Ein Abschied mit persönlicher Note: Individuelle Bestattung

csm_titelbild_-_Kopie__2__a185af06f3© Echtgemalt

Der Umgang mit dem Tod ist in unserem Kulturkreis immer noch ein Tabuthema. Daran hat sich in den vergangenen Jahrzehnten wenig geändert. Die Form der Bestattung befindet sich jedoch in einem umfassenden Wandel. Denn noch viel mehr als früher sollen Begräbnisse etwas Besonderes sein.

 

Die Angehörigen wünschen sich einen Abschied, der dem Verstorbenen und seiner Persönlichkeit entspricht. Ein letztes Andenken, das auch den Menschen, die diese Person kannten, im Gedächtnis bleibt. Zum Einen soll der Verstorbene dadurch ein Begräbnis bekommen, von dem  angenommen wird, dass er oder sie es sich so gewünscht hätte. Zum Anderen ist der Wunsch nach Individualität auch Resultat einer gesellschaftlichen Entwicklung.

 

Individualisierung

Die Individualisierung unserer Gesellschaft begann aus soziologischer Sicht mit der Entstehung des modernen Bürgertums zu Zeiten der Industrialisierung. Ein wichtiger Aspekt dabei war die Wandlung von der Großfamilie zur Kleinfamilie und der damit einhergehende Zerfall traditioneller Bindungen, der zu einer zunehmenden Selbstbestimmung des Individuums führte. Noch vor hundert Jahren waren Menschen innerhalb einer Gemeinschaft organisiert – in Berufsgemeinschaften, Eisenbahner-Sportvereinen, Lehrergesangsvereinen usw. Auch die Zugehörigkeit zur Kirche war obligatorisch. Heute bilden sich nach wie vor Gemeinschaften, jedoch frei und aufgrund individueller Interessen. Die Uniformierung in vielen Berufen ist inzwischen weitestgehend aufgehoben. Jeder Mensch entscheidet selbst, wie er leben möchte: welchen Beruf er ergreift, ob er heiratet oder ledig bleibt, welche Kleidung er trägt und welche Hobbys er pflegt.

 

Diese gesellschaftliche Entwicklung der zunehmenden Individualisierung zeigt sich auch im Bereich der Bestattungen. Doch das ist nicht der einzige Grund. Noch bis 1934 hieß „bestatten“ automatisch „beerdigen“. Denn das christliche Denken sah eine Bestattung des unversehrten Körpers vor; die Feuerbestattung war verboten. Somit gehörte zu einer christlichen Bestattung ein Gottesdienst. Vorher oder im Anschluss verabschiedeten sich die Angehörigen im Rahmen einer Trauerfeier vom Verstorbenen, der dann in Form einer Erdbestattung beigesetzt wurde. Inzwischen wurde nicht nur das Feuerbestattungsverbot aufgehoben. Auch die Bestattungsgesetze und Friedhofsordnungen wurden gelockert oder stehen auf dem Prüfstand – als Antwort auf die gesellschaftlichen Veränderungen und entsprechenden Wünschen nach einem individuelleren Begräbnis.

 

