Der Mensch-Tier-Friedhof – „Unser Hafen“ Der treue Begleiter als Grabbeigabe (Interview mit Judith Könsgen)

Judith Könsgen von der Deutschen Friedhofsgesellschaft.Judith Könsgen von der Deutschen Friedhofsgesellschaft.

Im Juni 2015 eröffnete in Brauchbauch/Dachsenhausen bei Koblenz der erste Mensch-Tier-Friedhof, kurz darauf ein zweiter in Essen-Frintrop. „Unser Hafen“ ist offen für Menschen, die nach ihrem Tod mit ihrem geliebten Zwei- oder Vierbeiner vereint sei möchten, erzählt Judith Könsgen von der Deutschen Friedhofsgesellschaft.

 

Wie funktioniert eine Mensch-Tierbestattung?

Wir setzen die Urnen von Menschen und ihren Heimtieren gemeinsam bei. In unseren beiden Grabarten können sechs oder zwölf Urnen beigesetzt werden. Die Hinterbliebenen entscheiden, ob sie das Grab selbst gestalten oder die Pflege unseren Friedhofsgärtnern überlassen wollen. Meist werden die Gräber sehr liebevoll und individuell selbst gepflegt. Von Namen über Fotos bis zu Symbolen haben die Hinterbliebenen fast alle Freiheiten, ihrer Trauer auf den Gräbern Ausdruck zu verleihen.

 

Was, wenn das Tier zuerst verstirbt und vor seinem Halter bestattet werden soll?

Unser Zeitgeist lässt in unserer heutigen Gesellschaft recht wenig Raum für Krankheit, Trauer und Abschied. Da kann es sehr tröstlich sein, wenn ein Mensch weiß, dass er später einmal zu seinem geliebten Haustier kommt. Unser Hafen öffnet also neue Zugänge zu Trauer und Abschied. Rechtlich gilt eine Tierurne als Grabbeigabe zu einem Humangrab. In den meisten Fällen stirbt das Tier vor seinem Halter, der die Kremationsasche oft bis zum eigenen Ableben in einer Urne zuhause aufbewahrt. Die Laufzeit liegt in Essen bei 25 und in Braubach bei 20 Jahren. In Rheinland-Pfalz gilt: Wer das Nutzungsrecht für ein Grab erwirbt, kann es auch schon vor seinem eigenen Ableben pflegen. Wird die Urne des Tieres vor der Urne des Halters bestattet, muss dies mit der Friedhofsverwaltung abgesprochen werden. So kommt es nicht zu Irritationen, wenn sich bei der Beisetzung des Tierhalters bereits eine Urne im Grab befindet.

 

Können Frauchen und Fifi in einer gemeinsamen Urne bestattet werden?

Das ist rechtlich und oft auch logistisch nicht möglich. Tier und Mensch bekommen jeweils eine eigene Bio-Urne. Sie zersetzt sich schnell in der Erde, sodass die Asche früher oder später auf natürlichem Wege zusammenkommt. Auch die Überführung und Einäscherung geschieht immer streng getrennt nach Mensch und Tier. Die Deutsche Friedhofsgesellschaft betreibt übrigens bewusst kein eigenes Tierkrematorium. Wir sind der Meinung, dass die Human- und die Tierkremation streng getrennt sein soll. Dies ist übrigens auch der Wunsch vieler Menschen, die keine Tierliebhaber sind.

 

Wie sieht es mit dem wirtschaftlichen Aspekt aus – rentiert sich „Unser Hafen“?
Noch kann sich „Unser Hafen“ nicht selbst tragen. Aber als Familienunternehmen mit unterschiedlichen Friedhofskonzepten planen wir ohnehin eher langfristig. Wir sehen den Mensch-Tier-Friedhof vielmehr als eine Chance, Sterben und Trauer wieder ansprechbarer zu machen. Das Gespräch über ein verstorbenes Haustier und darüber, was mit seiner Asche geschieht, ist für Angehörige oft leichter eröffnet als die Frage, wie der Partner oder das Elternteil sich seine Bestattung vorstellt. Und wir bieten heute ja bereits eine Vielfalt von Humanbeisetzungen an. Sie reichen vom Grab auf dem Weinberg, über das klassische Rasengrab bis hin zur Beisetzung im Ruhewald oder im Hochbeet für gehbehinderte Hinterbliebene. Unser Hafen bereichert somit die Vielfalt unserer bestehenden Bestattungsmöglichkeiten.

Mittlerweile hören wir von vielen Kommunen, die die Möglichkeit einer gemeinsamen Bestattung von Mensch und Tier in ihre Satzung aufgenommen haben, aber oft noch kein eigenes Feld für diese Bestattungsart haben. Das große Interesse auch von Vorsorgenden und der deutliche Trend, der sich auch an weiteren Mensch-Tierfriedhöfen ablesen lässt, die mittlerweile in Deutschland eröffnet wurden, zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

 

Zur Webseite: www.unser-hafen.de