Bestatter, Krematorium, Friedhof – Hier dreht sich alles ums Tier (Interview mit Martin Struck)

Martin Struck engagiert sich neben seinen Aufgaben als Geschäftsführer der Friedhofsgärtner Dortmund eG als ehrenamtlicher Vorsitzender des Bundesverbandes des Tierbestatter e.V.Martin Struck engagiert sich neben seinen Aufgaben als Geschäftsführer der Friedhofsgärtner Dortmund eG als ehrenamtlicher Vorsitzender des Bundesverbandes des Tierbestatter e.V.

Rund 8,2 Millionen Katzen und 5,4 Millionen Hunde leben zurzeit in Deutschland, 1,3 Millionen von ihnen sterben jährlich. Wer seinen geliebten Begleiter nicht der Tierverwertung überlassen will und nicht die Möglichkeit hat, ihn auf dem eigenen Grundstück beizusetzen, kann sich an einen Tierbestatter wenden. Er spendet nicht nur Trost, sondern kümmert sich auch um ein passendes Tierkrematorium, eine Urne für Zuhause oder einen Platz auf einem Tierfriedhof. Martin Struck engagiert sich neben seinen Aufgaben als Geschäftsführer der Friedhofsgärtner Dortmund eG als ehrenamtlicher Vorsitzender des Bundesverbandes des Tierbestatter e.V

 

Was kostet eine Tierbestattung durchschnittlich?

Ein 60 x 100 Zentimeter großes Grab schlägt im Durchschnitt mit 125 Euro für die Beisetzung und 75 Euro Pflegekosten jährlich zu Buche. Bei einer Einzelkremierung fallen für eine Katze oder einen kleinen Hund rund 200 bis 300 Euro an. Hinzu kommt die Urne, deren Preis – abhängig von Material und Machart – zwischen 80 und 1000 Euro liegt.

 

Wie wird man Tierbestatter?

Tierbestatter ist eine freie Berufsgruppe. Theoretisch braucht man lediglich eine Gewerbeanmeldung. Wer ein verstorbenes Tier transportieren will, muss jedoch zusätzlich die Genehmigung vom Veterinäramt und meist auch einer Landesbehörde einholen. Hinzu kommt ein entsprechendes Fahrzeug, das den Hygienerichtlinien entspricht, sowie zusätzliche Räumlichkeiten zur Lagerung von Tieren, die offiziell abgenommen werden müssen. Die Richtlinien wurden vor 15 Jahren im Rahmen der Eindämmung von BSE verschärft. Hätte es den Bundesverband der Tierbestatter nicht gegeben, gäbe es jetzt keine Tierfriedhöfe mehr, für deren Erhalt wir uns sehr eingesetzt haben. Unser Verein berät auch Gründer, darf jedoch keine Rechtsberatung anbieten. Wir raten ohnehin, sich zunächst mit einem Steuerberater zusammenzusetzen und einen Businessplan zu erstellen. Auch ein Praktikum bei einem Tierbestatter, der nicht ganz in der Nähe des künftigen Gründungsortes ist, ist sicherlich ratsam, um den Beruf kennenzulernen.

 

Woran erkennen Tierhalter einen guten Bestatter?

Ich rate immer zu einer Vorsorgeüberlegung. So können sich Tierbesitzer bereits zu Lebzeiten des Tieres in Ruhe einen Bestatter auswählen, dem er vertraut. Wir selbst bieten in Dortmund ein kostenloses Vorsorgeformular für den Fall an, dass dem Halter etwas passiert. Außerdem haben wir einen 24-Stunden-Bereitschaftsdienst, sodass Tierhalter auch nachts um 4 Uhr bei uns anrufen können, wenn ihr Tier plötzlich verstirbt. Dies ist jedoch nicht selbstverständlich. Wem ein solcher Service wichtig ist, der sollte sich frühzeitig nach einem passenden Bestatter umschauen. Oft sagt auch die Website schon viel aus. Außerdem sollte man sich nach dem Krematorium erkundigen, mit dem der Bestatter zusammenarbeitet und gegebenenfalls fragen, ob es möglich ist, bei der Einäscherung dabei zu sein. Wir kooperieren beispielsweise mit einem Krematorium in Essen, zu dem wir einmal wöchentlich fahren. Die Begleitung des Tieres bis zum Ofen wird seltener gewünscht, nur drei- bis fünfmal im Jahr.

 

Wie kamen Sie darauf, mit Ihren Friedhofsgärtner-Kollegen einen Tierfriedhof zu gründen?

