Exotisches Geschäftsmodell

csm_krawuttke_klein_17_61b4522fa8© echtgemalt

Reisen Sie eigentlich auch gerne in fremde Länder? Also ich kann Ihnen das nur empfehlen. Denn Reisen bildet nicht nur ungemein, Reisen bietet auch eine reiche Ausbeute an Ideen und Anregungen für das Geschäftsleben. Und davon sollte ein erfolgreicher Bestattungsunternehmer ja eigentlich nie genug bekommen können. Oder?

 

Wussten Sie eigentlich, dass in Südost-Asien Verstorbene bis zu 100 Tage in einem Tempel aufgebahrt werden dürfen? Ich habe das auf meiner letzten „Bildungsreise“ nach Thailand recherchiert. Die Angehörigen sollen sich nach buddhistischer Tradition in aller Ruhe vom Verstorbenen verabschieden können. Warum die dafür 100 Tage brauchen, ist mir allerdings schleierhaft. Bei uns geht so etwas auf alle Fälle etwas flotter. Für den thailändischen Bestatter ist das aber sicherlich ein gutes Geschäft.

Ich hab das mal für unsere deutschen Verhältnisse hochgerechnet. Mein lieber Scholli, bei so einer thailändischen Bestattung käme aber so einiges zusammen. Gehen wir von einem günstigen Tagesatz für die Standard-Aufbahrung von ca. 100 Euro aus, dann liegen wir bei 100 Tagen allein dafür schon bei 10.000 Euro. Und da ist noch kein einziges Blumengebinde oder Räucherstäbchen mit dabei. Blumen müssten auch nach spätestens sieben Tagen erneuert werden. Den Verbrauch an Räucherstäbchen habe ich auf ca. 500 Stück beziffert. Dazu kommt natürlich noch die musikalische Untermalung in Dauerschleife und diverse Asia-Dekorationsmittel. Und nicht zu vergessen die eigentliche Einäscherung und Beisetzung der Urne. Alles in allem könnte man so ein „Bestattungspaket Thailand“ ab ca. 20.000 Euro anbieten. Nicht schlecht, oder?

Seit einiger Zeit hab ich dieses Angebot in der Werbung. Na ja, um ehrlich zu sein, ist es nicht ganz so ausgefallen, wie ursprünglich geplant. Es ist jetzt auch keine thailändische Bestattung, sondern eher eine Bestattung nach „thailändischer Art“. Denn trotz mehrfacher Eingaben und persönlicher Gespräche bei den Behörden, habe ich eine Aufbahrung von bis zu 100 Tagen nicht genehmigt bekommen. Daher dauert die Aufbahrung bei diesem Angebot jetzt nur sieben statt 100 Tage, aber dafür bekommt man sie mit allem fernöstlichen TamTam bereits ab 15.000 Euro. Ich habe unseren alten Holzschuppen im Garten in einen buddhistischen Tempel umgebaut. Aus einem Dekoladen habe ich mir einen  sitzenden Buddha und diverse Schlangenfrauen besorgt. Und als besonderes Highlight bekommt jeder Angehörige, der in unserem Gartentempel von dem verstorbenen Abschied nimmt, 50% Rabatt bei einem Besuch im Restaurant Peking-Garden. Das ist zwar jetzt streng genommen auch kein Thailänder, sondern ein Chinese, aber er sagte, er verwende beim Kochen in etwa die gleichen Gewürze. Passt schon, oder?