Bestattung 2.0

csm_titelbild_Kopie_3cee5ed67eBestattung 2.0. © echtgemalt

In den vergangenen Jahren hat sich die Bestattungskultur gewandelt. Während im 19. Jahrhundert weitestgehend die Familie und Nachbarn für die Beerdigung zuständig waren, übernimmt heutzutage hauptsächlich der Bestatter alle Aufgaben, von der Versorgung des Toten bis hin zur Organisation der Beerdigung.

 

Auch die Trauerkultur hat sich in den letzten Jahren verändert. Waren die Themen Tod und Trauer vor dem Ersten und Zweiten Weltkrieg fest im Gesellschaftsleben verankert, sind sie nach den schlimmen Kriegsereignissen weitestgehend aus der Öffentlichkeit verbannt worden. Erst in den letzten Jahren wurde über die Themen wieder öffentlich gesprochen und diskutiert. Seit Anfang des Jahrtausends gibt es eine neue Form der Bestattungs- und Trauerkultur: Die „Bestattungs- und Trauerkultur 2.0“.  Das Internet als Plattform für die Trauer. Das Internet mit seinen vielen sozialen Netzwerken bietet Trauernden und  Angehörigen von Verstorbenen jede Menge Möglichkeiten, den Verstorbenen zu ehren oder den Tod eines geliebten Menschen zu verarbeiten. Das Internet ist nicht nur eine wichtige Informationsquelle, sondern im Zuge der vielen Social Communities auch ein Ort des sozialen Austausches und der Kommunikation. Trauerforen und Gedenkseiten setzen als Teil eines globalen kommunikativen Netzes die private und die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Tod in eine neue Beziehung zueinander – und stellen somit einen soziokulturellen Indikator der gegenwärtigen Erinnerungs- und Trauerkultur dar. Gedenkseiten und Memorials geben Gedanken Raum, für die sonst weder in Todesanzeigen noch bei Trauerfeiern und Begräbnissen Platz und Gelegenheit ist. Es können Lebens- und Krankheitsgeschichten geschildert oder Einblicke in das Familienleben gegeben werden. Bilder von der Geburt bis zum letzten Urlaub zeigen die Lebensgeschichte des Verstorbenen. Auf den Gedenkseiten gibt es auch Blogs oder Tagebücher, in denen die Angehörigen schildern, wie sie mit dem Tod des geliebten Menschen umgehen und wie sie ihr Leben ohne ihn weiterleben.

 

Trauerarbeit im Netz

Zum Thema Trauer gibt es eine große Fülle an unterschiedlichsten Internetseiten und Foren. Einige Trauerseiten informieren allgemein über das Thema, andere, wie beispielsweise  verschiedene Trauerforen und Chats, bieten Hinterbliebenen einen offenen und gleichwohl geschützten Raum für ihre Trauer. Manche Hinterbliebene können anonym viel offener über ihre Trauer sprechen als mit der Familie oder Freunden. Mehrere Trauerforen sprechen sogar ganz spezielle Personengruppen an, wie zum Beispiel die Internetseite www.initiative-regenbogen.de. Die Seite wurde eigens für Eltern eingerichtet, die ein Kind während oder kurz nach der Schwangerschaft verloren haben. Die Internetseite www.agus-selbsthilfe.de bietet Hilfe für Angehörige, die einen geliebten Menschen durch Suizid verloren haben. Für viele Trauernde ist es hilfreich, sich mit anderen Menschen auszutauschen, die ein ähnliches Schicksal erlebt haben. Das Gefühl „da ist jemand, der dasselbe erlebt hat“ schafft ein Gemeinschaftsgefühl. Anbieter dieser Trauerseiten können Privatpersonen sein, die oftmals selbst einen Verlust erlitten haben oder Menschen, die sich ehrenamtlich oder beruflich mit dem Thema Trauer beschäftigen. So bietet der Bundesverband Deutscher Bestatter seit einigen Jahren auf memoriam.de verschiedene Angebote für Trauernde an. Durch Trauerforen oder Online- Anzeigen können Hinterbliebene ihrer Verstorbenen im weltweiten Netz gedenken. Sie können auch Fotos, Texte und Tonaufnahmen hochladen und so ein ortsunabhängiges Gedenken für den Verstorbenen schaffen.

