Farvel entwickelt Urnen aus biologisch abbaubaren Holzfasern aus nachhaltig bewirtschafteten Quellen. Sebastian Kuhn-Prohic, Mitgründer des Schweizer Labels, treibt gemeinsam mit Katharina Hogg-Erdrich die Idee voran, Urnen zu entwickeln, die Bedürfnisse und Gestaltungsansprüche von Angehörigen aufnehmen. So ist auch die Mikro-Urne „Vergissmeinnicht“ entstanden.
Warum bietet Ihr Eure Urnenmodelle nun auch in Kleinformat an?
Die Entscheidung ein marktreifes Produkt zu entwickeln, fiel unmittelbar nach dem positiven Feedback zu den Prototypen auf der LEBEN UND TOD in Bremen. Wir beobachten das Bedürfnis von Trauernden, einen Teil der Asche zu teilen und aufzubewahren. In der Schweiz ist dies rechtlich möglich, in Teilen Deutschlands inzwischen auch. Unsere Mikro-Urnen bieten dafür ein Gefäß, das sich an der Form einer klassischen Beisetzungsurne orientiert. Sie fassen rund 0,16 dl, sind etwa so groß wie ein Filmkameradöschen und kommen in unterschiedlichen Situationen zum Einsatz: Manche Hinterbliebene bewahren einen kleinen Teil der Asche als Erinnerung auf; in anderen Familien wird die Asche auf mehrere Personen aufgeteilt. Auch für Teilverstreuungen oder für internationale Familienbiografien kann das eine Lösung sein. Für die Asche von Sternenkindern eignen sich die Mikro-Urnen ebenfalls – sei es für eine Beisetzung oder für die Aufbewahrung zuhause.
Wie unterscheiden sich der Markt in der Schweiz und in Deutschland?
Der Umgang mit Asche in der Schweiz ist für Deutsche gewöhnungsbedürftig: In der Schweiz können Bürgerinnen und Bürger die Asche nach Voranmeldung im Krematorium abholen. Sie erhalten sie meist in einem schlichten Beutel oder Gefäß. Wir unterstützen eine Liberalisierung im Umgang mit der Asche auch in Deutschland und sehen es positiv, wenn es Veränderungen gibt wie in Rheinland-Pfalz. Wir merken, dass bei Gesetzesnovellierungen oft in die an Deutschland angrenzenden Länder geschaut wird. Die liberalere Handhabung bedeutet jedoch nicht, dass der Umgang mit Sterben und Tod in der Schweiz grundsätzlich offener ist. In der Praxis finden viele Beisetzungen weiterhin klassisch auf dem Friedhof statt. Der Tod bleibt auch hier ein Thema, das oft mit Zurückhaltung behandelt wird.
Wie reagieren Endkunden auf Eure ungewöhnliche Urne?
Auf der Blickfang Designmesse trafen wir auf ein Publikum, das nicht aus der Bestattungsbranche kommt. Viele Besucher reagierten überrascht, Urnen zwischen Mode, Möbeln und Schmuck zu sehen. Die Gespräche zeigten, dass Gestaltung auch im Kontext von Abschied eine Rolle spielt. Denn wie kann es sein, dass man sich sein ganzes Leben lang mit Design umgibt und am Ende unschöne Kompromisse machen muss? Genau aus dieser Idee ist Farvel entstanden.
FORUM BEFA: Halle 14 D.02
