Der „gute“ Trauerredner

Möchten Hinterbliebene eine individuelle Trauerfeier ohne konfessionellen Bezug ausrichten, ist es häufig die Aufgabe des Bestatters, einen geeigneten Sprecher zu vermitteln. Doch worauf muss bei der Wahl eines freien Trauerredners geachtet werden?

 

Ein Beitrag von Birgit Aurelia Janetzky

 

Hinterbliebene macht der Tod meist sprachlos. Doch es gibt Menschen, die anlässlich des Todes eines Menschen sprechen. In der Hauptsache sind dies Pfarrer oder freie Redner, aber auch Freunde oder Arbeitskollegen ergreifen in der Trauerhalle das Wort. Die Bestattungsunternehmer arbeiten an der Schnittstelle. Sie klären im Beratungsgespräch mit den Angehörigen die Kirchenzugehörigkeit des Verstorbenen oder vermitteln einen freien Sprecher. Sie nehmen die individuellen Wünsche auf, wie die Trauerfeier gestaltet werden soll. Sind die Angehörigen mit der Zeremonie zufrieden, empfehlen Sie den Bestatter gerne weiter. Das ist Grund genug, darauf zu achten, wer am Grab spricht und wie er spricht.

 

Individuelle Bedürfnisse

Jeder, der am Grab spricht, hinterlässt einen Eindruck. Die Angehörigen fühlen sich emotional aufgehoben oder allein gelassen. Sie fühlen sich und den Verstorbenen in der Einzigartigkeit des Lebens gewürdigt oder fragen sich nach der Feier, ob sie auf der richtigen Beerdigung waren. Welcher emotionale Eindruck bleibt, hängt vom Redner ab, nicht davon, ob es eine kirchliche oder konfessionsfreie Rede ist. Menschen fühlen sich gut begleitet, wenn auf ihre Bedürfnisse geachtet wird, die sehr unterschiedlich sein können.

 

Kirchliche oder konfessionsfreie Rede?

Die kirchliche Feier bietet den Trauernden einen Halt in der Gemeinschaft der Gläubigen an. Sie vermittelt Gottes Wort, das in die menschliche Trauer hinein gesprochen wird. Dabei vertraut sie auf die tragende Kraft eines bewährten Rituals und eröffnet den Menschen eine neue Perspektive, indem sie sich in allen Nöten an eine höhere Macht wendet. Die Trauerfeier ist auch Gottesdienst. In ihm wird die christliche Verpflichtung gelebt, „Trauernde zu trösten“. Evangelische und katholische Beerdigungen unterscheiden sich darin, welcher Raum dem persönlichen Lebensweg des Verstorbenen in der Predigt eingeräumt wird. Pfarrer sprechen im kirchlichen Auftrag anlässlich des Todes eines Gemeindemitgliedes. Anders die freien Redner: Sie halten eine Rede im Auftrag der Angehörigen und erhalten für ihre Dienstleistung ein Honorar. Sie sind an keine Vorgaben für die Gestaltung und Inhalte einer Trauerfeier gebunden. Religiöse Elemente werden mit den Auftraggebern abgestimmt oder gar nicht angeboten.

 

Wer hält die Trauerrede?

Wer bei einer kirchlichen Feier spricht, ist normalerweise vom Wohnort und durch die Gemeindezugehörigkeit geregelt. Anders ist das bei freien Rednern. Hier regelt sich der Markt durch Angebot und Nachfrage. Wer als Trauerredner tätig wird, unterliegt keiner Zulassung. Da es keine verpflichtende Ausbildung gibt, existieren große Unterschiede in der Qualität. Bestattungsunternehmen haben es in der Hand, ob eine Trauerfeier einfach abgewickelt wird oder sich die Angehörigen mit einer individuellen Feiergestaltung und Traueransprache gerne an diesen Abschied zurück erinnern.

 

Kriterien für eine „gute“ Rede

Individuelle Trauerfeiern brauchen Zeit. Redner können nicht mehr mit Standardreden aufwarten, die aus Textbausteinen zusammengefügt sind und mit dem Namen des Verstorbenen ergänzt wurden. Eine individuell gestaltete Rede braucht ein persönliches Vorgespräch, in dem der Redner Zeit hat, auf die Unter- und Zwischentöne zu hören. Das Repertoire seiner eingesetzten Texte muss umfassend und differenziert sein, um dem Bildungsstand, der Familiensituation und den Lebensthemen des Verstorbenen gerecht zu werden. Diese umfassende Begleitung, die in der Regel sechs bis acht Stunden umfasst, hat einen Preis. Für den Abschied suchen die Menschen einen Redner, der über das Leben, den Tod, die Grenze zwischen beiden und den Sinn von allem spricht. Die Rede muss das Leben des Verstorbenen zur Sprache bringen und die Angehörigen und Freunde direkt ansprechen. Denn für die Hinterbliebenen ist es ein ganz besonderer, unverwechselbarer Mensch, der aus der Gemeinschaft der Lebenden verabschiedet wird. Gleichzeitig braucht das individuelle Leben eine Einbindung in etwas allgemein Gültiges, den Fluss des Lebendigen und die Demut vor dem Tod. Am Grab sollten daher immer jemand sprechen, der den Menschen einen persönlich gestalteten Abschied ermöglichen kann.

 

Kontakt:

Birgit Aurelia Janetzky

Fachberatung Trauerfeier

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