Bestatten in der Schweiz

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Auszüge aus dem Vortrag des Ehrenpräsidenten des Schweizerischen Verbandes der Bestattungsdienste SVB Ruedi Messer

 

Jeder der 26 Kantone der Schweiz besitzt weitgehend Souveränität bei Verfassung, Kultur, Schulwesen, Steuern, Gerichtswesen, Polizeiwesen, Strafvollzug, Bauwesen und Bestattungswesen.

Sogar jede Gemeinde und jede Stadt hat ein eigenes Friedhofreglement. Nur der bevölkerungsreichste Kanton Zürich und die Ostschweizer Kantone erbringen unentgeltliche Dienstleistungen rund um die Bestattung ihrer verstorbenen Einwohner. Das Angebot umfasst einen sogenannten Staatssarg, die örtliche Überführung, die Kremation und eine einfache Grabstätte. Darüber hinaus gehende Wünsche müssen von den Auftraggebern bezahlt werden. Im krassen Gegensatz steht die französisch sprechende Schweiz, die Südschweiz mit den Kantonen Tessin und Wallis, die alle zusammen rund einen Drittel der Schweiz ausmachen Diese Gebiete pflegen eine hohe Kultur im Bestattungswesen. Auch im Mittelland, der Nordwest und Innerschweiz und im Kanton Graubünden sind die Bestatter selbständig. Außer in den erwähnten Gebieten herrscht eine freie Marktwirtschaft mit einem harten Wettbewerb für die Bestattungsunternehmen.

 

Kein Friedhofszwang für Urnen

In der Schweiz gehört jeder vierte Bewohner keiner Religionsgemeinschaft an. Regional kann das Verhältnis sehr unterschiedlich sein. Es gibt Städte mit Kirchenaustritten um die 50%. Zunehmend sind Verabschiedungen in der Natur, am Waldrand oder an einem Gewässer.

Die Schweiz kennt keinen Friedhofzwang für die Beisetzung der Urnen. Beinahe ein Viertel aller Urnen werden entweder im Garten zu Hause oder in der Natur verstreut. Die Asche kann ohne Bewilligung von der Familie in einem öffentlichen Wald, auf einem Berg oder in einem Gewässer beigesetzt werden. Oftmals stellt der Bestatter eine sogenannte Leih-Urne zur Verfügung. In der Schweiz gibt es rund 70 sogenannte Friedwälder oder Almen. Diese werden von privaten Firmen unterhalten. Die Kosten für eine Baumbeisetzung belaufen sich je nach Lage oder Baum zwischen CHF 3000 bis 12000.

Bei einer Naturbeisetzung gilt es drei Bedingungen einzuhalten: Man darf kein öffentliches Ärgernis auslösen, keine Gefühle verletzen und keine Nachhaltigkeit erlauben. Zum Beispiel darf die Asche nicht von einer Brücke herab ausgeschüttet, kein Grabkreuz oder sonst eine Beschriftung angebracht werden.

 

Einfache Gräber sind kostenlos

Urnen, die auf einem Friedhof beigesetzt werden, kommen zu rund 50% in die so genannten unterhaltsfreien Gemeinschaftsgräber. Der Kremationsanteil in der Schweiz beträgt gegen 90%.

Bis auf wenige Ausnahmen sind die Friedhöfe konfessionsneutral und gehören den Kommunen. Einfache Gräber sind für ihre Bewohner kostenlos. Deren Unterhalt und Familiengräber müssen von den Hinterbliebenen gezahlt werden. Ebenfalls kostenpflichtig sind Beisetzungen von auswärtig Verstorbenen. Die Bestattungskosten werden dem Nachlass belastet. Sind keine oder ungenügende Mittel vorhanden, müssen die Erben dafür aufkommen. Nur wenn die Erben zahlungsunfähig sind übernehmen die sozialen Dienste, sprich der Staat, bis zu einem gewissen Grad die Bestattungskosten.

 

Individualität ist wichtig

In der Schweiz findet eine spürbare Verflachung im Bestattungswesen statt. Die Individualität von Trauerfeiern ist wichtig und impliziert ein Nebeneinander von Abschiedsgottesdiensten und säkulären Inszenierungen, die zu einem persönlichen und lebensnahen Abschied führen.