Der Schnäppchen- Bestatter

csm_242464_R_K_B_by_Hans-Peter-Reichartz_pixelio.de_6553987af2Schnäppchen- Bestatter. © Hans-Peter Reichartz/pixelio.de

Geiz ist geil. Die Schnäppchen-Mentalität ist mittlerweile auch in der Bestattungsbranche angekommen. Mit der Abschaffung des Sterbegeldes, der steigenden Zahl an Harz IV Empfängern und der gegenwärtigen Wirtschaftskrise können sich immer weniger Menschen die Kosten einer Bestattung leisten. Infolgedessen haben sogenannte Billig-Bestatter zur Zeit Hochkonjunktur.

 

Ein Anzeichen dafür ist die steigende Nachfrage an Feuerbestattungen, denn sie sind billiger als  Erdbestattungen. Dabei wird unter anderem an der Grabstätte gespart, da die Gestaltung der kleineren Fläche billiger und weniger aufwändig ist. Ein weiteres Indiz für den Billigtrend ist der Abbau der Inlandsproduktion von Särgen. Allein 2009 ist die Produktion um elf Prozent eingebrochen. Die Nachfrage nach Handeslware aus Osteuropa nahm entsprechend stark zu. Heutzutage ist fast jeder zweite Sarg Importware aus Osteuropa. Deutschland kann mit hohen Produktionskosten und Arbeitslöhnen bei diesen Dumpingpreisen nicht mithalten.  „Die Sargindustrie spürt vor allem eine rückläufige Nachfrage nach hochwertigen Särgen“, erläutert Siegfried von Lauvenberg, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Zulieferindustrie für das Bestattungsgewerbe. „Dabei besteht im Grunde kein Unterschied zwischen Erd- oder Feuerbestattung. In jedem Fall gehört zu einer würdevollen Abschiedszeremonie ein angemessener Sarg.“

 

Billigangebote prüfen

Oftmals recherchieren Angehörige zunächst im Internet und vergleichen welcher Bestatter der Billigste ist. Viele Discount-Bestatter preisen deshalb auf ihren Webseiten vor allem billige Bestattungen an. So bekommt man eine sogenannte Webbestattung, die nur telefonisch buchbar ist, bereits ab 479 Euro. Bei genauerer Betrachtung stellen sich aber diese sogenannten Billig-Angebote oftmals als Fangwerbung heraus. Denn im Kleingedruckten verstecken sich nicht selten horrende Zusatzkosten. Meist fehlen die Friedhofsgebühren und Zusatzkosten für die Trauerfeier in der Leistungsbeschreibung. Am Abrechnungstag gibt es dann für die Angehörigen ein böses Erwachen. 2009 stand ein Berliner Bestatter wegen unlauteren Wettbewerbs vor Gericht. Er hatte die anfallenden Zusatzkosten bei einer Feuerbestattung verschwiegen. Am Ende durfte der Billigbestatter nicht länger mit seinem Lockangebot werben und musste sein Angebot transparenter gestalten. Die Verbraucherinitiative Bestattungskultur, Aeternitas e.V., rät Verbrauchern, Angebote von Billigbestattern genau zu prüfen. Den Angehörigen sollte es nicht unangenehm sein nachzufragen, welche Kosten mit dem Angebot abgedeckt sind und welche noch hinzukommen. Auf Nummer sicher gehen die Hinterbliebenen, wenn sie sich einen Kostenvoranschlag erstellen lassen. Das Kuratorium Deutsche Bestattungskultur e.V. warnt vor der Entsorgungsmentalität, die mit Discountbestattungen verbunden ist. „Die Beisetzung gehört als Abschiednahme vom Verstorbenen seit Jahrhunderten zu den Übergangsritualen, die den Ausdruck der Würdigung eines Menschenlebens darstellt“, erklärt Dr. Kerstin Gernig, Geschäftsführerin des Kuratorium Deutsche Bestattungskultur GmbH / e.V.. Eine schlecht organisierte Beerdigung kann man nicht wiederholen, deshalb ist es wichtig von Anfang an einer qualitativ hochwertigen Dienstleistung zu vertrauen, auch wenn diese preislich etwas höher liegt, als die des  Billig-Bestatters.

