Deutsche Ruhefristen bereiten Muslimen Probleme

csm_VIK_faf4e35548© Erol Pürlü / VDIK

Eine Bestattung nach islamischem Brauch war in Deutschland bis vor kurzem noch vielerorts unmöglich. Inzwischen lenken Länder und Kommunen jedoch mit Gesetzen und speziellen Grabplätzen ein. Solche Angebote werden zwar genutzt – die deutschen Ruhefristen stellen jedoch weiterhin ein Problem dar.

 

Die Bestattung nach muslimischem Brauch unterscheidet sich in vielen Punkten vom christlichen Ritus: Ein islamischer Verstobener wird direkt nach dem Tod gewaschen, in Leinentücher gewickelt und ohne Sarg ins Grab gelegt. Bis vor wenigen Jahren war diese Art der Beerdigung in Deutschland noch gänzlich unmöglich – unter anderem hatten Politiker und Friedhofsbetreiber hygienische Bedenken bei der sarglosen Beisetzung. Im Zuge moderner Integrationspolitik werden heute jedoch vermehrt Möglichkeiten geschaffen, damit auch Muslime ihren Traditionen entsprechend bestattet werden können. Auf diesem Gebiet könnte bald das Land Nordrhein-Westfalen Vorreiter sein: „Islamische Verbände dürfen hier in Zukunft sogar eigene Friedhöfe betreiben. Zudem bestehen schon spezielle Grabfelder“, erklärt Erol Pürlü, Dialogbeauftragter des Verbandes der islamischen Kulturzentren. Auch in anderen Ländern und Städten gibt es bereits diverse Angebote, um eine Bestattung nach den islamischen Bräuchen durchzuführen: „Immer mehr Kommunen erklären sich dazu bereit, auch muslimische Beerdigungen vor Ort durchzuführen“, so Pürlü.

 

Beisetzung häufig im Heimatland

Dennoch wollen viele Muslime weiterhin in ihren Heimatländern beerdigt werden – besonders oft werden deshalb ältere Verstorbene ins Ausland transportiert. Für Pürlü ein verständlicher Wunsch: „Die erste Migrantengeneration kommt jetzt ins entsprechende Alter. Da diese Menschen noch sehr heimatverbunden sind, kann man nachvollziehen, dass sie lieber im Herkunftsland beigesetzt werden möchten.“ Doch auch aus einem anderen Grund gestaltet sich eine Bestattung in Deutschland teilweise schwierig: „Im islamischen Glauben gilt die unbefristete Grabruhe. Auf deutschen Friedhöfen sind die Ruhezeiten jedoch gesetzlich begrenzt. Nach Ablauf dieser Frist kann das Grab wieder genutzt werden“, erläutert Pürlü und fügt an: „Zwar kann man die Nutzung eines Grabplatzes manchmal noch verlängern, das wirft aber weitere Kosten auf, weshalb sich Viele einfach in der Heimat beisetzen lassen.“ Doch auch, wenn sich Politik und islamische Interessengemeinschaft in diesem Gebiet noch annähern müssen, bewertet Erol Prülü die aktuellen Entwicklungen zur muslimischen Bestattung in Deutschland durchaus positiv: „Man merkt daran deutlich, dass neuerdings ein Umdenkprozess stattfindet.“