Alte und neue Wege in der Friedhofskultur

csm_Friedhofsgenossenschaft2_79a991c659Alte und neue Wege in der Friedhofskultur. © Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner eG

Demografischer Wandel, verändertes Traditionsbewusstsein, flexibles Wohnen oder wirtschaftliche Engpässe führen zu neuen Bedürfnissen bei Grabstätten. Die Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner eG hat darauf reagiert und setzt Maßstäbe in der Friedhofskultur.

 

Bereits Ende der 1990er Jahre zeichnete sich ein massiver Umbruch im Bestattungswesen ab. Heute kann man in den nördlichen und vor allem östlichen Regionen Deutschlands einen drastischen Rückgang der traditionellen Erdbestattung beobachten. Der Anteil von Urnenbestattungen liegt bei siebzig bis achtzig Prozent. Im tiefen Süden dagegen bleibt man oftmals noch eher der Erdbestattung verhaftet, doch selbst in einer traditionsbewussten Stadt wie Köln wurde im letzten Jahr die Fünfzig-Prozent-Grenze überschritten und ein Urnenanteil von 52 Prozent verzeichnet. (Quelle: Bestattungsstatistik, Friedhofsverwaltung der Stadt Köln)

Jedoch ist die Art der Bestattung längst nicht mehr nur eine Frage der Tradition; berufliche Anforderungen an einen flexiblen Lebenswandel, knappe Privatkassen, etwa nach langer Pflegezeit, und der Wegfall des Sterbegeldes sind nur zwei Gründe, warum sich immer mehr Menschen zu einer zunächst einmal unkompliziert aussehenden Variante der Bestattung entschließen. Nicht immer eine richtige Entscheidung, wie Lutz Pakendorf von der Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner eG weiß: „Denn so mancher, der sich für eine anonyme Beisetzung seiner Angehörigen entschieden hat, bemerkt später, dass ihm ein Ort zum Trauern fehlt. Oder es wurde eine vermeintlich preisgünstige sogenannte pflegefreie Grabstätte gewählt, ohne zu wissen, dass später keine Beerdigung in dieses Grab mehr möglich sein wird.“ Daher hat die Genossenschaft zusammen mit ihren Mitgliedsbetrieben und der Stadt neue Konzepte erarbeitet, um attraktive Angebote in verschiedenen Preisklassen zu ermöglichen.

 

Hart umkämpfter Markt
Der Weg dahin war lang. Als Geschäftsführer Josef F. Terfrüchte vor zwanzig Jahren im Kontext Bestattungskultur von Marketingstrategien sprach, erntete er Unverständnis und Anfeindungen. Heute ist dies anders. Lutz Pakendorf erläutert diesen Umdenkprozess: „Der klassische Friedhof hat in den letzten zehn Jahren merklich Konkurrenz bekommen. Es ist ein Markt, der auch als solcher wahrgenommen und bearbeitet wird.“ Heute agiert die Genossenschaft als Dienstleister, die ihren Mitgliedern Konzepte an die Hand gibt, um in der Gunst des Kölner Bürgers und Friedhofsbesuchers überzeugen und bestehen zu können. Und um sich gegen die schonungslosen und unmissverständlichen Konkurrenten in diesem Markt zu stellen: Leichentourismus, holländische Streuwiese oder Kaffeefahrt ins Krematorium. Der Kampf um Verstorbene ist grenzüberschreitend, da große Krematorien zur Auslastung gelangen wollen und daher mit Angeboten zu Dumpingpreisen arbeiten. Das spiegelt sich auch in der Bestattungsstatistik und den städtischen Kassen wider. Die Stadt Köln hat mit Gegenangeboten reagiert und legt bei der Zusammenarbeit von Friedhofsverwaltung, Ordnungsamt und Vertretern der Gewerke wie der Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner großes Augenmerk auf Variantenreichtum, sodass verschiedene Bedürfnisse an eine Grabstätte befriedigt werden können. Die Spanne reicht vom repräsentativen Familiengrab mit hoher individueller Note und ästhetischer Gestaltungsfreiheit bis hin zur namenlosen Beisetzung im Naturwald für jene, die keine Hinterbliebenen zurücklassen und eine kostengünstige Variante bis 500 Euro suchen.

