Digitaler Nachlass: „Individuelle Vorsorge bleibt das einzig Hilfreiche.“

Sabine Landes und Dennis Schmolk haben im Sommer 2015 das unabhängige Infoportal digital-danach.de ins Leben gerufen. (Bild: Copyright Sabrina Kurtz) Sabine Landes und Dennis Schmolk haben im Sommer 2015 das unabhängige Infoportal digital-danach.de ins Leben gerufen. (Bild: Copyright Sabrina Kurtz)

(Interview mit Sabine Landes und Dennis Schmolk)

Sabine Landes und Dennis Schmolk haben im Sommer 2015 das unabhängige Infoportal digital-danach.de ins Leben gerufen. Sie beschäftigen sich dort mit der Frage, wie die Digitalisierung die letzten Dinge im Leben beeinflusst. Als Referenten und Autoren setzen sie sich dafür ein, dass das Thema mehr Aufmerksamkeit erfährt. 2016 und 2017 haben sie die digina Konferenz als erste deutschsprachige und branchenübergreifende Fachkonferenz zum digitalen Nachlass veranstaltet.

 

Was hat sich in den letzten zwei Jahren in Sachen Digitaler Nachlass verändert?

Da fallen uns vor allem zwei Dinge ein. Erstens: Der BGH hat in diesem Jahr höchstrichterlich entschieden, dass Online-Accounts, in diesem Fall der Facebook-Account einer Minderjährigen, ganz „normal“ vererbt werden können. Das scheint uns noch nicht der Weisheit letzter Schluss, das wirft neue Probleme auf und dient nur bedingt zum Präzedenzfall – aber immerhin haben wir damit eine erste Entscheidung, nach der sich Vorsorgende, Hinterbliebene und Dienstleister richten können.

Zweitens: Die Bundesregierung hat ebenfalls dieses Jahr bekannt gegeben, dass sie keinen Änderungsbedarf am Erbrecht sieht, um digitalen Herausforderungen besser begegnen zu können. Von der Politik dürfen wir uns also vorerst kein Handeln erwarten. Nach Aussage der Regierung reichen das Erbrecht plus privatrechtliche Verträge aus, um alles zu regeln. In Streitfällen muss dann eben ein Gericht Klarheit schaffen wie der BGH im oben skizzierten Fall. Für uns heißt das vor allem, dass individuelle Vorsorge das einzig Hilfreiche bleibt – ansonsten müssen die Erben am Ende vor Gericht ziehen.

 

Sind sowohl vorsorgende Privatleute als auch Bestatter ausreichend für das Thema sensibilisiert?

Zumindest für normale Computernutzer würden wir sagen: Nein. Unsere Erfahrung ist, dass die Frage nach dem Verbleib von Daten nach dem Tod kaum gestellt wird. Es ist ja schon schwer genug, Menschen für Datenschutz und Privatsphäre zu Lebzeiten zu sensibilisieren. Wer sich nach dem Tod um die Abwicklung kümmert, wird dann eher als abstraktes Problem gesehen.

 

Wer sollte sich mit seinem digitalen Nachlass auseinandersetzen? Auch ältere Menschen?

Prinzipiell geht das Thema jeden an, der einen Computer nutzt, online aktiv ist oder Familienmitglieder hat, die das sind. Denn jeder hinterlässt Daten, Spuren, Kontakte. Auch ältere Menschen, die z.B. Fotos digital speichern, mit anderen über Messenger kommunizieren, E-Mails schreiben oder Mitglied in Foren sind, sollten sich zumindest überlegen, wer Online-Bekanntschaften informiert und ob Hinterbliebene an Daten kommen müssen. Und: Menschen, die selber nur wenig digital aktiv sind, können trotzdem zu rechtmäßigen Erben eines digitalen Nachlasses werden – dann sind sie dafür verantwortlich, diesen Nachlass zu regeln. In einer digitalisierten Gesellschaft wie der unseren geht das Thema also eigentlich jeden etwas an, egal ob alt oder jung, ob als Vorsorgenden oder Hinterbliebenen.

 

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Jetzt! Je früher, desto besser. Auch jeder, der sich sowieso schon Gedanken zu Vorsorgethemen macht, z. B. Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht oder Testament, sollte unbedingt auch den digitalen Nachlass mit einbeziehen.

 

Was ist die „Grundausstattung“ für einen digitalen Nachlass/was sollte jeder, der sich im Internet bewegt, mindestens beachten?

Jeder sollte sich mindestens darüber Gedanken machen, welche Daten und Zugänge (z.B. E-Mail-Account) für Hinterbliebene unverzichtbar sind, um den Nachlass angemessen abwickeln zu können (z. B. noch offene Verträge zu kündigen, Rechnungen zu bezahlen, die nur im Mail-Postfach ankommen etc.). Hinterlegt man diese, kann man die eigenen Angehörigen vorausschauend sehr unterstützen.