Das letzte Fest: Was wird aus der Trauerfeier?

Nirgends zeigt sich die Individualisierung im Bestattungswesen so deutlich wie bei der Trauerfeier. Mit wachsender Vielfalt der Glaubens- und Wertvorstellungen ändern sich auch die Bedürfnisse der Menschen im Trauerfall. Die traditionelle, meist konfessionell geprägte Beerdigungskultur mit ihren Ritualen steht auf dem Prüfstand. Nicht selten tritt eine individuelle Inszenierung an ihren Platz, welche die Persönlichkeit des Verstorbenen in ihren Facetten in den Fokus rückt.

 

Doch nicht immer wird diese auch dem Anlass und den Wünschen des Verstorbenen gerecht. Auch Hinterbliebene sind sich oft uneinig über einen angemessenen Rahmen; immer mehr lehnen eine Trauerfeier grundsätzlich ab. Bestatter stehen vor der Herausforderung, sensibel zu beraten. Eine Trauerfeier sollte das Leben des oder der Verstorbenen würdigen. Im Mittelpunkt steht der Mensch, der die Familie, den Freundeskreis und die Gemeinschaft verlässt. So sollten feierliche Elemente dazu dienen, das Bild des Verstorbenen noch einmal vor dem inneren Auge erscheinen zu lassen und Trauernden die Gelegenheit geben, ihre Gefühle zu teilen und einander Trost zu spenden. Doch so unterschiedlich die Arten der Trauer und Verarbeitung, die Beziehung zum Verstorbenen und die Erinnerung an ihn, so verschieden sind auch die Auffassungen, wie der Abschied gestaltet werden sollte. Denn verbindliche Rituale, einen festen Ablauf gibt es längst nicht mehr. Infolgedessen wächst die Anspruchshaltung an den Bestatter, eine Feier zu gestalten, die dem Betrauerten gerecht wird, den Vorstellungen der Hinterbliebenen entspricht und auch bei ausgefallenen Wünschen einen würdigen Rahmen bildet.

 

Religiöser Rahmen?

Soll die Trauerfeier kirchlich oder konfessionsungebunden sein? Leitet ein Geistlicher die Zeremonie, ist ein weltlicher Trauerredner oder eine Kombination aus beidem angemessen? Immer mehr Menschen entscheiden sich schon zu Lebzeiten für eine weltliche Zeremonie, bei der sowohl auf die Gestaltungsmerkmale eines Trauergottesdienstes als auch auf eine kirchliche Bestattung bewusst verzichtet wird. Der Ablauf ist frei und kann auch ohne den kirchlichen Rahmen Gebete oder traditionelle Rituale einschließen, wenn dies gewünscht wird. So sind säkuläre und kirchliche Trauerfeier keine „Konkurrenten“, sondern haben als Passageritual ohne verbindlichen Ablauf beide ihre Berechtigung. Das zentrale Element der weltlichen Trauerfeier ist die Trauerrede. Welche Symbole der Redner verwendet, welche Rituale und Traditionen er oder sie übernimmt, entscheiden Angehörige im persönlichen Gespräch.

 

Individuelle Abschiedsrituale

„Riten, Symbole und Zeichen machen eine Trauerfeier erst zu einem Gesamtarrangement“, davon ist der Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur e.V. Oliver Wirthmann überzeugt. „Die Trauerfeier lebt aus ihrer Entwicklung im christlichen Abendland vornehmlich aus dem Ritus, also aus zeremoniellen Handlungen, aber auch aus festen Gewohnheiten und Ritualen eines Menschen oder einer Gruppe.“ Als wiederkehrende Elemente bieten diese zwar einerseits wenig Platz für die Individualität des Verstorbenen, spenden aber andererseits Trost und Halt, nicht zuletzt weil sie in der Gemeinschaft erlebt werden. So müssen sie nicht in jeder Abschiedssituation neu entwickelt oder erfunden werden. Oft wird ein Kerzenritual in die Trauerfeier integriert, bei dem jeder ein Licht für den Verstorbenen entzündet – als sichtbares Zeichen von Hoffnung und Verbundenheit. Die Kerzen werden in die Sarg- oder Urnendekoration eingefügt.