 

Heimat ist dort, wo wir die Namen der Toten kennen
… zitiert die ehemalige Landesbischöfin Margot Käßmann den Theologen Fulbert Steffensky in einem Interview. Häufig genug würden Hinterbliebene gern ihre Angehörigen in einer angemessenen Grabstätte beisetzen, können sich jedoch aus verschiedenen Gründen nicht darum kümmern. Daher hat die Genossenschaft ein neues Modell entwickelt: Mit den „Bestattungsgärten“ finden nicht nur Hinterbliebene, die weit weg wohnen, für ihre Verstorbenen einen zugleich attraktiven und ungewöhnlichen letzten Ruheort. „Diese konzeptgebundene Art der Grabstätte begeistert die Menschen schon zu Lebzeiten, wenn an Sterben noch gar nicht zu denken ist“, weiß Lutz Pakendorf, „vor allem, weil man Teil eines gestalterischen Ganzen ist und durch das Jahr hindurch eine gepflegte Grabstätte hat. Somit verzeichnen wir immer mehr Vertragsabschlüsse mit vorsorgebewussten Kunden“.

Die Themenwelten der Kölner Bestattungsgärten stehen unter Begriffen wie Ruhehain, Garten der Lichter, Pfade der Erinnerung oder Spuren des Lebens, und die Gestaltung zeigt die Perfektion einer von Meisterbetrieben unterhaltenen Gesamtanlage. Die dazugehörige Website www.bestattungsgaerten.de wurde nun auch mit dem ‚International Funeral Award’ ausgezeichnet. Dieser Preis in der Kategorie „Beste internationale Website im Bestattungssektor“ prämiert damit einen Internet-Auftritt, der sich einer ganz besonderen Form von Grabstätten widmet, die die Themenwelten der Bestattungsgärten mit Detailplänen und Videostreams anschaulich präsentiert und sicher auch zur Nachahmung anregt.

 

Erfolgreiche Neuorientierung
Das Konzept geht auf, auch wenn die Auflagen groß sind. „Egal ob Dauergrabpflege bei einem Einzelgrab oder eine Grabstätte in den Bestattungsgärten – die Rahmenbedingungen der Stadt erfordern stets eine Grabpflege über die gesamte Nutzungszeit. Wenn diese Verpflichtung nicht privat übernommen werden kann, sind unsere Mitgliedsbetriebe der Partner der Bürger für Jahre und Jahrzehnte. In den „Bestattungsgärten“ sind von vornherein ein Graberwerb und die entsprechende Dauergrabpflege für mindestens 25 Jahre vorgeschrieben. Deshalb sind wir als Genossenschaft gefragt, diesen Service eines treuhänderisch verwalteten Dienstleistungsvertrages zu gewährleisten. Eine derartige Zusicherung über 25 Jahre kann in der Regel kein Einzelunternehmer ohne hohes Ausfallrisiko anbieten“, erläutert Lutz Pakendorf.

Mit ihren neuen und mitunter mutigen Konzepten zur Friedhofskultur, den Bestattungsgärten und den Angeboten zur Dauergrabpflege leisten die Mitglieder der Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner eG einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung von Kultur und Orten für persönliches Gedenken. Darüber hinaus tragen sie damit auch zum Erhalt der Friedhöfe als Grünflächen bei, denn die Tendenz der Kommunen, Friedhofsflächen leerfallen zu lassen, sei erkennbar, so Pakendorf. Auf diese Weise haben Angebote wie die Bestattungsgärten den positiven Effekt, dass Bürger an ihrem Wohnort beigesetzt und nicht nach dem Tod aus ihrem sozialen Umfeld gerissen werden. Diese Entwicklung sorgt vor allem für eine Belebung der Friedhofskultur, für Orte der inneren Einkehr und Ruhe im Großstadtlärm. Großzügige Grünanlagen werden als Lebensraum für Flora und Fauna im städtischen Umfeld erhalten, was im Übrigen auch Umweltverbände wie der NABU zu schätzen wissen.

 

Schön, dass alles geregelt ist
Unter diesem Motto veranstaltet die Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner seit Jahren einen Thementag und sensibilisiert die Bevölkerung für eine frühzeitige Entscheidung für eine Grabstätte. Wer sich bereits zu Lebzeiten um sein Verbleiben nach dem Tod kümmert, weiß, dass er seinen trauernden Kindern nicht zur Last fällt oder gar zur Verhandlungsmasse seiner Erben wird und hat ein beruhigtes Gefühl.

Weitere Informationen zum Kölner Vorsorge-Tag finden Sie unter www.vorsorgetag-koeln.de

Bilder: © Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner eG