„Erinnerungsobjekte sollten so persönlich sein, wie die Trauer selbst.“ – Interview mit Sabine Möller

Erinnerungsobjekte_HerzenMit ihrem Unternehmen Sternspuren setzt sich Sabine Möller für eine zeitgemäße Erinnerungskultur ein. Mit individuellen Skulpturen und Schmuckstücke möchte sie Hinterbliebene bei der Trauerbewältigung unterstützen und dafür sorgen, dass ein Mensch auch nach dem Tod Spuren hinterlässt.

Wie und warum hat sich die Erinnerungskultur in den letzten Jahren gewandelt?

Veränderungen findet man in den verschiedensten Bereichen: Trauerrituale, Beisetzungsformen, Abschiedsfeier, Trauerpapiere, Grabgestaltung, Trauerbekleidung, Sarg- und Urnenmodelle.

Drei-Generationen-Häuser sind heute nur noch selten zu finden. Häufig entscheidet die Liebe oder der berufliche Werdegang, wo wir uns niederlassen. So wird sich auch der Ort der Beisetzung immer weiter von dem Ort der Erinnerung entfernen. Daher ist das Thema „Erinnerungsobjekte“ in der Bestattungskultur in den vergangenen Jahren immer wichtiger für die Angehörigen geworden – die Nachfragen werden immer individueller.

 

Viele Menschen entscheiden sich aus unterschiedlichen Gründen für eine anonyme Bestattung. Das Grab als Ort der Trauer und Erinnerung fällt weg. Was kann bei der Trauerbewältigung helfen?

Angehörige wünschen sich eine besondere Möglichkeit des Gedenkens, die den Verstorbenen widerspiegelt. Wenn ein Erinnerungsobjekt – wie immer es aussieht – dem Trauernden gut tut und ihm hilft, den Verlust eines geliebten Menschen zu verarbeiten, dann ist es die richtige Entscheidung. Unsere Erinnerungsobjekte begleiten Trauernde in den verschiedenen Phasen des schmerzhaften Trauerprozesses:

  • Festhalten (den Verstorbenen noch nicht gehen lassen wollen)
  • Begreifen (der geliebte Mensch ist nicht mehr da, die Situation hat sich geändert)
  • Gespräch (Ungesagtes im Leben noch mitteilen)
  • ein sehr persönlicher Ort der Erinnerung
  • Erinnern (an gemeinsame Urlaube, schöne Ereignisse wie Hochzeiten, Taufen oder Partys mit Freunden)
  • langsames Loslassen (der Start in die Zukunft)
  • Krafttanken (sich die Unterstützung des geliebten Menschen einholen)

 

Die Asche eines Menschen hat keine erkennbare Individualität. Welche Rolle spielt die Einzigartigkeit eines Verstorbenen in Ihren Produkten?

Die Erinnerungs-Skulpturen und -Schmuckstücke beinhalten einen kleinen Teil der Asche des Verstorbenen und werden in Handarbeit vom Glasdesigner geformt – so entstehen Unikate für die Angehörigen.

 

Wie funktioniert die Herstellung Ihrer Skulpturen und Schmuckstücke technisch: Entsteht die Form der eingearbeiteten Asche zufällig oder ist sie planbar?

Die Bestandteile zur Herstellung von Glas sind Quarzsand, Soda, Kalk und Pottasche. Eine Mischung aus diesen Bestandteilen wird in einem Ofen bei ca. 1.200 bis 1.400 Grad zum Schmelzen gebracht. Die Glasmacher holen unter ständigem Drehen mit ihrer „Glasmacher-Pfeife“ ein wenig des zähflüssigen Glases aus dem Ofen. Diese zähflüssige Masse wird nun in der Asche – welche vorher auf eine feuerfeste Unterlage gestreut wurde – gewälzt und wieder mit Glas aus dem Schmelzofen umgeben. So ist die Asche im Innern des Kristalls eingebunden und trotzdem sichtbar. Je nach Größe des Erinnerungskristalls wird dieser Vorgang mehrmals wiederholt und ständig im heißen Ofen gedreht. Dann beginnt der eigentliche Formungsprozess der kompetenten Glasmacher. Mit ihrer Erfahrung und Kreativität, mit Hilfe von nassem Zeitungspapier, Brettchen oder Zangen entstehen die verschiedenen Designs. Jedes Stück ist ein Unikat höchster Handwerkskunst. Ist der Kristall fertiggestellt, schlägt der Glasmacher auf seine Glasmacher-Pfeife und trennt so das Werkstück von der Pfeife. In einem Kühlofen (500 Grad) wird das Objekt nun langsam abgekühlt, damit die Spannungen aus dem Glas entweichen können.

 

Wenn Sie einen Blick in eine Glaskugel werfen könnten: Wie wird sich die Erinnerungskultur in Deutschland weiterentwickeln?

Ich glaube, dass auch in Zukunft „Altbewährtes“ Bestand haben wird; sich durch die Lockerung einiger Zwänge, die Angehörigen verstanden fühlen und verschiedene Bereiche individueller werden.

 

www.sternspuren.de