Ein Tanz für besondere Anlässe

csm_trauertaenzerin_6f3f08bece© Helga Seewann, Trauertänzerin

Tanzen auf einer Trauerfeier. Was in vielen Ländern zur Tradition gehört, wird in Deutschland eher selten praktiziert. Trauertänzer gibt es in Deutschland bislang nur sehr wenige. Sie wollen mit ihrem Tanz auf der Beerdigung Erinnerungsräume und Räume für Gefühle schaffen. Eine von ihnen ist Helga Seewann.

 

„Es gibt eine Zeit, in der Sprachlosigkeit herrscht, in der Tanz jedoch eine Verbindung sein kann, der den Weg zum Herzen findet“, berichtet Helga Seewann. Sie ist zeitgenössige Tänzerin mit  Balletthintergrund, hat eine pädagogische Ausbildung mit TU Abschluss. Von der Entspannungsarbeit, Körper- Tanztraining und Improvisation bis hin zu einem selbst entwickeltem Körpertraining für Schauspieler unterrichtet sie  in ihrem eigenen Studio und an Schauspielschulen. Darüber hinaus arbeitet die Münchnerin seit 1984 als Performerin und Choreographin auf und hinter der Bühne. Von Modern, Flamenco und Mime Corporel, ging ihr Weg langsam zum Butho – dem japanische Ausdruckstanz – der sich mit Tod und Wiedergeburt auseinandersetzt. Die Idee auch auf Trauerfeiern zu tanzen, entwickelte sich langsam. So tanzte sie nach der Beerdigung ihrer Mutter zum ersten Mal in einer kleinen Kapelle in Süditalien, für Ihren Vater alleine in ihrem Studio und für Ihren  Bruder während einer Kunstausstellung auf der Straße.     „Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass einige Beerdigungen manchmal sehr unpersönlich und ausdruckslos sein können“, sagt Helga Seewann.  Tanz und Bewegung kann  viel  bewirken, manchmal mehr  als Worte. Es  wird ein Raum geschaffen für Gedanken, Ruhe und Emotionen.“ Die Hinterbliebenen können während des Tanzes in sich gehen. Noch einmal über das Leben des Verstorbenen nachdenken. Gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen revuepassieren lassen und sich ihrer Trauer hingeben. Niemand muss etwas sagen, niemand muss über seine Gefühle sprechen, es wird ihnen aber ein Raum gegeben. „Gleich einer „lebendigen Skulptur” können die Angehörigen mich ich als Projektionsfläche für ihre Gedankengänge und Gefühle in Anspruch nehmen“, sagt die Trauertänzerin. Jeder der Trauergäste wird an eine andere Geschichte, die er gemeinsam mit dem Verstorbenen erlebt  hat, denken. Jeder hat einen anderen Tanz gesehen, verbindet  etwas anderes mit den  Bewegungen, doch ist es gleichzeitig trotzdem ein gemeinschaftliches Erleben. Jeder für sich und doch gemeinsam.

 

Im Gespräch vor der Beerdigung spricht Helga Seewann mit den Angehörigen über das Leben des Verstorbenen und versucht den Inhalt für die Darbietung zu finden. „Das Gespräch gibt mir die Gelegenheit den verstorbenen Menschen und seine Angehörigen und Freunde, mit all ihren Wünschen und Vorlieben ein wenig näher kennenzulernen“, berichtet die Münchnerin. Anschließend wählt sie die Musik aus. „Bei meinen letzten Darbietungen habe ich „Life and Death“ von Alexander  Balanescu  gewählt, weil diese Musik die Elemente des Lebens und des Todes sehr gut widerspiegelt“.  Die Trauertänzerin möchte mit ihrem Tanz noch einmal das Leben des Verstorbenen würdigen. Mit leisen, fließenden Gesten und verhaltenen Bewegungen ganz in schwarz gekleidet beginnt sie ihren Tanz. Helga Seewann arbeitet insichgekehrt meist  kreisend, man könnte sagen  introvertiert, um die Trauergäste   nicht zu stören und Raum zu geben für Gedanken. Die Dauer der Darbietung hängt von der Länge der ausgesuchten Musikstücke ab. Natürlich ist es möglich den Tanz still ausklingen zu lassen oder auch ganz ohne Musik zu tanzen. Der Tanz kann vor oder nach einer Rede stattfinden, jedoch auch ganz für sich, anstatt eines gesprochenen Wortes sein. Und falls die Erinnerung an den Trauertanz schließlich doch einmal verblassen sollte, dann gibt es die Möglichkeit den Film, der von jedem Tanz erstellt werden kann, sich anzuschauen.

 

 

Weitere Informationen:

Helga Seewann

Telefon: 089/272 49 06

E-Mail: post(at)helgaseewann.de

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