„Bloß nicht auffallen“ galt gestern!

Vorbei sind die Zeiten, in denen Bestattungsfahrzeuge ausschließlich schlicht schwarz durch die Straßen schlichen. Heute transportieren Bestattungskraftwagen nicht mehr nur Särge oder Urnen, sondern auch Markenbotschaften.

 

„Mit seinem Fahrzeug repräsentiert der Bestatter sein Unternehmen in der Stadt mehr oder weniger auffällig – je nach Stil und Ausrichtung seines Instituts.“ Michael Kaufmann von aiu Bestatterkommunikation hat mit seinen Kollegen schon viele sehr unterschiedliche Fahrzeugbeklebungen gestaltet – vom dezenten Logo mit Symbol bis zur Aufzählung von Leistungen mit Fotos und grafischen Elementen. „Meist unterscheidet sich die Gestaltung von BKW und Firmenauto. Letzteres wird für dienstliche Fahrten genutzt und kann ruhig auffälliger und aussagekräftiger sein. Sogar eine Fahrradbeklebung mit Logo haben wir schon entworfen, die ohne große Worte impliziert ‚Wir sind umweltfreundlich‘.“

 

Emotionaler Hingucker

Karin George, Inhaberin des gleichnamigen Bestattungsinstituts in Leipzig und Umgebung fährt nicht nur gerne besagtes weißes Fahrrad mit der roten Firmenbeschriftung, sondern setzt auch sonst auf auffällige Fahrzeuge: „Unsere Firmenfarbe ist Rot – eine warme Farbe mit starkem Wiedererkennungswert, die nicht nur in allen Marketingelemente, sondern auch in der Einrichtung unseres Abschiedsraumes zu finden ist.“ Besonders einprägsam sei die große Rose auf den weißen Fahrzeugen – ein emotionaler Hingucker, der im Gedächtnis bleibe, vor allem im ländlichen Raum. Noch vor einiger Zeit seien Bestattungsfahrzeuge als Werbeträger oder Markenbotschafter verkannt gewesen. „Doch auch der Wettbewerb wird sichtbarer, sodass sich Bestatter stärker abgrenzen müssen, gerade in den Städten. Je größer die Fahrzeugbeklebung, desto auffälliger und desto polarisierender ist sie allerdings auch“,  so Karin Georges Erfahrung. Sie nehme in Kauf, dass sich nicht alle Menschen angesprochen fühlen, schließlich müsse man ja auch zueinanderpassen. „Die meisten reagieren jedoch sehr positiv.“

 

Kleines Auto, großer Eindruck

Auch Claudia Wünnemann vom Bestattungshaus Wünnemann in Unna zieht die emotionale Vermittlung ihrer Leistungen der bloßen Aufzählung vor: Ihr Markenzeichen ist eine pastell Orange farbene Schnecke. Diese Formen aufnehmend, hat aiu eine großflächige Beklebung für einen Opel Adam entworfen, mit dem Claudia Wünnemann und ihre Kollegen beispielsweise zum Standesamt fahren. Zu sehen ist funkelnder Erinnerungsschmuck mit der Unterschrift „Andenken für die Ewigkeit“. Auf der Tür: Das Logo des Bestattungshauses. Auf der anderen Seite strahlt eine Sonne durch Baumkronen. „Ihr Partner für Naturbestattung“ steht darunter. Die Beklebung nimmt die Schneckenform des Logos auf und überzieht zum Teil auch die Rückfenster des cremefarbenen Kleinwagens. „Man muss auf sich aufmerksam machen“, stimmt Claudia Wünnemann Karin George zu. „Als Bestatterin werbe ich nicht mit Plakaten oder auf Veranstaltungen, sondern eben mit meinem Fahrzeug, das auf dem Weg zum Standesamt für jeden sichtbar ist. Anfangs empfanden das viele Kunden und andere Bestatter als mutig. Doch solange ich nicht provoziere, sondern sensibel und auf eine ästhetische Art auf meine Leistungen aufmerksam mache, hat das mit Mut nichts zu tun. Die Schnecke als wiedererkennbares Markenzeichen in die Beklebung zu integrieren und auch die orange-goldene Farbwelt ihres Bestattugsinstituts aufzunehmen, war Claudia Wünnemann wichtig. „Da der Trend zur Naturbestattung ebenso zunimmt wie die Nachfrage nach Erinnerungsschmuck, haben wir gemeinsam mit aiu die Idee entwickelt, große, positive Fotos für sich sprechen zu lassen. Bewusst weisen wir nicht auf spezielle Hersteller hin, sondern präsentieren uns als Ansprechpartner für das, was sich der Kunde wünscht.“ Dem Pflichtet Karin George bei, die sich vor allem von Billig- und Internetanbietern abgrenzen möchte: „Das, was wir leisten, kann man nicht billig oder aus der Ferne anbieten. Die zufriedensten Hinterbliebenen sind erfahrungsgemäß nicht die, die am wenigsten bezahlt haben, sondern diejenigen, die die beste Leistung erfahren haben.“

 

Freundliche Fotokulisse

Beide Bestatterinnen hatten vor allem eines im Hinterkopf: ihr Engagement in ihrem Beruf und die Offenheit für Neues nicht nur zu leben, sondern auch sichtbar zu machen. Karin George war nach der Wende eine der ersten Bestatterinnen in der ehemaligen DDR. „Das damalige Image des Bestatters war einfach nur antiquiert und gruselig. Bestatter waren dem VEB Grünflächenamt und VEB Abfallwirtschaft zugeordnet und reine Logistikunternehmen mit Überführungsdienstleistungen“, erinnert sich Karin George. „Für die Hinterbliebenen hat das alles nichts gekostet, die Wertigkeit unserer Dienstleistung als Zeremonienmeister mussten wir den Menschen also erst vermitteln.“ Den Barkas, das typische Bestattungsfahrzeug von damals, fahre heute ihr Sohn auf Anfrage, der auch ins Bestattungsgewerbe eingestiegen sei. „Heute gibt es so schöne Bestattungswagen in unterschiedlichen Farben. Wir haben uns für Weiß entschieden – hell und freundlich mit weißen beleuchteten Gardinen und meist mit einer großen Rose bedruckt, die sogar hin und wieder als Fotokulisse für die Trauerfamilie dient. Das würde vor einem schwarzen Leichenwagen mit einem mystischen Palmwedel wohl eher nicht passieren.“ Karin George kann das gut nachvollziehen. Auch sie und ihre Mitarbeiter steigen lieber in ein freundliches Auto, diese Optik sei Teil ihres Gesamtkonzepts.

Auf ein einheitliches Erscheinungsbild setzt auch Claudia Wünnemann. Sie ist 1996 durch ihre Hochzeit in die Branche gekommen und packte gleich die Gelegenheit am Schopfe, das Bestattungsinstitut umzukrempeln, heller, freundlicher und zugänglicher zu gestalten – bis hin zum champagnerfarbenen Überführungswagen, damals vor zehn Jahren noch ein echtes Novum. „Abgesehen von Fahrzeugen und Internetauftritt mache ich sonst nicht viel Werbung. Die meisten Kunden kommen durch Mundpropaganda oder weil sie sich durch die Website angesprochen gefühlt haben. Ob jemand aufgrund der Fahrzeugbeklebung auf uns gekommen ist, lässt sich schwer feststellen. Aber das sind alles Einzelfaktoren, die ein stimmiges Ganzes ergeben.“

 

Links:

aiu-bestatterkommunikation.de

bestattungen-wuennemann.de

george-bestattungen.de