Alte Tradition auf neuen Wegen oder Kürbisfratze und Kommerz

csm_614042_original_R_by_Wolfgang_Pfensig_pixelio.de_e87f239761Gedenktage sind gesetzlich festgeschriebene Feiertage. © Wolfgang Pfensig / Pixelio.de

Im Herbst wird landesweit der Verstorbenen gedacht. Einige Gedenktage sind gesetzlich festgeschriebene Feiertage. Fallen die Tage auf einen Werktag, ist man in erster Linie froh auszuschlafen oder endlich mal wieder Zeit mit Familie und Freunden verbringen zu können. Die Feiertage in ihrer traditionellen Form zu zelebrieren ist immer seltener geworden.

 

So wissen die meisten zwar, dass am 1. November der katholische Feiertag Allerheiligen ist, aber was genau es damit auf sich hat – dass den Heiligen gedacht werden soll – ist vielfach in Vergessenheit geraten. Ebenso ist es um den Folgetag, Allerseelen, bestellt, der den Verstorbenen gewidmet ist. Traditionell wird im deutschen Sprachraum an Allerseelen oder auch am Nachmittag des Hochfests Allerheiligen eine Gräbersegnung begangen. Begonnen wird mit einer Andacht, ein Priester segnet dann die meist schon an den Tagen zuvor mit frischen Blumen und Grablichtern geschmückten Gräber. Gegebenenfalls werden sie mit Weihrauch inszeniert und mit Weihwasser besprengt. In der evangelischen Kirche wird den Verstorbenen am Ewigkeitssonntag mit dem Vorlesen der Namen im Gottesdienst gedacht. Der Feiertag fällt immer zwischen den 20. bis 26 November und in vielen Gemeinden werden die Angehörigen der Verstorbenen eigens zu Gottesdiensten auf den Friedhöfen eingeladen. Zu den verbreiteten Bräuchen gehört es auch hier, die Gräber mit Gestecken oder Blumen zu schmücken.

 

Geister sollen vertrieben werden

Vor allem für die jüngere Generation ist der Besuch auf dem Friedhof oftmals nur noch eine Pflicht mit der sie aufgewachsen ist. Ein interessanter Aspekt ist daher, dass eine andere, alte Tradition in leicht abgewandelter Form in den letzten Jahren immer mehr Anhänger findet: Halloween (eigentlich „All Hallows’ Eve“) benennt die zuerst im katholischen Irland verbreiteten und dann im 19. Jahrhundert durch die irischen Einwanderer nach Amerika importierten Volksbräuche am Abend und in der Nacht vor dem Hochfest Allerheiligen. Das ursprünglich heidnische Brauchtum stellt eine Mischung aus Herbst-, Lösche-, Heische- und Verkleidungsbräuchen dar bei dem beleuchtete Kürbisse mit hässlichen Fratzen aufgestellt und schreckliche Verkleidungen angezogen werden um böse Geister abzuschrecken. Besonders Kinder lieben den Brauch als Geist, Hexe oder Skelett verkleidet von Haus zu Haus zu gehen und die Bewohner aufzufordern ihnen Süßigkeiten zu geben, weil sie ihnen sonst Streiche spielen. Als die Halloween-Begeisterungswelle in den 1990er Jahren von Amerika zurück nach Europa schwappte, wurde sie von Handel, Süßwarenindustrie und Vergnügungseinrichtungen schnell kommerzialisiert. Immer mehr Discotheken nutzen den Spaß der Leute am Verkleiden und etablieren Halloweenpartys als Großevent.

 

Alte Traditionen Wiederbeleben auch für den Bestatter wichtig

Kritik gegenüber dieser neuen Feierkultur gibt es von mehreren Seiten. Evangelische Christen bedauern das zeitliche Zusammentreffen mit dem Reformationstag, der am gleichen Tag wie Halloween an die Reformation erinnern soll. Gerade in Deutschland wird immer öfter beklagt, dass die Feierlichkeiten oft mit Vandalismus wie Häuserschmierereien und Eierwürfen einhergehen. Abgesehen davon gehört Allerheiligen in einigen Bundesländern zu den sogenannten stillen Tagen, an denen öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen, die nicht dem ernsten Charakter dieser Tage entsprechen, zu bestimmten Zeiten verboten sind. Weiter bemerken einige negativ, dass durch Halloween die traditionellen Feiertage und mit ihnen die alten Bräuche zunehmend verdrängt werden. Beide Konfessionen versuchen daher das gerade bei jungen Leuten große Bedürfnis nach Halloween anzusprechen und dabei die Feiertage im Umfeld einzubeziehen und wiederzubeleben. Auch für die Bestatter wäre es wichtig, die „alte“ Feiertagskultur aufleben zu lassen. Denn sie geht mit der Bestattungskultur Hand in Hand. Da die Menschen hauptsächlich an Feiertagen wie Allerheiligen oder Totensonntag auf den Friedhof gehen, werden sie häufig nur dann mit der Bestattungskultur konfrontiert. Und machen sich, wenn sie schön geschmückte Gräber sehen vielleicht Gedanken um die eigene Sterbevorsorge.

 

 

Überblick Feiertage

Reformationstag 31.10 (ev.)

Allerheiligen 1.11 (kath.)

Allerseelen 2.11 (kath.)

Volkstrauertag 17.11 (stattl.)

Buß- und Bettag 20.11 (ev.)

Ewigkeitssonntag (Totensonntag) 24.11 (ev.)