Gestörte Totenruhe – Vandalismus auf Friedhöfen

csm_kamera_fd555b479aVandalismus auf Friedhöfen

Umgestoßene Grabsteine, zerschlagene Porzellanfiguren und herausgerissene Blumen – ein trauriges Bild, das man leider immer wieder auf Friedhöfen zu sehen bekommt. Der mutwilligen Zerstörungswut beizukommen ist nicht einfach.

 

Die Motive solcher Taten sind ganz unterschiedlich. Meist ist es die reine Lust am Zerstören oder durch den Freundeskreis bedingter Gruppenzwang. Häufig trifft man auch auf Metalldiebe, die sich auf den Ruhestätten bedienen und sehr grob vorgehen, um an das begehrte Material zu kommen. Da wird auch vor der Plünderung von Kindergräbern nicht Halt gemacht. Eher selten sind es Satanisten, die im Zuge ihrer düsteren Rituale auf einem Grab Tiere opfern. Allen Tätern gemein ist, dass ihnen das Leid der Angehörigen entweder gar nicht bewusst oder schlichtweg egal ist. Appelle an ihr Gewissen führen somit ins Leere. Friedhöfe sind schwer zu schützen Warum Begräbnisstätten immer wieder zu Schauplätzen der Zerstörung werden, liegt auf der Hand: Die weitläufigen Friedhofsanlagen sind in der Nacht nicht leicht zu bewachen. Im Schutz der Dunkelheit gibt es für die blinde Zerstörungswut selten Zeugen. Dem Vandalismus vorsorglich etwas entgegenzusetzen gestaltet sich demnach schwierig. Beispiel Düsseldorf: Die Stadt hat insgesamt dreizehn Friedhöfe mit einer Gesamtfläche von 263 Hektar – das entspricht einer Fläche von 345 Fußballfeldern. Eine flächendeckende Überwachung ist logistisch gar nicht möglich. In manchen Städten wie beispielsweise Erkrath ist man daher wieder dazu übergegangen, wie früher die Friedhofstore über Nacht abzuschließen. In Düsseldorf sieht man hierfür jedoch keine Notwendigkeit. Nachdem die Stadt vor rund fünfzehn Jahren beschlossen hatte, die Tore nachts offen zu lassen, habe sich die Anzahl der Taten jedenfalls nicht auffällig verändert. „Es gibt immer wieder Wellen von Vandalismus und Diebstahl auf Friedhöfen“, erklärte der zuständige Gartenamtsleiter Thomas Eberhardt-Köster auf RP Online im November letzten Jahres. Man dürfe das Problem aber nicht überbewerten. „Manchmal haben wir auch monatelang Ruhe.“ Wenn sich die Vorfälle häufen und die Polizei informiert wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Übeltäter dingfest gemacht werden können. So haben verstärkte Streifenfahrten häufiger schon zum Erfolg geführt. Beispielweise vergangenes Jahr, als die Polizei in Düsseldorf-Unterrath auf diese Weise zwei zwölf und fünfzehn Jahre alte Jugendliche auf frischer Tat ertappen konnte. Sie hatten sich in der Vergangenheit schon mehrfach nachts auf dem Friedhof ausgetobt und ohne jegliches Motiv die Totenruhe gestört und immense Sachschäden verursacht. Vorbeugen ist besser als Nachsehen Umfassende Sicherheit schaffen allerdings nur ausgeklügelte Sicherheitskonzepte. Nachdem vor drei Jahren deutlich über die Hälfte der Sachbeschädigungen auf Berliner Friedhöfen auf das Spandauer Konto gingen, wurde ein verschärftes Sicherheitskonzept für den Friedhof In den Kisseln ins Leben gerufen. In den dunklen Wintermonaten werden nun nicht nur von 18 Uhr bis 7.30 Uhr die Tore des Friedhofs geschlossen. Auch ein Sicherheitsdienst mit Hund geht in der Nacht regelmäßig Streife, und die Gebäude auf dem Friedhofsgelände sind alarmgesichert. Hinweisschilder an den Eingängen des Geländes mit der Information, dass der Friedhof bewacht wird, sollen abschreckend wirken. Laut dem dort tätigen Inspektionsleiter halten sich die Fälle von Zerstörungswut seitdem in Grenzen. Solch umfangreiche Sicherheitskonzepte sind allerdings nur in Ausnahmefällen möglich, da sie für alle Friedhöfe unbezahlbar wären.