Bestattungs­fahrzeuge: Trends und Entwicklungen

csm_Bestattungsfahrzeuge1_Rappold_-_Kopie_7f5f70f592Bestattungsfahrzeug. © Rappold Karosseriewerk GmbH

Die Geschichte der Bestattungswagen lässt sich bis in die Antike zurück verfolgen. Eine Totenbarke diente den alten Ägyptern als Transportmittel. Lange Zeit brachten Kutschen, gezogen von meist zwei Pferden, die Verstorbenen zur letzten Ruhestätte. Seit den 1950er Jahren werden in Deutschland vornehmlich motorisierte Bestattungswagen eingesetzt. In Jerusalem dagegen werden auch heute beispielsweise noch schwarze Kutschen für den Transport der Verstorbenen verwendet.

 

Technische Anforderungen und persönliche Vorlieben

Ein Bestattungswagen muss heutzutage einige gesetzliche Bestimmungen erfüllen, um im Straßenverkehr zugelassen zu werden. Diese sind in der DIN-Norm 75081 verankert und Voraussetzung für die Zulassung durch den TÜV. So müssen die für den Transport von Toten verwendeten Fahrzeuge zum Beispiel über eine stabile und durchgehende Querwand zwischen Führerkabine und Sargraum verfügen. Zu den weiteren Bestimmungen gehört unter anderem die Auslegung des Sargraum-Bodens mit einem leicht zu reinigenden Belag oder auch eine Sicherungsvorrichtung, um ein Verrutschen des Sarges zu verhindern und einen sichereren Transport zu gewährleisten. Darüber hinaus spielen natürlich auch die persönlichen Vorlieben beim Kauf eines Bestattungswagens eine Rolle. Für viele Bestatter unabdingbar ist zum einen eine ausreichend große Fläche im Laderaum, aber auch ausreichend Platz im Fahrerraum – sowohl für die Personen, die dort sitzen, als auch zum Verstauen von Gegenständen.

 

Wie bei Privatwagen ist auch für einige Bestatter die Motorisierung des Fahrzeugs entscheidend. Die einen favorisieren mehr PS unter der Haube, den anderen reicht schon eine leistungsschwächere Variante. Für alle Fahrzeuge gilt: sie sollten trotz mehrerer 100 Kilogramm Zuladung im Straßenverkehr zügig mitfahren können und trotzdem beherrschbar und leicht zu bremsen sein. „Klassische Limousinen wie die E-Klasse von Mercedes sind immer noch sehr beliebt“, erklärt Tino Fritzsche, Verkaufsleiter der Rappold Karosseriewerk GmbH. „Aber wir verzeichnen auch einen Anstieg bei der Nachfrage nach Transportern. Jedoch hauptsächlich für die Bereiche, in denen wenig Kundenkontakt besteht.“

 

Gesetzliche Abgasnormen gelten auch für Überführungsfahrzeuge

2009 hat das EU-Parlament die Grenzwerte für die Abgasnormen Euro 5 und Euro 6 festgesetzt. Die meisten Bestattungsfahrzeuge erfüllen mittlerweile die vorgeschriebene Abgasnorm 4. „Bei älteren Fahrzeugen ist es in der Regel auch möglich entsprechend nachzurüsten, um die Normen zu erfüllen“, meint Tino Fritzsche. „Ob sich das noch lohnt, muss jedoch im Einzelfall geprüft werden“. Wer bis zum 31. Dezember 2012 seinen dieselbetriebenen Pkw oder leichtes Nutzfahrzeug (bis 3,5 Tonnen Gesamtmasse) mit einem Dieselpartikelfilter nachrüstet, bekommt auf Antrag vom Staat 330 Euro. Unter die Förderung fallen auch Wohnmobile, Kranken- oder Leichenwagen sowie rollstuhlgerechte Fahrzeuge mit einer Gesamtfahrzeugmasse von jeweils bis zu 3,5 Tonnen. Im Gegensatz zu Reisemobilen mit über 2.800 kg (zulässiger Gesamtmasse), die wie PKW nach Hubraum und Abgasemissionen zu besteuern sind, werden Krankenwagen und Überführungswagen gemäß § 8 Nr. 2 Kraftfahrzeugsteuergesetz wie LKW nach Gewicht besteuert.

