Die (vor)letzte Reise

Holger Booch vom Bestattungsinstitut Rose

(Interview mit Holger Booch vom Bestattungsinstitut Rose)

 

Menschen reisen mehr, werden immer älter, bleiben länger mobil. Darauf nimmt auch der Tod keine Rücksicht. Holger Booch vom Bestattungsinstitut Rose in Südbayern kümmert sich um im Ausland Verstorbene, die an ihren Heimatort rücküberführt werden müssen – ob aus Las Vegas oder  aus dem Urlaub an der Ostsee.

 

Holen Sie jeden Verstorbenen persönlich ab?

Ja, aber natürlich nicht aus den USA oder Thailand, sondern  im Zollfreilager des Flughafen in München oder Frankfurt, vom jeweiligen Urlaubsort oder auch von der hiesigen bayerischen oder österreichischen Bergwacht. Wir sind eigentlich ein klassischer regionaler Bestatter, jedoch mit dem Anspruch, den Verstorbenen möglichst auf seinem ganzen Weg zu begleiten, sei es aus der Region bis zum Gemeindefriedhof oder vom jeweiligen Urlaubsort zurück in seinen Heimatort ins Familiengrab.

 

Wer sind Ihre Auftraggeber: Hinterbliebene, Versicherungen, Reiseveranstalter, die deutsche Botschaft?

Ausschließlich Hinterbliebene. In aller Regel ist es so, dass wir den Angehörigen dazu raten, den Leichnam vor Ort kremieren zu lassen, es sei denn, der Verstorbene hatte zu Lebzeiten den Wunsch nach einer Erdbestattung geäußert. Eine Rücküberführung eines Leichnams z.B. aus Übersee ist immer sehr kostspielig – da kann schon mal ein fünfstelliger Betrag anfallen. Hinterbliebene, die dann gegebenenfalls keine Reisekrankenversicherung oder Lebensversicherung haben, die die Kosten für den Rücktransport im Sterbefall deckt, sind oft schockiert über die hohen anfallenden Kosten und Gebühren einer Rücküberführung in die Heimat.

 

Wann und wo beginnt Ihr Einsatz, wenn ein Deutscher im Ausland verstirbt?

Bei einem Todesfall im Ausland bietet das Deutsche Konsulat vor Ort meist Unterstützung bei den Formalitäten und einigen organisatorischen Schritten an. Die Angehörigen und ein örtliches Bestattungsunternehmen organisieren dann die  Abholung und Überführung, Beurkundung am Standesamt, Beantragung eines internationalen Leichenpass, u.v.m.
Der Bestatter bereitet zu dem den Verstorbenen ordnungsgemäß zum Transport vor: Der Leichnam muss dafür in eine so genannte Zinkwanne im Holzsarg, in den U.S.A. üblicherweise in einem amerikanischen Metallsarg, gebettet und versiegelt werden, der Sarg wiederum wird für den  Transport zusätzlich mit  einer Holzkiste  geschützt. Nachdem der Bestatter vor Ort diese dann der Fluggesellschaft samt Frachtpapieren übergeben hat, wird  auch solch ein Sarg wie ein ‚normales‘ Gepäckstück behandelt – bis zum Zoll des Zielflughafens. Dort kommen wir wieder ins Spiel und nehmen den Sarg mit den nötigen Papieren in Empfang. Wir stehen im ständigen Kontakt mit den Angehörigen und dem örtlichen Bestatter und erhalten alle nötigen Papiere, um den Verstorbenen vom Flughafen nach Hause bringen zu können. Für Sterbefälle im Ausland ist bei uns das Standesamt I in Berlin für die Beurkundung von Sterbefällen Deutscher im Ausland oder auf deutschen Seeschiffen zuständig.

Eine Öffnung des Sargs und die Identifikation am Flughafen, eine behördliche Legitimitätsprüfung oder Leichenschau sind dann übrigens nicht mehr nötig. Doch vor der eigentlichen Trauerfeier versorgen wir den Leichnam erst einmal hygienisch, bevor wir ihn in unserem Abschiedsraum für alle Angehörigen aufbahren, die Abschied nehmen möchten.

Aus Nachbarländern wie z.B. Österreich oder der Schweiz holen wir verstorbene Deutsche natürlich auch persönlich ab. Unsere Bestattungsfahrzeuge sind hierfür mit mobilen Kühlungen ausgestattet. Umgekehrt werden in unserer Region Verstorbene aus den Nachbarländern auch von ihren ortsansässigen Bestattern in ihr Heimatland zurücküberführt. Auf die Rückführung in ein muslimisches Heimatland sind darauf spezialisierte muslimische Bestatter zuständig, mit denen wir kooperieren, da nur diese die entsprechenden rituellen Handlungen ausführen dürfen und den Verstorbenen so schnell wie möglich in sein Heimatland überführen und dort bestatten.

 

Was passiert mit einem Menschen, der während einer Kreuzfahrt verstirbt?

Dass ein Mensch auf See verstirbt, ist tatsächlich keine Seltenheit, da sich häufig ältere oder auch kranke Menschen an Bord eines Kreuzfahrtschiffs befinden. Viele Schiffe haben eigens für solche Fälle einen eigenen Kühlraum und halten verschließbare Kunststofftruhen vor. Am Zielhafen übernimmt dann wiederum der beauftragte Bestatter, um den Leichnam in seinen Heimatort  zu überführen.

 

Können Angehörige Urnen auf selbst überführen?

Um Zeit und Kosten zu sparen, werden Verstorbene vor dem Rücktransport mit dem Flugzeug meist kremiert. In diesem Fall können die Angehörigen die Urne auch selbst transportieren und eine Urnenbeisetzung zu Hause zeitlich frei organisieren.

 

Zur Webseite:

bestattungsinstitut-rose.de