Grenzen durch gesetzliche Bestimmungen

Die Möglichkeiten für einen persönlichen Abschied sind variabel – sofern die Vorstellungen mit dem Bestattungsgesetz des jeweiligen Bundeslandes konform gehen und die Friedhofsordnung nicht verletzt wird. Hier liegt allerdings das größte Problem, denn da die Vorschriften deutschlandweit nicht einheitlich sind, können Angehörige in Hamburg während der Trauerfeier am geöffnetem Sarg Abschied nehmen, andernorts – zum Beispiel in Berlin oder Baden-Württemberg – ist dies jedoch per Bestattungsgesetz verboten und in Nordrhein-Westfalen mit einem „Ja, aber…“ versehen. Die Aufbahrung zu Hause ist hingegen in allen Bundesländern möglich, sofern die Voraussetzungen stimmen. Gesetzliche Einigkeit besteht jedoch noch heute in der Frage der generellen Bestattungspflicht. Und dies bedeutet gleichzeitig, dass die Urne eines Verstorbenen in Deutschland nicht zu Hause aufbewahrt werden darf. Für viele Menschen, die ihren Angehörigen gern bei sich haben möchten, ist diese Verordnung kaum nachvollziehbar. Denn in vielen anderen Ländern, zum Beispiel unserem Nachbarland Holland, kann die Urne den Angehörigen dauerhaft übergeben werden. Dort ist jedoch Voraussetzung, dass eine Aufbewahrungsfrist von vier Wochen eingehalten wurde. Diese soll verhindern, dass Angehörige die Asche spontan verstreuen und irgendwann einen Ort der Trauer und Erinnerung vermissen. Sobald die Angehörigen im Besitz der Urne sind, können sie selbst entscheiden, ob sie diese in einer speziellen Vitrine oder auf dem Kaminsims verwahren. Auch die Beisetzung im eigenen Garten – womöglich neben dem geliebten, bereits verstorbenen Vierbeiner – oder das Verstreuen der Asche an einem Platz mit persönlicher Bedeutung ist in anderen Ländern möglich. Hierzulande setzt der Friedhofszwang dem Verstreuen der Totenasche Grenzen. Auf manchen deutschen Friedhöfen gibt es allerdings inzwischen Aschewiesen, auf denen das Verstreuen erlaubt ist. Derzeit wird geprüft, ob die bei uns geltenden Regelungen zur Verstreuung der Totenasche nicht verändert werden sollten.

 

Bestattungsarten – mehr als Erd- und Feuerbestattung

Sollten die hier geltenden Gesetze geändert und der Friedhofszwang aufgehoben werden, erweitern sich automatisch die Möglichkeiten. Eine Bestattung der Urne auf einer Almwiese oder unter der Grasnarbe eines Felsens wird zurzeit vorwiegend in der Schweiz durchgeführt, ebenso wie die Diamantbestattung. Dabei wird durch ein spezielles Trennungsverfahren der Kohlenstoff aus der Asche gelöst und die natürlichen Entstehungsbedingungen von Diamanten simuliert. Nach vielen Monaten bildet sich so aus Teilen der sterblichen Überreste ein Erinnerungsdiamant, der auf verschiedene Arten geschliffen und in Schmuckform verarbeitet werden kann. Nicht nur in der Schweiz, auch in Tschechien und den USA ist die Diamantbestattung anerkannt. Allerdings ist sie mit Kosten von bis zu 25.000 Euro verhältnismäßig teuer. Ähnliche Preise verlangen Bestatter, wenn eine Aschekapsel in den Weltraum geschossen werden soll. Dies ist zwar nur in den USA und Osteuropa möglich, wird aber auch von deutschen Bestattungsunternehmen angeboten.

 

In Deutschland sind solch extravagante Bestattungen noch Einzelfälle. Dabei gibt es trotz der gesetzlichen Einschränkungen durchaus Möglichkeiten, individuelle Wünsche zu realisieren. Wer möchte, kann sich sogar zu Lebzeiten seinen eigenen Sarg selbst schreinern und – sofern er den Vorgaben entspricht – darin beerdigen lassen. Außerdem kann je nach Entscheidung der Angehörigen oder des Verstorbenen zwischen Familien-, Wahl- und Reihengrab gewählt werden.

 

Die Zahl der Erdbestattungen ist jedoch tendenziell rückläufig. Eine in 2010 vom Fachverlag des deutschen Bestattungsgewerbes veröffentlichte Statistik geht von 58 Prozent Erdbestattungen und 42 Prozent Feuerbestattungen aus. Laut Umfrage des Portals www.bestattungen.de von Mai 2012 wünschen sich inzwischen 59 Prozent der befragten Deutschen eine Feuerbestattung, während lediglich 26 Prozent die Erdbestattung favorisieren. Allerdings gaben 15 Prozent der Befragten an, noch unentschlossen zu sein. Möglich, dass die Entscheidung doch zugunsten einer Erdbestattung fällt.