 

Auswahl an Modellen steigt

Die Produktpalette der Ausrüster von Bestattungswagen wird immer größer: von auffallend luxuriös bis hin zu einer dezenten Erscheinung des Fahrzeugs. Von Mittelklasse-PKW für zwei Särge bis hin zum Vielsarg-Transporter. Der Bestatter hat mittlerweile eine große Auswahl an Fahrzeugmodellen. Die Hersteller wollen mit ihrem Angebot möglichst jeden Kundenwunsch abdecken. Dazu gehört auch ein breites und durchdachtes Serviceangebot. Die Rappold Karosseriewerk GmbH beispielsweise bietet ihren Kunden einen 24-Stunden-Service, der sich im Falle eines Unfalls nicht nur um die Abholung des Fahrzeugs, sondern auch um einen Leihwagen und die Korrespondenz mit der Versicherung kümmert. „Die Bestatter arbeiten ja schließlich auch rund um die Uhr. Wenn ein Fahrzeug kaputt geht, wird schnell Ersatz benötigt“, erklärt der Verkaufsleiter Tino Fritzsche. „Diesen Service schätzen unsere Kunden sehr.“

 

Angehörige wünschen neutrales Fahrzeug

In Zeiten, in denen die Zahl anonymer und sozialer Bestattungen permanent steigt und Hinterbliebene verstärkt auf Preise achten, kann sich ein exklusiv erscheinender Bestattungswagen unter Umständen negativ auswirken. Vor einigen Jahren noch war den Angehörigen eine luxuriöse Erscheinung des Fahrzeuges häufig wichtig, denn so konnten sie nach außen auf die Exklusivität des Begräbnisses hinweisen. Heute wächst mit der zunehmend gesellschaftlichen Anonymität bei vielen Menschen das Bedürfnis, so wenig wie möglich aufzufallen. Aus diesem Grund bitten immer häufiger Kunden den Bestatter, für den Abtransport des Verstorbenen ein möglichst unauffälliges Fahrzeug zu verwenden. „Solche Anfragen gibt es mittlerweile immer mal wieder“, berichtet Tino Fritzsche. „Der Standard ist dies aber noch nicht.“

 

Und zum guten Schluss…

… gibt es noch etwas aus der privaten Nutzung von Bestattungswagen zu berichten. Der Vorsitzende der Interessensgemeinschaft für den Erhalt historischer Bestattungswagen (IGHB), Jona Emanuel von Sydow, besitzt sage und schreibe 13 Bestattungsfahrzeuge. Auch zwei Bestattungskutschen gehören zu dem außergewöhnlichen Fuhrpark. Um alle Fahrzeuge sicher unterzubringen, mietete der Vertreter für Bestattungsbedarf sogar extra einen Pferdestall an. Die außergewöhnliche Sammelleidenschaft begann bereits im Alter von 21 Jahren. Damals kaufte sich der gelernte Industriekaufmann einen Opel Admiral. „Besonders die Eleganz der Autos faszinierte mich“, berichtete er in einem Interview mit spiegel.de. Um sein Hobby mit einem Jahresbudget von circa 10.000 Euro zumindest zum Teil zu finanzieren, vermietet er die Wagen. Meist für Film- und Fernsehproduktionen. Zu Halloween sind auch immer wieder Party- und Eventveranstalter dabei, die die Autos zu Deko-Zwecken haben wollen.

Der 43-jährige Leichenwagenliebhaber ist seit 2005 Vorsitzender der IGBH. Mit zwanzig Mitgliedern ist die 1985 im Ruhrgebiet gegründete Vereinigung die einzige ihrer Art in Deutschland. Einmal im Jahr findet ein gemeinsamer Ausflug der Mitglieder mit den Bestattungsfahrzeugen statt. Das Ziel des Vereins ist der Erhalt eines wertvollen Teils der Bestattungskultur.