Wenn Ross und Reiter scheiden müssen (Interview mit Sandra Lutz)

Sandra Lutz (Foto © Chris Singer)Sandra Lutz (Foto © Chris Singer)

Bis vor Kurzem durften Pferdebesitzer ihr Pferd in Deutschland nicht einäschern lassen. Nach einer Gesetzesänderung gibt es seit Oktober 2017 das erste Krematorium für Pferde in Deutschland. Sandra Lutz und ihr Mann Jochen betreiben in Schwäbisch Hall auch ein Krematorium für Kleintiere. Die Begleitung von Pferden und ihren Besitzern war ihnen ein besonderes Anliegen.

 

Sie betreiben das erste und bislang einzige Pferdekrematorium in Deutschland und planen derzeit ein weiteres in Niedersachsen. Ist die Nachfrage so groß?

Schon am Tag der Genehmigung hatten wir zwei Anfragen von Besitzerinnen, deren Pferde in absehbarer Zeit eingeschläfert werden mussten. Sobald wir den Betrieb aufnahmen, konnten wir die Tiere abholen. Hierzu benötigen wir immer die Genehmigung des örtlichen Veterinäramts. Auf dem bei uns erhältlichen Vordruck wird die Adresse des Besitzers und die Passnummer des Pferdes eingetragen; der Tierarzt unterschreibt, dass das Pferd keine Seuche oder ansteckende Krankheit hatte. Mit dieser Bescheinigung werden wir wiederum für die Pferdebesitzer beim Veterinäramt vorstellig. Dieses Procedere durchlaufen wir mittlerweile durchschnittlich drei Mal pro Woche und sind mit zwei Anhängern und vier Vollzeitmitarbeitern plus Aushilfen schwerpunktmäßig von Mittel- über Süddeutschland bis Österreich unterwegs. Da wir auch aus dem Norden sehr viele Anfragen erhalten, planen wir gerade ein zweites Pferdekrematorium in Niedersachsen. Bei unserem Pferdekrematorium in Hall nutzen wir die Synergieeffekte der Filteranlage. Diese ist nur für Pferdekrematorien, nicht für Haustierkrematorien vorgeschrieben. Wir haben aus Umweltgründen jedoch beide Krematorien an die Anlage angeschlossen.

 

Welche Besonderheiten gibt es sonst noch bei der Pferdekremation? Der würdevolle Abschied beginnt vermutlich schon bei der Abholung des Tieres?

Die Möglichkeit, Pferde als Haustiere anzuerkennen und eine Einäscherung zu ermöglichen, war längst überfällig. Die Beziehung zwischen Mensch und Pferd ist oft eine sehr intensive und langjährige Verbindung. Das Pferd ist gerade für junge Frauen ein Freund und Vertrauter, mit dem sie aufwachsen. Mitzuerleben, wie dieses Wesen von einem Abdecker abgeholt und mit einem Kran in einen Container gehievt wird, ist für viele ein traumatisches Erlebnis. Unsere Anhänger wirken optisch wie normale Pferdeanhänger. Wir drehen das Pferd behutsam über den Rücken auf eine Platte, die mit einer Seilwinde in den Anhänger gezogen wird. Viele Tierbesitzer wollen zunächst nicht dabei sein, vor allem, wenn sie bereits die Abholung durch einen Abdecker miterlebt haben. Doch wenn sie sehen, dass es auch ganz anders geht, wünschen sich einige, ihr Pferd bis zur Einäscherung zu begleiten, statt die Urne zuhause vom Kurierdienst in Empfang zu nehmen. Doch zunächst bringen wir das Pferd bis zum Kremationstermin in unseren großen Kühlraum, bevor meist innerhalb von ein bis zwei Tagen die Einäscherung stattfindet. Der Wagen, auf dem es in den Ofen gefahren wird, ist 3×6 Meter groß, sodass die Beine des Pferdes nicht angewinkelt werden müssen. Die meisten Besitzer legen Äpfeln oder Karotten auf die Bahre. Manche bestreuen ihren Vierbeiner mit Rosenblättern, Kinder geben Zeichnungen mit – hier ist fast alles erlaubt, was beim Abschied hilft.

 

Wie lange dauert eine Einäscherung und gibt es für so große Tiere besondere Urnen?

Die Einäscherung dauert wesentlich länger als beim Menschen. Nach sechs bis acht Stunden erhalten wir zwischen 25 und 30 kg Asche. Im Vergleich: Beim Menschen sind es drei bis vier kg. Die Urnen sind entsprechend groß. Wir haben ein umfangreiches Sortiment, auch für Kleintiere, arbeiten aber speziell bei den Pferdeurnen mit einem Schreiner aus dem Ort zusammen, der eigens für uns Urnen aus lokalen Hölzern fertigt. Die Urne aus Fichte oder Leder ist im Preis inbegriffen, aber auch Eiche oder andere Hölzer sind erhältlich. Da bei Tieren weniger strenge Bestattungsgesetze gelten als bei Menschen, kann der Pferdebesitzer die Asche auch teilen und sie partiell auf der Koppel verstreuen oder eine kleine Menge für ein Amulett oder eine Skulptur entnehmen. Die Urne kann dann im eigenen Garten oder auf einem Tierfriedhof beigesetzt werden.

 

Zur Webseite: www.dankundtreu.de