 

Die Tendenz ist dennoch eindeutig. Fest steht zudem, dass die Feuerbestattung trotz Friedhofszwangs weitaus mehr Möglichkeiten für den Verbleib der sterblichen Überreste bietet. Die Urne kann nicht nur auf dem Friedhof in einem Erdgrab, einem Kolumbarium oder einer Urnenstele, sondern auch im Friedwald bestattet werden. Alternativ lässt man die Totenasche im Rahmen einer Luft-, Flug- oder Seebestattung verstreuen. Außerdem sind die Kosten bei einer Feuerbestattung selbst im Fall einer Beisetzung der Urne geringer, da die Urnengräber nicht so aufwändig gepflegt werden müssen. Entscheiden sich die Angehörigen für eine schlichte Namenstafel, kann die Grabpflege sogar ganz entfallen. Dies ist allerdings auch bei einer Erdbestattung möglich.

 

Die Angehörigen von der Aufgabe der Grabpflege zu entlasten ist häufig auch ein Grund, sich für eine anonyme Erd- oder Feuerbestattung zu entscheiden. Trotzdem ist die anonyme Bestattung für Angehörige häufig schwer zu akzeptieren, da es keinen direkten Ort gibt, an dem sie des Menschen gedenken können. Oft werden anonyme Bestattungen daher veranlasst, wenn der Verstorbene keine nahen Verwandten mehr hatte, die auf ein eigenes Grab Wert legen. Wirtschaftlich gesehen ist die anonyme Bestattung außerdem die günstigste Form der Bestattung. Daher sehen sich sich insbesondere Menschen der unteren Einkommensschicht manchmal genötigt, diese Bestattungsform in Anspruch zu nehmen.

 

Das Begleiten des Sarges oder der Urne zum Grab ist bei der anonymen Bestattung nicht üblich, es sei denn, es wird eine so sogenannte halbanonyme Bestattung gewählt. In dem Fall können die Hinterbliebenen an der Beisetzung teilnehmen und sind anschließend die einzigen, die die genaue Beisetzungsstelle erfahren. Eine Kennzeichnung der Grabstelle erfolgt jedoch generell nicht und so ist auch keine Grabpflege erforderlich. Häufig besteht für die Hinterbliebenen die Möglichkeit, Blumen an einer zentralen Stelle abzulegen.

 

Von vielen wird die anonyme Bestattung als „gegenläufiger Trend“ zur individuellen Bestattung betrachtet. Andere sehen in ihr eher ein Zeichen für die Entfremdung von der ursprünglichen, christlichen Bestattungskultur und wieder andere bezeichnen sie gar als „neuer Höhepunkt einer Entzauberung des Todes“. Denn ohne Abschiedsrituale bleiben von einer Bestattung lediglich praktische Aspekte übrig, die sich leicht an Bestattungsunternehmen und die Friedhofsbürokratie delegieren lassen.

 

Persönlicher Abschied durch individuelle Gestaltung

Nicht nur die Bestattungsarten bieten mehr Freiraum für individuelle Entscheidungen. Egal, ob  Särge, Urnen, die Auswahl der Grabstätte oder die Gestaltung der Feierlichkeiten –  Bestattungsunternehmer können den Angehörigen heute vielfältige Möglichkeiten für eine individuelle Zeremonie bieten. Der Bestatter muss daher vor allem wissen, was es gibt und welche Vorstellungen sich verwirklichen lassen, um eine gute Beratung zu gewährleisten.

„Einige Angehörige kommen mit ihren eigenen Vorstellungen zu uns“, berichtet Urban Neuhaus aus Nottuln, der in dem kleinen Ort als Florist und Bestattungsunternehmer ansässig ist. „Manche haben allerdings überhaupt keine Idee, wie eine Beerdigung vonstatten geht, weil sie noch nie mit dem Thema konfrontiert waren. Hier muss ich häufig Vorschläge machen und verschiedene Varianten vorstellen.“

 

Alternativen zur Schlichtheit

Bei den Urnen stehen selbst gestaltete oder vom Künstler bemalte Exemplare hoch im Kurs, ebenso wie exklusive Urnen-Skulpturen oder mit einem persönlichen Motiv bedruckte Varianten. Urnen in Form von Fußbällen oder Engeln finden ebenfalls Liebhaber, genauso wie schlichte Holzurnen vielen Naturfreunden gefallen.