 

Bestattung im Ausland

Im Trend liegen momentan auch Bestattungen im Ausland. So ist die Einäscherung einer Leiche in Tschechien nicht nur billiger als in Deutschland. Gleichzeitig darf die Asche verstreut werden, was bis jetzt in Deutschland verboten ist. Bereits für rund 888 Euro kann man sich in Tschechien einäschern und anonym beerdigen lassen. Dies stellt die Hinterbliebenen jedoch vor eine große Herausforderung, denn ihnen wird der Ort zum Abschiednehmen und zum Trauern genommen. „Viele Angehörige unterschätzen die Belastung durch eine anonyme Bestattung – vor allem wenn sie am Geburtstag oder an Weihnachten keinen Ort haben, an dem sie Blumen niederlegen können“, berichtet Sven Baar, Inhaber von Pietät Baar in Offenbach. Auch in den Niederlanden und Belgien ist die Einäscherung billiger und die Asche kann auf Wunsch der Angehörigen selbst abgeholt werden. Was dann mit der Asche des Verstorbenen geschieht bleibt den Angehörigen selbst überlassen. So ist es nicht verwunderlich, dass nach Berichten des WDR in den Städten immer mehr Leichenpässe beantragt werden. Diese Papiere werden benötigt, um einen Verstorbenen über die Grenze transportieren zu dürfen. Im Jahre 2003 stellte die Stadt Aachen, nahe der holländischen Grenze, gerade einmal 19 Pässe aus. Inzwischen sind es schon mehr als 600 pro Jahr – Tendenz steigend.

 

Städte müssen mehr Sozialbestattungen bezahlen

Ansteigend ist auch die Zahl der Sozialbestattungen. Immer häufiger müssen Städte und Gemeinden die Kosten von Beerdigungen übernehmen, da es entweder keine Angehörigen mehr gibt oder die Angehörigen selbst kein Geld haben, um die Beerdigung zu bezahlen. Laut Aeternitas e.V. sind alleine in Sachsen zwischen 2005 und 2008 die Kosten der Landkreise und Kreisfreien Städte für Sozialbestattungen um fast 40 Prozent gestiegen. Anfang des Jahres überlegte daher der Bürgermeister von Oststeinbek Karl Heinz Mentzel, ob die Stadt in solchen Fällen nicht sparen könnte, indem sie die Sozialbestattungen im Ausland von Billig-Bestattern durchführen lässt. Laut der Bergerdorfer Zeitung stieß er mit dieser Idee auf rege Kritik. Mehrere Abgeordnete äußerten Bedenken, denn die Discount-Bestattungen seien in erster Linie sehr pietätlos und menschenunwürdig.

 

Grabsteine müssen möglichst billig sein

Auch für Grabsteine wollen Kunden nicht mehr so viel Geld wie früher ausgeben. Deshalb gelangen immer mehr Grabsteine, die billig in Ländern wie China oder Indien produziert wurden nach Deutschland. Doch zu welchem Preis? Nicht selten setzten die dort ansässigen exportorientierten Betriebe auf Sklaven- und Kinderarbeit. Globalisierungsexperte und Vorstand des Münchner Nord-Süd-Forums Heinz Schulze, kritisiert diese Begräbniskultur gegenüber der Nachrichtenagentur Pressetext.

 

Das Zwischenmenschliche nicht vergessen

Ob billig oder nicht – eine Sache sollte in jedem Fall nicht vernachlässigt werden: die Zwischenmenschlichkeit. Häufig haben diejenigen, die für billige Bestattungen so marktschreierisch werben, wie andere für Elektrowaren, Autos oder Lebensmittel, eher den eigenen Profit im Sinn als die Befindlichkeiten der Angehörigen. Je billiger das Angebot, desto weniger Serviceleistungen bekommt der Kunde. Insbesondere das erste Gespräch mit Hinterbliebenen ist bei Billig-Bestattungen oft kurz und knapp. Doch  genau diese Gespräche und die zwischenmenschlichen Kontakte zu den Angehörigen machen die Arbeit eines guten Bestatters aus. Es ist wichtig, Hinterbliebenen zu helfen, ihre Trauer zu bewältigen und eine Bestattung so zu organisieren, dass die Beerdigung ein schöner und vor allem persönlicher Abschied wird.