Nachdem mir der ebenfalls von einem Friedhofsgärtner betriebe Tierfriedhof Hannover gut gefallen hatte, stellte ich in Dortmund einen Bauantrag für ein gärtnerisch genutztes Gelände in der Nähe des Hauptfriedhofs und beantragte gleichzeitig eine Genehmigung beim Veterinäramt. Damals war ein Tierfriedhof jedoch politisch nicht gewollt. Erst, nachdem sich auch der hiesige Tierschutzverein für die Idee engagierte, wurde der Antrag Jahre später genehmigt. Verbindliche Vorschriften für Tierfriedhöfe gibt es bislang noch nicht, daher arbeiten wir gerade an einem Regelwerk.

 

Kann theoretisch jeder einen Tierfriedhof gründen?

Einen Tierfriedhof zu betreiben, ist eine private Angelegenheit, was spätestens bei der Nachfolgeregelung schwierig werden kann. Da hat es eine Gesellschaft Öffentlichen Rechts, die wie unsere Genossenschaft seit Jahrzehnten besteht, leichter. Mittlerweile wird das Thema stärker in der Öffentlichkeit diskutiert und gerade Politiker, die Tierbesitzer sind, geben sich aufgeschlossen. So planen wir in Dortmund für das kommende Jahr die Eröffnung eines Friedhofs für die gemeinsame Beisetzung von Mensch und Tier. Bis so ein Business sich rentiert, braucht man allerdings einen langen Atem und muss bis acht bis zehn Jahren rechnen. Der Betrieb des Tierfriedhofs ist sehr zeitaufwändig, nicht zuletzt durch die intensive Beratung und unsere Rufbereitschaft rund um die Uhr.

 

Was raten Sie Haustierhaltern, die für den Tod ihres Zwei- oder Vierbeiners vorsorgen wollen?

Wir nehmen alle erforderlichen Tier- und Halterdaten auf und notieren genau, ob später eine Beisetzung auf unserem Tierfriedhof oder eine Einäscherung gewünscht ist. Auch die Urne kann schon vorab ausgesucht werden. Im Todesfall genügt dann ein Anruf bei uns. Auf Wunsch gibt es Vorsorgekärtchen für Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn, die Tierpension oder den Tierarzt, die den Halter eines Tieres bei der Organisation des letzten Weges zusätzlich entlasten. Auch für den Fall, dass Herrchen oder Frauchen zuerst sterben, sollte eine Vorsorge getroffen werden, vor allem, wenn Tierhalter alleine leben. Ihren Besitz dürfen sie übrigens nicht an ihr Tier vererben, können es aber über den eigenen Tod hinaus testamentarisch absichern oder die Versorgung des tierischen Begleiters mit einer Tier-Vorsorgevollmacht sicherstellen, beispielsweise mit einem Tierschutzverein. Dieser wird bevollmächtigt, sich um das Tier zu kümmern, wenn es der Tierhalter nicht mehr kann. Dafür muss dieser aber das nötige Geld für Futter, Medikamente etc. bereitstellen.

 

Nicht nur für ältere Menschen, auch für Kinder sind Tiere treue Freunde, mit denen sie Verantwortung lernen, bedingungslose Zuneigung erfahren – und oft auch zum ersten Mal mit dem Tod in Berührung kommen.

Genau darum stehen Kinder auch besonders im Fokus unserer Arbeit. Für sie bieten wir eine Beisetzungsmöglichkeit für Haustiere zum Taschengeldbetrag von 43,50 Euro an, ohne Verlängerung. Die Laufzeit eines Grabes für ein Kinderhaustier beträgt zwei Jahre bei einem Kanarienvogel oder ähnlichem; bei Katzen und Hunden je nach Gewicht drei bis fünf Jahre, mit der Option, die Laufzeit für 40 Euro im Jahr zu verlängern.

Damit schon die ganz Kleinen den Respekt vor Tieren und den Umgang mit Tod und Trauer lernen, legen wir in Kooperation mit zwei Natur- und Umweltpädagoginnen Insektenfriedhöfe in Kindergärten an. Gemeinsam gehen wir mit den Kindern über einen ‚echten‘ Friedhof und legen schließlich eine kleinere Version im Kindergarten an. Hier können die Kinder tote Insekten und andere tote kleine Tiere bestatten, die sie gefunden haben. Zur Eröffnung eines solchen Friedhofs werden natürlich auch Eltern und die Presse eingeladen.

 

Eine öffentlichkeitswirksame Aktion, die sich vielleicht auch auf andere Gewerke in der Bestattungsbranche übertragen lässt?

Sicherlich. Von einer solchen Aktion profitieren alle Beteiligten. Warum sollte nicht ein Sargbauer oder ein Wäsche- oder Urnenfabrikant eine ähnliche Aktion initiieren? Wir müssen schließlich alle am Image des Friedhofs arbeiten, um weiterhin hochwertige Produkte verkaufen zu können.

 

Weitere Informationen:

www.tierbestatter-bundesverband.de
www.tierbestatter-dortmund.de