 

Die Särge sind heute nicht mehr ausschließlich schlicht und aus Eiche, auch wenn diese Holzart nach wie vor sehr beliebt ist. Was zählt, ist der persönliche Geschmack. Darum bietet der Markt sowohl den von Star-Designer Luigi Colani entworfenen Sarg aus Mahagoni-Holz als auch die schlichte Variante in Kiefer. Im unteren Preis-Segment sind zudem Billig-Produktionen aus dem Ausland auf dem Vormarsch. Gespart wird manchmal auch im Angesicht des Todes, denn nicht jeder kann es sich leisten, seinem Angehörigen einen Designer-Sarg zu bezahlen. Wer das nötige Kleingeld hat, setzt aber in der Regel auf Individualität: Für den Liebhaber von Star Trek gibt es den Sarg mit Planeten-Motiv, während der Punk-Rocker ein schrilles Neon-Exemplar bekommt und der Fußball-Fan in den Vereinsfarben zur ewigen Ruhe gebettet wird.

 

Für immer Fan

Wer dem Fußballverein auch im Tod nahe sein möchte, dem ermöglichen manche Vereine inzwischen eine Beisetzung in Stadionnähe. Schalke 04 legte im Juli dieses Jahres den Grundstein für ein Fan-Gemeinschaftsgrab auf dem Gelsenkirchener Friedhof Beckhausen-Sutum. Fast 2.000 Gräber stehen dort als letzte Ruhestätte in unmittelbarer Nähe zur Schalke-Arena zur Verfügung. Die Beisetzung auf dem 3.600 Quadratmeter großen „Schalke Fan Feld“ steht Angehörigen aller Konfessionen offen und soll im Oktober eingeweiht werden.

 

Der HSV bietet diesen Service bereits seit 2008. Ebenso wie beim Ruhrgebiets-Verein liegt der HSV Friedhof in unmittelbarer Nähe zum Stadion, hinter der Westtribüne der HSH Nordbank Arena. Das Areal ist ähnlich wie „auf Schalke“ einem Stadion nachempfunden. Die Grabstellen wurden in Treppenform angelegt, mit einem Fußballtor als Eingang und Originalrasen vom Spielfeld.

Vorbild Ägypten – persönliche Grabbeigaben

Die Hauptsache ist in jedem Fall, den Vorlieben des Verstorbenen gerecht zu werden. Dies ist auch bei den Grabbeigaben der Fall, die im Alten Ägypten üblich waren und heute eine Renaissance erfahren. Statt Gold und Geschmeide legen die Angehörigen meist Gegenstände in den Sarg, die einen hohen symbolischen Wert haben: Was für den Großvater der Spazierstock war, ist für Oma die Stricknadel und den Onkel der Flachmann, der zu Lebzeiten immer in der Brusttasche seiner Anzugjacken steckte. Egal, was es ist – die Grabbeigabe muss zur Person passen und eine Bedeutung haben.

Den richtigen Ton treffen: Reden und musikalischer Abschied

Bei der Bestattungsfeier sind die Gestaltungsvarianten weitaus individueller als vor 100 Jahren. War damals noch der religiöse Beistand obligatorisch, so kann heute komplett darauf verzichtet werden oder alternativ ein Kirchenbeistand einer nicht christlichen Glaubensgemeinschaft oder ein unabhängiger Trauerredner gebucht werden. War der Verstorbene kein Mensch der großen Worte, wird auf eine Ansprache vielleicht auch komplett verzichtet und stattdessen Musik gespielt – wahlweise vom Organisten, einem Chor, der Musikkapelle oder von CD. Hier steht in der Regel nicht der Geschmack der Trauergäste im Vordergrund. Was zählt sind die Vorlieben des verstorbenen Menschen. Beliebt sind immer noch Klassiker wie „Time To Say Goodbye“ oder das „Ave Maria“. Aber auch sentimentale Lieder von Unheilig, provokante Stücke à la „Highway To Hell“ oder optimistische Popsongs wie „Somewhere Over The Rainbow“ sind beliebte Hits auf Bestattungsfeiern. Aktuelle Titel aus den Charts oder harte Rocksongs – früher noch geschmacklos und absolut undenkbar, heute Alltag im Bestattungsunternehmertum.

