Bestattung ohne Sarg? Kein Problem!

csm_krawuttke_klein_17_61b4522fa8© echtgemalt

Vor einigen Monaten kam Frau Wenzel zu uns. Ihr Ehemann sei verstorben und aufgrund ihrer finanziellen Lage – an dieser Stelle hüstelte sie verlegen – wünsche sie eine möglichst kostengünstige Beisetzung. Trotzdem sei sie bewusst nicht in eines der Bestattungs-unternehmen gegangen, die mit extrem billigen Bestattungen werben.

 

Denn sie wüsste natürlich genau, erklärte sie mir im vertrauensvollen Ton, dass es sich bei solchen Offerten um unseriöse Lockangebote handele. Auf so etwas würde sie nicht hereinfallen! Und genau aus diesem Grund sei sie zu uns gekommen. „Wilhelm Krawuttke Bestattungen, Tradition seit 1930. Sie sind ein fester Bestandteil in unserer Stadt, Ihnen vertraue ich. Sie schaffen es doch, die Beisetzung würdevoll und dennoch so günstig wie möglich auszurichten, oder?“ Meine Antwort lautete natürlich „Ja!“. Ich hatte da schon so eine Idee …

 

Mir fiel sofort ein Bericht ein, der nur wenige Tage zuvor in unserem Lokalblatt erschienen war. Auf einem der umliegenden Friedhöfe war die Satzung geändert und der Sargzwang aufgehoben worden. Hier ließ sich doch bestimmt etwas drehen … Schnurstracks begab ich mich zur Friedhofsverwaltung. Hier klärte mich ein kleiner, freudlos dreinblickender Beamter auf: Ja, sarglose Bestattungen seien seit neuestem erlaubt. „Natürlich ist das meiner Meinung nach absoluter…. Naja, aber was zählt schon meine Meinung?“, grummelte er vor sich hin. Kurz bevor ich ging, wies er mich noch darauf hin, dass eine Beisetzung ohne Sarg natürlich nur unter der Voraussetzung möglich sei, dass es sich bei dem Verstorbenen um einen Angehörigen des muslimischen Glaubens handele. „Diese Voraussetzung ist doch gegeben, oder etwa nicht?“, fragte er. „Natürlich!“, versicherte ich aus vollem Herzen. Jetzt hieß es, sich etwas einfallen lassen!

 

Zuerst überlegte ich, dem verstorbenen Herrn Wenzel einen Schnurbart zu malen und einen Turban aufzusetzen. Das müsste für die Behörde doch Beweis genug sein, oder etwa nicht? Meine Frau schüttelte nur den Kopf und fragte, welche Flausen mir jetzt wieder im Kopf umhergeistern würden. Sie empfahl mir, ein nettes Wort mit den zuständigen Beamten zu wechseln und zu dem Termin eine Flasche des guten Weins aus unserem Keller mitzunehmen. Von dieser Idee war ich wiederum nicht begeistert. Schließlich hatte in den letzten Jahren hart für meinen Weinkeller gearbeitet. Wenn ich eine Flasche des guten Weines verschenkte, käme das ja fast den Kosten für einen Sarg gleich. Nein! Ich musste mir etwas anderes überlegen.

 

Tatsächlich habe ich es am Ende geschafft, den islamischen Glauben des Verstorbenen nachzuweisen. Sie fragen sich wie? Ich habe ganz einfach Kevin, einen Freund meines Sohnes, ins Vertrauen gezogen. Schließlich wusste ich genau, dass er mit gefälschten Schulausweisen handelt. Er schaffte es tatsächlich, eine Urkunde herzustellen, die die ortsansässigen Friedhofsverwalter für einen islamischen Glaubensnachweis hielten. So kam Frau Wenzel tatsächlich zu einer äußerst kostengünstigen Beisetzung. Das hatte ich ihr schließlich versprochen – und der Kunde ist König! Jetzt habe ich nur noch zwei Probleme, die es zu lösen gilt …

 

Sollte ich Kevin nicht weiterhin lukrative Aufträge zur Erstellung gefälschter Glaubensbekenntnisse, Personalausweise oder anderer Dokumente liefern, droht er, mich bei den zuständigen Behörden anzuschwärzen. Nicht zu vergessen die Witwe Wenzel. Kaum hatte sie sich von dem Schock erholt, dass ihr Mann nur in ein Tuch gehüllt beigesetzt worden war, stand sie schon wieder in meiner Filiale. Jetzt fordert sie die Exhumierung ihres verstorbenen Gatten und eine zweite, pompöse Bestattung – diesmal natürlich auf meine Kosten!