 

Gedenkseiten erstellen und gestalten

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl professioneller Anbieter von Gedenkseiten. Oftmals können Hinterbliebene kostenlos eine Gedenkseite erstellen, es gibt jedoch auch kostenpflichtige Varianten. Diese haben häufig ein umfangreicheres Angebot und bieten die Möglichkeit einer individualisierten Gedenkseite. Im Gegensatz zu kostenlosen Gedenkseiten können zum Beispiel vermehrt eigene Bilder, Musik- und Videodateien hochgeladen und ein Passwortschutz eingerichtet werden. So haben dann nur enge Familienangehörige und Freunde Zugriff auf die Seite. Das Verfassen von Texten über den Verstorbenen und die Auswahl des geeigneten Bildmaterials kann ein wichtiger Schritt in der Trauerarbeit sein und dem Hinterbliebenen bei der Verarbeitung seiner Trauer helfen. Auf fast allen Gedenkseiten können virtuelle Kerzen für den Verstorbenen angezündet werden. Hinterbliebenen mit sehr gutem IT-Wissen erstellen sie oftmals sogar eigene Internetseiten zum Gedenken an den Verstorbenen.

 

Virtueller Friedhof als Trauerort

Neben Gedenkseiten gibt es im Internet auch sogenannte „virtuellen Friedhöfe“. Auf diesen Trauerseiten können wie auf dem realen Friedhof Kerzen angezündet oder Gedenksteine für den Verstorbenen gesetzt werden. Gerade für Trauernde, die in einer anderen Stadt oder in einem anderen Land wohnen, kann der virtuelle Friedhof als Ersatz für den realen Friedhof fungieren. So müssen nicht erst 500 Kilometer gefahren werden, bevor man für den Verstorbenen eine Kerze anzündet. Auf dem virtuellen Friedhof geschieht dies binnen Sekunden. Einer der größten virtuellen Friedhöfe im deutschsprachigen Internet ist eMorial. Gegründet wurde die Seite von Martin Kunz und Anton Stuckenberger, die ursprünglich mit dieser Seite an einen verstorbenen Klassenkameraden erinnern wollten. Eine frei gestaltete Premiumversion mit Bildern, Musik und Videos ohne zeitliche Begrenzung kostet 19 Euro. Verliert nun das reale Grab als alleiniger Ort der Erinnerung an Bedeutung? Sicherlich nicht, denn der virtuelle Friedhof stellt eine andere Form des Erinnerns dar. Im Gegensatz zu Grabsteinen auf realen Friedhöfen, können die „virtuellen Grabmale“ den wechselnden Stadien von Trauer, Verlustbewältigung und Erinnerung immer wieder aktualisiert werden. Die Kulturwissenschaftlerinnen Dr. Ira Spieker und Dr. Gudrun Schwibbe untersuchen seit zehn Jahren am Institut für Kulturanthropologie der Universität Göttingen das Phänomen virtuelle Friedhöfe. Insbesondere wenn es keine sterblichen Überreste des Verstorbenen gibt oder dieser sich eine Seebestattung gewünscht hat – richten die Hinterbliebenen eine virtuelle Gedenkstätte ein, um einen Platz zu haben, an dem sie ihrer Trauer Ausdruck verleihen können. „Wenn man sich nicht verabschieden konnte, wird das oft im Internet nachgeholt“, berichtet Dr. Gudrun Schwibbe in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Für Freunde und Familienangehörige, die keine Möglichkeit haben, das Grab des Verstorbenen zu besuchen, ist eine Gedenkseite eine gute Gelegenheit durch das Anzünden einer Gedenkkerze ohne große Worte ihre Anteilnahme zu zeigen. Während manchen Hinterbliebenen Gedenkseiten bei der Trauerarbeit helfen, kann der Trauerprozess durch die dauerhafte Online-Präsenz des Verstorbenen erschwert werden. Aufgrund der täglichen Konfrontation tritt die Vergänglichkeit in den Hintergrund und die Trauer kann nicht verarbeitet und abgeschlossen werden.

 

Digitale Unsterblichkeit

Neu ist die Internetseite www.stayalive.de von Focus-Gründer Helmut Markwort, der zusammen mit Matthias Krage und Dr. Florian Korff eine Internet-Gedenkstätte erstellt hat, die Ähnlichkeiten mit Social Communities aufweist. Schon zu Lebzeiten kann man für sich persönlich oder für andere eine virtuelle Gedenkstätte anlegen. Möglich sind neben dem Hochladen von Bildern, Küchenrezepten, Videos und Musik auch die Verlinkung zu anderen Webseiten von sowohl lebenden, als auch verstorbenen Personen. Eine Stammbaumfunktion erleichtert die Verbindung zu anderen Verwandten, eine Kartenansicht zeigt die gewählte Begräbnisstätte. Zusätzlich kann der Verstorbene einer bestimmten Gruppe zugeordnet werden. Es besteht die Möglichkeit, zu Lebzeiten in einem virtuellen Tresor wichtige Dokumente abzulegen, die nach dem Tod an eine zuvor festgelegte Person weitergegeben werden. Eine uneingeschränkte Datensicherung und somit eine digitale Unsterblichkeit auf Ewig kostet rund 499 Euro.