 

Grabschmuck und Grabmale

Die Auswahl der Blumen für den Sarg oder die Grabstätte kann genauso dem persönlichen Geschmack überlassen werden, auch wenn Angehörige jahreszeitlich bedingt hier manchmal an ihre Grenzen stoßen. Wenn die Oma im Spätsommer verstirbt, sind ihre geliebten Tulpen nun einmal nicht ohne Weiteres zu beschaffen. In dem Fall muss entweder eine Alternative gefunden oder etwas tiefer in die Tasche gegriffen werden.
Die preislichen Unterschiede können auch beim Grabmal enorm sein. Abhängig von Material, Größe und Inschrift sind Kosten von mehreren Zehntausend Euro möglich. In Deutschland wegen der Friedhofsordnungen undenkbar, aber in England kein Problem sind individuelle Grabmale, sogar in Form von Autos in Originalgröße. Auf dem Londoner Manor Park Friedhof haben die Angehörigen beispielsweise das Fahrzeug des verstorbenen Steve Marsh – ein BMW Cabrio – aus schwarzem Granit für die letzte Reise nachbauen lassen. Es kursieren Gerüchte, das Grabmal habe mehr als 45.000 Euro gekostet.

 

Doch Individualität geht auch preiswerter, beispielsweise indem – wie in Süddeutschland üblich –

ein Foto des verstorbenen Menschen eingearbeitet wird. Oder durch eine Inschrift, die inhaltlich das Leben und Wirken des Menschen aufgreift. Auch ein passendes Zitat auf dem Grabstein verleiht eine persönliche Note und bewahrt das Andenken auf besondere Weise.

 

Im engen Familienkreis oder öffentlich

Weitere wichtige Fragen ergeben sich im Hinblick auf die Teilnehmer der Bestattungsfeier. Wer darf überhaupt kommen? Soll die Beisetzung im engsten Familienkreis stattfinden? Werden nur Freunde und Bekannte geladen? Darf jeder kommen, der sich dem Verstorbenen nahe gefühlt hat? In den USA werden Trauerfeiern immer häufiger per Livestream im Internet übertragen. Die so genannten Online- oder E-Bestattungen werden in Amerika bereits von etwa 1.000 Bestattungsinstituten angeboten. Auch in Deutschland könnten sie bald an der Tagesordnung sein. Denn dank der weltweit einsehbaren Texte, Bilder und Videos wird das Gedenken für die folgenden Generationen wach gehalten und bietet auch für entfernt wohnende Verwandte einen unvergänglichen Raum zum Gedenken. Vorteilhaft an der Online-Bestattung ist zudem die Tatsache, dass sämtliche Verwandte in jedem Fall teilnehmen können.

 

Wenn möglichst viele Menschen den Verstorbenen auf seinem letzten Weg begleiten sollen, kann natürlich auch die klassische Todesanzeige in der Zeitung eine Variante sein, um für Öffentlichkeit zu sorgen. Natürlich geht es auch hier wieder um möglichst viel Individualität. Der Gestaltung mit Fotos, Bildmotiven und persönlichen Texten sind keine Grenzen gesetzt und so manche Todesanzeige wird als Erinnerung verwahrt. Dasselbe gilt für die Trauerkarten.

