Enge Wege, gewachsene Strukturen, schwere Fundamente. Wer auf Friedhöfen arbeitet, kennt die Grenzen der Technik. Simon Riebsamen kennt sie auch. Sein Unternehmen baut Maschinen, die dort weiterfahren, wo andere stoppen. Sein Vater erkannte vor 36 Jahren den Bedarf für praktikable Lösungen zum Versetzen von Grabsteinen. Also baute er fahrbare Portalkräne, später eigene Raupenkräne. Aus ersten Umbauten entstand ein Spezialist für Friedhofstechnik. Heute fertigt das Unternehmen mit neun Mitarbeitenden Kräne und Bagger in Einzelanfertigung – Konstruktion, Schweißerei, Montage alles unter einem Dach.
Was unterscheidet Eure Bagger von anderen Geräten am Markt?
Sie erreichen eine Spurbreite von 60 Zentimetern. Das schafft sonst kein Minikranhersteller oder Friedhofsbaggerhersteller. Damit fahren wir durch schmale Friedhofsgassen, ohne Wege oder Einfassungen zu beschädigen. Dazu kommt die Funksteuerung für alle Funktionen. Der Bediener steht direkt am Grab, behält den Überblick und braucht keine zweite Person im Gefahrenbereich.
Wie wirkt sich das in der Praxis aus?
Beim Ausheben zählt Kontrolle. Mit der feinfühligen Funksteuerung lassen sich Greifer und Arm präzise führen. Unsere vier hydraulischen Abstützungen schwenken stufenlos um 90 Grad. Mit aufsteckbaren Schuhen vergrößern wir die Auflagefläche. So steht der Bagger auch auf weichem Boden stabil. Eine entscheidende Rolle spielen auch Hublast und Kraft: Viele Friedhöfe räumen heute ganze Grabfelder ab und haben es dabei mit massiven Fundamenten zu tun. Unsere Bagger heben dank eigens entwickelter Abstützung und Baggerausleger fast die doppelte Last vergleichbarer Maschinen.
Wie organisiert Ihr Fertigung und Service?
Wir entwickeln und bauen alles selbst. Ersatzteile fertigen wir auch für ältere Geräte an. Unsere ersten Kräne von 1998 laufen alle heute noch. Service und UVV kann entweder durch Fachfirmen vor Ort oder durch unsere eigenen Servicetechniker durchgeführt werden. Diese fahren gebietsweise ganz Deutschland, Holland, Niederlande, Luxemburg, Frankreich und Österreich ab.
Welche Rolle spielen Elektro- und Hybridantriebe?
Hybrid bieten wir seit Jahren an, inzwischen auch rein batterieelektrisch. In der Praxis scheitert es allerdings oft an der Ladeinfrastruktur. Wenn abends alle Geräte zeitgleich am Netz hängen, bricht es vielerorts zusammen. Leistung ist im Baggerbetrieb entscheidend, und niemand weiß morgens, ob ein oder drei Gräber anstehen. Wir beobachten die Entwicklung genau und bauen Lösungen, die im Alltag tragen.
Wer kauft heute Eure Geräte?
Häufig sind unsere Kunden, Kommunen, Bestatter, Totengräber aber auch immer öfters spezialisierte Dienstleister, etwa aus dem Garten- und Landschaftsbau, die Graböffnungen im Auftrag übernehmen. Sie kalkulieren unternehmerisch und investieren in Technik, die zuverlässig läuft – meist über Jahrzehnte.
BEFA Forum: 13 G17