 

Profiltod in der Social Community

In der Anwendung weist das neue Portal einige Parallelen zur Online-Community Facebook auf und wurde deshalb bereits als „Facebook für Tote“ betitelt. Was aber passiert mit dem eigentlichen Facebook-Account eines Verstorbenen? Wer meldet den Verstorbenen ab? Und was passiert mit seinen anderen Accounts? War der Verstorbene zusätzlich bei stayfriends oder hat bei eBay hin und wieder Sachen verkauft oder ersteigert? Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Jede Community-Plattform geht mit dem Tod eines Mitgliedes unterschiedlich um. Facebook zum Beispiel löscht den Account eines verstorbenen Mitgliedes nur im Auftrag von einem engen Verwandten und der Vorlage einer Todesanzeige oder des Totenscheins. Ein Freund oder Nachbar kann hingegen den Verstorbenen lediglich melden und per Online-Formular einen Gedenkaccount beantragen. Statusmeldungen werden dann entfernt, der verstorbene Nutzer wird aus den Gruppen denen er ehemals angehörte entfernt und nur bereits bestätigte Freunde haben Zugriff auf das Profil. Die Pinnwand können Freunde als eine Art Kondolenzbuch verwenden. Die Business-Plattform Xing schaltet das Profil auf unsichtbar, sobald ein Mitglied als verstorben gemeldet wird. Um sicher zu gehen, ob das Xing-Mitglied tatsächlich verstorben ist, wird eine Mail an das Mitglied geschickt. Meldet sich der User innerhalb von drei Monaten nicht zurück, löscht Xing das Profil komplett und endgültig. Angehörige können das Profil, aus datenschutzrechtlichen Gründen, nicht übernehmen. Anders ist es bei den VZ-Netzwerken (StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ). Auch hier müssen Angehörige eine Kopie der Sterbeurkunde oder des Testaments vorlegen, um das Profil eines Verstorbenen zu löschen. Sie können aber auch das Profil übernehmen, damit sich Freunde und Bekannte auf diesem Wege noch einmal vom Verstorbenen verabschieden. Myspace löscht auf Wunsch der Hinterbliebenen den Account des Verstorbenen, gibt aber wie auch Xing nicht die Log-In Daten des Verstorbenen weiter.

 

Der letzte Log-In

Die E-Mail-Dienste web.de, gmx.de und Yahoo! erlauben Erbberechtigten gegen Vorlage eines Erbscheins den Zugriff auf das Postfach des Verstorbenen. Da die E-Mail Anbieter Hotmail und Google ihre Server in den USA haben, müssen die Hinterbliebenen neben der Sterbeurkunde auch eine E-Mail in englischer Sprache an die Anbieter schicken. Google verlangt zusätzlich den Nachweis, dass der Hinterbliebene das Recht auf den digitalen Nachlass hat, also den Erbschein. Grundsätzlich wird das Konto nach dem Tod eines Nutzers nach einigen Monaten automatisch gelöscht. Meldet sich der Nutzer eine längere Zeit nicht an, wird er mit einer E-Mail aufgefordert, dies innerhalb eines bestimmten Zeitraumes zu tun. Geschieht dies nicht, wird das Konto automatisch vom Anbieter gelöscht.

 

Twitter und Co.

Beim Online-Dienst Twitter kann man – ebenfalls nur per E-Mail oder Fax nach Amerika – die Stilllegung des Kontos beantragen. Private Nachrichten sind dann nicht mehr lesbar. Beim Fotoportal Flickr kann das Konto des Verstorbenen auf Wunsch der Hinterbliebenen gelöscht werden. Jedoch bleiben insbesondere bei Fotodatenbanken die Accounts der Verstorbenen immer häufiger aktiv. Mit dem Erhalt der Bilder wollen die Trauernden ihren Lieben ein Denkmal setzen. Im Massen-Mehrspieler-Online-Rollenspiel World of Warcraft kann die Spielfigur des Verstorbenen in der virtuellen Spielwelt, so wie auch in der realen Welt, beerdigt werden. Die Gilde kann sich von ihrem Mitglied verabschieden und Kondolenzen aussprechen. Der Spielcharakter kann von Angehörigen auch verkauft werden, um dann von dem neuen Käufer weitergespielt zu werden.