 

Vertrauen ist gut – Vorsorge ist besser

Wer sich als Individualist fühlt und nichts dem Zufall überlassen möchte, sollte frühzeitig vorsorgen. Doch leider ist der Tod nun mal kein Thema, mit dem sich „Otto Normalverbraucher“ gern beschäftigt. Das Testament machen die meisten Menschen notgedrungen – schließlich muss der Nachlass geregelt sein. Auch die Patientenverfügung ist gerade mit zunehmendem Alter ein Dokument, über das sich viele Gedanken machen. Allerdings hinterlassen die wenigsten eine Bestattungsverfügung, obwohl sie viele Vorteile bietet: Sie stellt sicher, dass persönliche Wünsche berücksichtigt werden. Sie nimmt den Angehörigen, die nach dem Tod einer geliebten Person oft unter Schock stehen oder in ihrer Trauer gefangen sind, eine Menge Arbeit ab und entbindet sie von der Verantwortung, wichtige Entscheidungen zu treffen. Andererseits schränkt sie auch deren Gestaltungsspielraum ein und verpflichtet sie, einen Ablauf zu organisieren, der vielleicht zwar im Sinne des Verstorbenen, aber nicht des Angehörigen ist. Ein Zwiespalt. Und wie so oft eine Frage der individuellen Entscheidung.

 

Die Rolle des Bestattungsunternehmers

Für den Bestatter ist die neue Vielfalt der Möglichkeiten eine spannende Herausforderung. „Man muss mit der Zeit gehen – auch bei uns auf dem Land“, erklärt der Nottulner Urban Neuhaus. „Der Wunsch der Angehörigen stand bei unserer Arbeit immer schon an erster Stelle, aber mit den heutigen Gestaltungsvarianten können wir noch individueller auf unsere Kunden eingehen.“ Haben Angehörige klare Vorstellungen oder gibt es eine Bestattungsverfügung, so ist es Aufgabe des Bestatters, die Wünsche auf Machbarkeit zu prüfen: Lässt die Friedhofsordnung eine Umsetzung der Vorstellungen zu oder müssen Abstriche gemacht werden? Kann die gewünschte Bestattungsart realisiert werden oder stehen gesetzliche Vorschriften im Weg?

Schwieriger ist es, wenn der Wunsch nach einer individuellen Bestattung geäußert wird, aber der Kunde gar nicht weiß, wie er dem Verstorbenen am besten gerecht wird. Dann muss der Bestatter nicht nur genügend Einfühlungsvermögen besitzen, um passende Vorschläge zu unterbreiten, sondern auch wissen, was in seinem Bundesland und an seinem speziellen Standort überhaupt möglich ist. Er muss informieren, beraten und vielleicht auch mitentscheiden, wenn es Unsicherheiten gibt.

 

„In letzter Konsequenz ist trotz des Wunsches nach Individualität immer noch der Preis ein wichtiger Faktor bei der Entscheidungsfindung“, so die Erfahrung von Urban Neuhaus. „Machbar ist vieles, aber nicht immer ist der Kunde auch bereit oder imstande, die Kosten zu tragen.“ So entscheidet sich am Ende eines Beratungsgespräches der Angehörige dann doch manchmal statt für den schicken schwarzen Designer-Sarg für den preiswerteren, aber soliden Eichensarg. Statt des Trauerredners kommt der katholische Pfarrer der Gemeinde und anstelle des Organisten wird ein Lied vom Band gespielt.

 

Trotzdem muss die preiswertere Bestattung nicht billig sein, und auch nicht weniger individuell. Eine persönliche Grabbeigabe für den Verstorbenen kostet beispielsweise nichts und ist doch von hohem, symbolischem Wert. Letztendlich zählt vor allem, dass die Angehörigen sich beim Bestatter gut aufgehoben und beraten fühlen. Es ist wichtig, dass ihre Wünsche ernst genommen und verstanden werden. Dass sie in einer schweren Zeit nicht mit deutscher Bürokratie und komplizierten organisatorischen Abläufen alleingelassen und überfordert werden. Denn dann wird der Abschied vom geliebten Menschen ein wenig leichter – und für das persönliche Gedenken bleibt mehr Raum.