Feng Shui im Bestattungs­institut

csm_krawuttke_klein_17_61b4522fa8© echtgemalt

Bei uns in der Branche tummeln sich ja so einige schräge Vögel. Ich sag immer, wo gestorben wird – ist der Esoteriker nicht weit. Denn mit verlorenen und verwundeten Seelen lässt sich scheinbar immer noch gut Geld verdienen. Von bunten Tüchern über Räucherkerzen bis hin indianischen Totemphälen und allerlei sonstigem Schnickschnack, es gibt nichts, was es nicht gibt.

 

Den Vogel abgeschossen hat aber so eine angebliche Architektin, die neulich bei mir im Geschäft auftauchte. Im bunten Walla-Walla-Kleidchen rauschte sie in mein Büro und erzählte gleich drauf los. Dass man aus meinen Räumlichkeiten so viel machen könnte. Da wäre irre viel Potenzial für eine ganz besonders sinnliche Abschiedserfahrung. Ein paar Wände müssten raus, da wo die Sitzgruppe mit dem Prospektständer ist, könnte ein Springbrunnen hin und der Sichtschutz hinter dem Schaufenster müsste verschwinden. Der Flow, die Energie müssen fließen, sagte sie. „Von Außen nach Innen in Ihr Geschäft und ganz besonders von Innen nach Außen. Denn da steht Ihr potentieller Kunde!“ schwafelte sie und schaute mich Beifall heischend an.

Bei dieser Frau und ihren Ideen floss bei mir so gar nichts. Außer Ärger und Wut über so viel aufdringliche Geschwätzigkeit. Da war ich froh, dass seit dem Bestehen von Krawuttke-Bestattungen noch nie irgendjemand Wert auf einen guten Flow gelegt hat. Und so konnte sich mein aufkommender negativer Energieschub gleich an zwei eng stehenden Regalwänden vorbei im Urnenlager verkrümeln.

„Wir haben hier mit Trauernden zu tun. Unsere Kunden legen Wert auf Diskretion und erwarten von ihrem Bestatter eine gewisse kaufmännische Zurückhaltung,“ versuchte ich der „Architektin“ zu erklären. Das müssen auch die Räumlichkeiten widerspiegeln, die übrigens seit vielen Jahren von allen Kunden als sehr angenehm empfunden werden.

Aber sie schüttelte nur den Kopf. „Hier ist es viel zu duster. Der Tod ist kein Ende, sondern ein Anfang. Ein Aufbruch, vielleicht in ein neues Leben aber auf alle Fälle ins Licht. Hier müssen Helligkeit und Wärme rein.“

„Da habe ich etwas für Sie“, sagte ich und führte die Dame ins Sarglager.  Als die Neonröhren leise klickernd ansprangen musste sie blinzeln, so gleißend erstrahlten die hellen Kiefernsärge. „Wenn Sie da drin liegen und in den Ofen geschoben werden, dann können Sie sich vor Helligkeit und Wärme gar nicht mehr retten.“

 

Diese Art von Humor kam so gar nicht bei ihr an. Grußlos verließ Sie das Geschäft. Ich griff anschließend sofort zum Telefonhörer und rief einen befreundeten Gartenbaubetrieb an. „Sag mal Robert, ich hab da so eine Idee. Könnt ihr hier bei mir im Geschäft einen Springbrunnen einbauen?“