 

Nachlassdienste für das digitale Erbe

Wer seinen digitalen Nachlass schon zu Lebzeiten verwalten möchte, der kann das Angebot von speziellen Datendiensten in Anspruch nehmen. Diese bieten an, die „letzte E-Mail“ zu versenden, Passwörter zu speichern oder Accounts automatisch zu löschen. Nachdem man sein persönliches Online-Erbe angegeben hat muss eine Person bestimmt werden, die im Falle eines Todes Einblick in die hinterlegten Daten bekommt. Neben Passwörtern und Accounts kann auch angegeben werden, was mit einem Blog oder Fotos geschehen soll. So muss niemand auf einen Erbschein warten, und manche Nachrichten, die privat bleiben sollen, bleiben für immer privat. Bis zu 500 Euro kostet der Service. Ein Anbieter ist myWebwill. Dort kostet ein Premium Abonnement mit jährlicher Bezahlung 6.95 Euro. Ein Premium Abonnements mit einmaliger Bezahlung beläuft sich auf 69.95 Euro und beinhaltet eine lebenslange Mitgliedschaft. Das Free Abonnement ist komplett kostenlos, beinhaltet jedoch nur sehr wenige Serviceleistungen. Ein weiterer digitaler Nachlass-Verwalter ist Deathswitch.com. Auch hier können Dokumente verfasst und Informationen hinterlegt werden, die im Falle des Ablebens automatisch an die vorher festgelegten Adressaten verschickt werden. Der Online-Datendienst bittet seine Mitglieder um ein Lebenszeichen. Kommt keine Antwort, werden automatisch die hinterlegten Nachrichten und Zugangsdaten an Angehörige verschickt. Aber was, wenn so eine Firma noch zu Lebzeiten in Konkurs geht geht? Auch ist es fraglich wie verantwortungsvoll die Firmen tatsächlich mit den vertraulichen Daten umgehen.

 

Digitale Vollmacht beim Anwalt hinterlegen

Möchte man aus diesen Gründen keinen Online-Datendienst in Anspruch nehmen, kann eine digitale Vorsorgevollmacht beim Notar hinterlegt werden. Der digitale Nachlass wird dann als ein Extrapunkt im Testament aufgeführt. Auch wenn die meisten Online-Dienste absolute Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit im Umgang mit den persönlichen Daten versprechen, ist ein notariell beglaubigtes Testament immer noch die sicherste Lösung. Im Weiteren kann ein klar geregeltes digitales Erbe langwierige Erbstreitigkeiten verhindern. Denn bis jetzt ist der Online-Nachlass rein rechtlich immer noch ein Stiefkind. Der Computer selbst, inklusive der Inhalte auf der Festplatte, gehört den Erben und ist Bestandteil der Erbschaft. Die Erbschaftsverhältnisse der im Internet gespeicherten Daten und Social-Media-Accounts sind jedoch nicht einheitlich geregelt. Das Gericht entscheidet hier im Einzelfall.

 

Semno hilft beim digitalen Erbe

Wenn Hinterbliebene zwar wissen, dass es ein digitales Erbe gibt, aber nicht genau überblicken was der Verstorbene alles hinterlassen hat, dann hilft das Unternehmen Semno. „Wenn jemand stirbt, hinterlässt er nicht nur Daten auf seinem PC, sondern auch vielfältige Spuren im Internet. Hinterbliebene wissen meist nicht, wie sie an die Daten herankommen können und was mit all den Benutzerprofilen und -konten, Fotos, Texten, Abonnements und Kontakten im Internet geschehen soll“, berichtet Semno-Gründerin Birgit Aurelia Janetzky. Sie kümmert sich zusammen mit Informatiker Marc Zielenski um das digitale Erbe des Verstorbenen. Im Auftrag der Hinterbliebenen analysieren sie die Daten auf dem Personal Computer oder Laptop und versuchen Spuren der Internet-Aktivität zu rekonstruieren. Im Anschluss werden Fotos, Texte und Dokumente für die Angehörigen zusammengestellt, verwaiste Benutzerprofile im Internet gelöscht, Verträge gekündigt, Guthaben oder Verbindlichkeiten geregelt und Mail-Kontakte vom Tod des Freundes verständigt. „Wichtig ist es auch zu klären, ob noch finanzielle Angelegenheiten im World Wide Web offen sind“, erläutert die Freiburgerin. Hatte der Tote ein Konto bei eBay oder PayPal? Ist dort noch ein Guthaben vorhanden oder sind noch Rechnungen offen? Auch Internet Domains können wertvoll sein. „Je nachdem wie wertvoll ein Domainname ist, kann beim Verkauf der Nutzungsrechte ein gewisser Wert erzielt werden“, berichtet Birgit Aurelia Janetzky. Einige Hinterbliebene überlassen Semno, als neutralem Dienstleister, bewusst den digitalen Nachlass. Denn sie möchten nicht jedes Geheimnis des Verstorbenen erfahren und keine bösen Überraschungen erleben. So kann sich das Bild des lieben Opas vollkommen ändern, wenn der Enkel herausfindet, dass der Großvater regelmäßig an Porno-Chats mit anzüglichen Nicknames teilnahm und bei diversen Seitensprung-Agenturen angemeldet war. Hauptsächlich aber engagieren Hinterbliebene Birgit Aurelia Janetzky und Marc Zielenski, weil ihnen gewisse Computer- und Internet-Kenntnisse fehlen. Am Schluss, wenn die „digitale Nachbearbeitung“ abgeschlossen ist, kann der Computer, wenn er nicht mehr benötigt wird, über Semno an ein soziales Projekt gespendet werden.

