise verzogene Hinterbliebene oder solche, die durch eine anonyme Bestattung eines Ortes für ihre Trauer beraubt wurden, hier zumindest eine virtuelle Gedenkstätte und somit einen Platz zur Besinnung. Gleichzeitig können die Kondolenzen von Besuchern der Seite den Trauerschmerz lindern.

 

Bei Interesse an den Konzepten „erzählendes Totenbrett“ oder „wandelbare Gemeinschaftsgräber“ wenden Sie sich bitte an:

Herbert Görder

Im Dörener Feld 29A

D-33100 Paderborn

Tel.: +49 (0) 5251/879873

E-Mail: friedhofskonzepte(at)paderborn.com

 

Reinhard Vahle

VAHLE-TRAUERWAREN

Im Dörener Feld 29
D-33100 Paderborn

Tel.: +49 (0) 5251/527900
Fax:  +49 (0) 5251/527901
E-Mail: info(at)vahle-trauerwaren.de