Bevor er Geschäftsführer des Verpackungsspezialisten Plantera wurde, leitete Ronald Goldbach die Schwestergesellschaft Nordgetreide. Gemeinsam mit dem Leiter Business Unit Niklas Kox, dem Produktentwickler Fabian Firmbach und dem weiteren Plantera Team entstand nach zweijähriger Forschung und Entwicklung die erste Urne aus gepufftem Maisgrieß, einem Werkstoff aus Reststoffen der Lebensmittelindustrie, die für den menschlichen Verzehr nicht mehr genutzt werden können. Das Material ist vollständig organisch und rückstandslos kompostierbar.
Nachhaltige Verpackungen und Urnen – wie passt das zusammen?
Ronald Goldbach: Unser pflanzlicher Werkstoff ist so vielfältig einsetzbar, dass wir schon bei der Gründung andere Verwendungen mitgedacht haben. Eine Urne zu entwickeln, war von Anfang an Teil unseres Plans. Wir haben viel Forschung betrieben, sowohl hinsichtlich der Gestaltung, Praktikabilität und Kompostierbarkeit als auch am Markt mit seiner eigenen Dynamik. Grundlage ist ein Werkstoff, der gänzlich ohne Plastik auskommt. Selbst der eingesetzte Leim ist organisch. Je nach Anwendung ergänzen wir eine mineralische Beschichtung.
Niklas Kox: Im Prozess haben wir gelernt, dass es einer eigenständigen Haptik und Formsprache bedarf, um uns von den herkömmlichen Biokunststoffurnen abzuheben. Unser Material lässt sich ähnlich wie Holz bearbeiten, fräsen oder verkleben. Die Form entsteht aus gefrästen Ringen, die aufeinandergesetzt werden und eine plastische Dreidimensionalität erzeugen. Diese Struktur vermittelt eine andere Wertigkeit als glatte Standardoberflächen. Ein weiterer Aspekt ist die Individualisierbarkeit: Wir haben kompostierbare Schmuckelemente zum Anstecken entwickelt: Ein Kreuz, ein Engel, ein Herz oder ein Anker können in eine vorbereitete Öffnung eingesetzt werden.
Wie sieht der Prozess des Entstehens und Vergehens der Urne aus?
Ronald Goldbach: Der Rohstoff wird in Deutschland gepufft und anschließend an unserem Standort weiterverarbeitet. Unsere Urne fasst alle handelsüblichen Aschekapseln. Belastungstests zeigen, dass sie über drei Kilogramm Gewicht trägt. Im Erdreich zersetzt sich das Material je nach Gegebenheiten innerhalb von 12 Monaten vollständig.
Niklas Kox: Der Werkstoff erfüllt auch die Anforderungen für Seebestattungen: In Tests hat sich gezeigt, dass die Urne im direkten Wasserkontakt innerhalb von rund 30 Minuten vollständig zerfällt. Gleichzeitig bleibt sie bei normaler Witterung stabil. Eine im Freien gelagerte Urne zeigte auch nach zwei Wochen Regen, Frost und Sonneneinstrahlung nur geringe Veränderungen. Aktuell arbeiten wir an weiteren Elementen aus demselben Material, etwa beschriftbaren Grabbeigaben, die persönliche Botschaften aufnehmen können und sich vollständig zersetzen.