 

Den Wunsch des Freundes berücksichtigen

Grundsätzlich ist es jedem selbst überlassen, wie er mit seinem digitalen Erbe umgeht. Ob es sich lohnt, das Passwort des E-Mail Accounts und des Facebook-Profils extra bei einem Online-Datendienst oder beim Notar zu hinterlegen oder nicht, muss individuell entschieden werden. Doch es wird gewiss immer wichtiger werden, sich rechtzeitig damit auseinanderzusetzen, denn schon jetzt ist für viele das Internet ein wichtiger Bestandteil des Alltags und sicherlich wird sich in den nächsten Jahren die Online-Community vergrößern. Erben sollten sich überlegen, ob das, was sie tun, den Wünschen des Verstorbenen entspricht. Nicht jedem gefällt, dass die Hinterbliebenen Einblick in seine online gestellten Daten haben. Die Accounts ohne Einsicht zu löschen ist daher in den meisten Fällen der richtige Weg – wenn es der Verstorbene nicht ausdrücklich anders gewollt hat.

 

Für immer offline

Auch das Erstellen und Gestalten von Gedenkseiten sollte nicht einfache wahllos geschehen. Denn nicht jeder findet es gut, wenn nach seinem Tod detailreiche und emotionale Darstellungen aus seinem Leben, womöglich noch mit vielen Bildern und Videos untermalt auf Gedenkseiten oder Youtube für jedermann zu sehen sind und so das konsumhaft-voyeuristische Interesse vieler Internet-Nutzer unterstützt wird. Im Weiteren sollte man sich in Bezug auf die Datensicherheit gut überlegen, wie viel man von sich und dem Verstorbenen preis gibt. Auch ohne Gedenkseiten wird der Verstorbene weiterhin im Netz auffindbar sein. Denn das Internet vergisst nicht. Meist findet die Internet-Suchmaschine Google noch Jahre nach dem Tod einen Eintrag des Verstorbenen, sei es ein Blogeintrag oder der Name auf der veröffentlichten Liste für das nächste Klassentreffen. Ob man Gedichte, Bilder, Videos oder das Lieblingslied des Verstorbenen ins Internet stellt ist Geschmackssache und so manch einer geht immer noch lieber zum realen Grab. Aber es ist sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis die mit dem Internet aufgewachsene Generation dem Ausdruck der Trauer im Web mehr Beachtung schenkt, als den Friedhöfen und Grabstätten als klassische Orte der Trauer. Vielleicht wird dann eine prak­tische und kos­tengüns­tige Bestat­tung auf einem Friedhof ohne Grabmal bevorzugt und gleich­zei­tig aber eine aufwendig gestal­tete und kostspielige Gedenk­seite im Internet erstellt. Dies würde der postindustriell-mobilen Gesellschaft entgegenkommen, denn die Gedenkseite im Internet ist von allen Orten auf der Welt zugänglich.

 

Gedenkportale

www.emorial.de

www.kat-gedenkseiten.de

www.tributes.com

www.gedenk-portal.de

www.trauer.de

www.trauer.org

www.trauernetz.de

 

Virtuelle Friedhöfe

www.internet-friedhof.de

www.strassederbesten.de

 

Trauerseiten

www.initiative-regenbogen.de

www.agus-selbsthilfe.de

www.trauerherberge.de

www.kinder.trauer.org

www.leben-ohne-dich.de

www.trauer.org

www.trauernetz.de

www.verwitwet.de

 

Nachlassdienste

www.idivus.de

www.mywebwill.com

www.deathswitch.com

 

Firmen

www.semno.de

www.powerlab.de