Blau und Weiß auch nach dem Tod

Ein Friedhof in Form eines Fußballplatzes. Was nach einer verrückten Idee klingt, ist nun in Gelsenkirchen Wirklichkeit geworden: Auf dem „Schalke Fan Feld“ sollen Fans und Vereinslegenden des FC Schalke 04 ihre letzte Ruhe finden. Die Beisetzungen können von allen Bestattern durchgeführt werden.

 

Seit Jahrzehnten ist der FC Schalke 04 das Wahrzeichen Gelsenkirchens. Kaum anderswo stehen die Anhänger stärker hinter ihrem Fußballverein als in der Revierstadt. Das beweist schon das Motto der Schalker Fans: „Blau und Weiß ein Leben lang.“ Doch auch für die Zeit danach wurde eine exklusive Möglichkeit geschaffen, die Vereinstreue weiterhin „auszuleben“. Seit 2012 befindet sich mit dem „Schalke FanFeld“ in unmittelbarer Stadionnähe ein Friedhof, der für Fans und Vereinslegenden als letzte Ruhestätte dienen soll – und das detailgetreu in Form der blau-weißen Arena. Die Grabstätten im Stadtteil Beckhausen sind originalgetreu um einen kleinen Fußballplatz mit zwei Toren angeordnet. Im Mittelkreis befindet sich das Schalker Wappen, das aus circa 6.000 eingefärbten Heidepflänzchen besteht. Vereinsfahnen, ein blau-weißer Zaun und angepasster Blumenschmuck runden das Bild des Schalke FanFeldes ab. Die Anzahl der Urnen- und Erdgrabfelder beträgt maximal 1.904 – gleichzeitig das Gründungsjahr des Fußballclubs. Idee kam bereits 2007 Ender Ulupinar ist Geschäftsführer der Ruhestätte. Die Idee zur Gründung kam ihm bereits im Jahr 2007. „Die Stadt Gelsenkirchen hat damals Friedhofsflächen freigegeben, auf denen sich die Gärtner individuell ausdrücken konnten. Damit sollte der zunehmenden Verwahrlosung auf städtischen Friedhöfen begegnet werden.“ Da Ulupinars Ehefrau einen Garten- und Landschaftsbaubetrieb leitet, wurde er schnell auf diese Maßnahme aufmerksam. „Ich dachte mir, dass man in unserer fußballverrückten Stadt doch auch einen Schalke-Friedhof errichten könnte.“ Daraufhin ließ der leidenschaftliche Fan und ehemalige Schalker Vertragsamateur seine Kontakte spielen und versuchte, bei der Vereinsführung eine Zusammenarbeit zu erwirken. „Die ersten Anläufe waren schwierig, da ich oft vertröstet wurde. Als ich mich dann aber auch an den Fanverband und den Schalker Kapellenpfarrer wandte, wurde die Zustimmung immer größer. Am Ende war auch der Vereinsvorstand einverstanden, und wir konnten gemeinsam in die Planung gehen.“ Heute findet das Schalke FanFeld großen Zuspruch. Erst vor kurzem wurde mit Olli Olschewski ein altbekannter Anhänger beigesetzt. Zudem sind die Gebeine des legendären Meisterstürmers Adolf „Ala“ Urban nach 70 Jahren aus Russland nach Gelsenkirchen umgebettet worden. Auch viele Fans haben bereits eine Grabstelle reserviert oder wurden hier beerdigt. Wie viele Plätze schon belegt sind, möchte Ender Ulupinar jedoch nicht verraten. „Aus Pietätsgründen wollen wir keine Zahlen mehr nennen. Es geht nicht darum, mit einem Schlag alle Felder zu verkaufen. Wir sind auch zufrieden, wenn erst in fünfzig Jahren alle Gräber belegt sind.“ Enge Zusammenarbeit mit Bestattern Anders als viele Privatfriedhöfe hat sich das Schalke FanFeld nicht an einen bestimmten Bestatter gebunden. Ender Ulupinar setzt generell auf eine enge Zusammenarbeit mit der gesamten Branche: „Ich habe kurz nach der Eröffnung schon alle NRW-Bestatter eingeladen, um das Projekt vorzustellen. Doch auch außerhalb der Landesgrenze bin ich gerne bereit, Informationsmaterial zu liefern, Fragen zu beantworten oder auch persönlich zu erscheinen.“ So könnte beispielsweise auch ein Bestattungsinstitut aus Aschaffenburg dem persönlichen Wunsch der Angehörigen nachgehen und einen Fan in Gelsenkirchen beisetzen. Bei der Zeremonie und Trauerfeier sind ebenfalls kaum Grenzen gesetzt. „Solange alles im gesetzlichen Rahmen bleibt, kann die Beerdigung ganz individuell gestaltet werden. Wir helfen natürlich gerne bei der Planung“, so der Geschäftsführer. Nur bei der Grabgestaltung haben Angehörige wenig Spielraum, da das blau-weiße Erscheinungsbild erhalten bleiben soll. „Schwarz-gelber Blumenschmuck würde bei uns einfach nicht ins Konzept passen“, sagt Ender Ulupinar schmunzelnd.