Fair sterben: Grün bis ins Grab

Das spurlose Verschwinden eines Verstorbenen ohne Einfluss auf
die Umwelt ist unmöglich. Das liegt weder am Sarg noch an der
Urne, sondern am menschlichen Körper.Das spurlose Verschwinden eines Verstorbenen ohne Einfluss auf die Umwelt ist unmöglich. Das liegt weder am Sarg noch an der Urne, sondern am menschlichen Körper.

Bio ist längst nicht mehr nur ein Trend, sondern ein Lebensgefühl – über sämtliche Generationen hinweg. Jeder Discounter, der etwas auf sich hält, führt eine eigene Biomarke im Sortiment, große Supermarktketten setzen auf regional und fair trade. Gleiches gilt für die Kleidungs- und Konsumgüterindustrie. Wer im Einklang mit der Natur und seinen Mitmenschen lebt, möchte der Welt posthum keinen CO2-Fußabdruck hinterlassen, sondern sich am liebsten einfach schadstofffrei in Luft auflösen. Ganz so einfach ist es zwar nicht, doch Bestatter, Zulieferer und Friedhöfe stellen sich auf umweltbewusste Kunden auf und überraschen mit unkonventionellen Konzepten.

Am Anfang steht die Frage: Feuer- oder Erdbestattung? In beiden Fällen ist ein spurloses Verschwinden ohne Einfluss auf die Umwelt unmöglich – und das liegt weder am Sarg, noch an der Urne …

Die schlechte Nachricht: unser Körper ist nicht öko

Bei der Kremation wird Energie verbraucht und CO2 produziert; durch Schadstoffe im Körper wie Medikamente oder Amalgam-Zahnfüllungen entstehen giftige Abgase, die gefiltert werden müssen. Krematorien sind erst seit rund 10 Jahren dazu verpflichtet, ihren Schadstoffausstoß zu messen. Sie unterliegen dem Bundesemissionsschutzgesetz §27, das Grenzwerte für den Schadstoffausstoß vorschreibt. Durch aktualisierte Grenzwerte und immer bessere Elektrofilter ist der Schadstoffausstoß mittlerweile sehr gering. Die Rückstände aus den Filtern müssen als Sondermüll entsorgt werden. Der Metallschrott, der übrig bleibt, wird gesammelt.

Uneinigkeit herrscht über die nicht abbaubaren Stoffe, die sich noch in der Kremationsasche befinden: Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hat ausgerechnet, dass in Deutschland durch Kremation jährlich 1.419.789 kg Asche mit einem insgesamt sehr geringen organischen Anteil entstehen. Kremationsasche könne Chlor, Sulfat, Nitrit, Nitrat, Blei, Zink, Cadmium und Chrom in wasserlöslicher Form enthalten. Die Unbedenklichkeit von Totenasche für den Waldboden hingegen hat die Universität Freiburg im Auftrag der FriedWald GmbH im Jahr 2015 untersucht und stellte keine Erhöhung der Schwermetallgehalte gegenüber vergleichbaren Waldböden fest. Auch, wenn die Wahrheit vermutlich in der Mitte liegt: Ganz „natürlich“ ist weder die Feuer noch Erdbestattung.

Denn auch bei der Bestattung in einem von Natur aus umweltfreundlichen Holzsarg oder einer muslimischen Tuchbestattung gelangen im Körper gelagerte Substanzen ins Erdreich. Medikamentenrückstände und Schwermetalle können sich bei der Verwesung im Boden anreichern oder ins Grundwasser fließen. Die Centers for Disease Control in den USA wiesen in ihren Untersuchungen bis zu 219 giftige Chemikalien im menschlichen Körper nach. Dazu zählen Tabakreste, chemische Reinigungsmittel, Pestizide, Fungizide, Flammenschutzmittel, Schwermetalle oder Konservierungsmittel.

Auch die biologisch nicht abbaubare „Hardware“ eines Leichnams schädigt den Boden nachhaltig: Künstliche Hüftgelenke, Herzschrittmacher, Zahnprothesen, OP-Schrauben und weitere künstliche Elemente bleiben bei der Beisetzung im Körper des Verstorbenen und zersetzen sich später nicht. Dadurch kann das ökologische Gleichgewicht auf Friedhöfen nachhaltig beeinträchtigt werden. Und diese kämpfen ohnehin schon mit verzögerter Verwesung und Wachsleichenbildung durch einen immer geringeren Sauerstoffgehalt im Boden. Zurückgeführt wird das Phänomen neben den Veränderungen der Bodenbeschaffenheit auf schwankende Regenmengen, Temperaturunterschiede, Unkraut- und Schädlingsvernichtungsmittel.