Was wünschen sich Angehörige heute und was bedeutet das für Bestatter und Zulieferer? Der Bestattungsreport 2026 zeigt: Die Regeln der Branche verschieben sich. Gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Bestatter e.V. und der ADELTA.FINANZ AG hat die Ökonomin Christina Heldman-Fourberg sowohl die Verbraucher- als auch die Unternehmersicht untersucht¹.
Was verändert sich aktuell im Bestatterhandwerk und welche Folgen hat das für Produkte?
Bestatter werden deutlich stärker als Begleiter wahrgenommen, weniger als reine Organisatoren. Themen wie persönliche Abschiede, Trauerbegleitung und individuelle Gestaltung gewinnen an Bedeutung. Produkte wie Sarg, Urne und Erinnerungsobjekte spielen dabei weiterhin eine Rolle, werden aber selten aktiv nachgefragt. Viele Angehörige wissen gar nicht, welche Modelle, Materialien und Möglichkeiten es gibt, etwa hinsichtlich Designs oder Nachhaltigkeit. Nachfrage entsteht deshalb häufig erst im Beratungsgespräch. Das heißt auch: Nicht das Produkt allein, sondern seine Vermittlung entscheidet über seine Relevanz.
Transparenz, Vertrauen und eine klare Beratung sind entscheidend. Für Hersteller ergibt sich daraus eine besondere Situation: Ihre Leistungen und Produkte sind für Endkunden vor dem Trauergespräch beim Bestatter weitgehend unsichtbar. Gleichzeitig liegt hier eine Chance – etwa durch Unterstützung im Beratungskontext oder durch einfache Orientierungshilfen, die Qualität nachvollziehbar machen.
Angehörige wünschen sich vor allem Orientierung. Was heißt das konkret für die Praxis?
Die meisten kommen ohne Vorwissen. Sie erwarten vor allem Struktur, Klarheit und ein gutes Gefühl. Orientierung bedeutet deshalb mehr als Organisation – sie umfasst auch die behutsame Auswahl und Einordnung von Möglichkeiten. Dazu gehören individuelle Abschiedsformen und begleitende Angebote, auch über die Beisetzung hinaus. Abschiede werden persönlicher, stärker an der Biografie orientiert. Elemente wie Aufbahrung, persönliche Rituale, Trauerbegleitung oder Erinnerungsformate gewinnen an Bedeutung – Produkte können das unterstützen, sind aber nicht der primäre Treiber.
Ein wichtiges Potenzial liegt zudem in der Vorsorge. Hier entsteht eine andere Situation als im Akutfall: Es gibt Zeit für Information und bewusste Entscheidungen. Damit steigt auch die Chance, Produkte überhaupt wahrnehmbar zu machen und ihre Rolle aktiv zu erklären.
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¹ Grundlage ist eine Online-Befragung unter Bestattungsunternehmen in Deutschland zwischen September und Dezember 2024. Die 245 teilnehmenden Unternehmen stammen aus dem gesamten Bundesgebiet und bilden unterschiedliche Betriebsgrößen und Umsatzklassen ab. Ergänzt wird die Analyse durch eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Bestatter e. V., für die im September 2024 bundesweit 1.021 Personen zu ihren Vorstellungen und Entscheidungen rund um das Thema Bestattung befragt wurden.
