Unternehmens­portrait: Trauersymbole als Schaufensterdekoration

csm_Bild_Flunkert_2137_cc7a3788b1Unternehmens­portrait. © Bestattungshaus Flunkert

Das Bestattungshaus Flunkert befindet sich bereits in der vierten Generation. Schreinermeister Heinrich Flunkert gründete Schreinerei und Bestattungsunternehmen in Castrop-Rauxel. Sein Enkel Richard Flunkert, ebenfalls Schreinermeister, führte das Gewerbe im Saarland in Neunkirchen weiter.

 

Heute wird der Betrieb von dessen Sohn Günter Flunkert geleitet. Auch Bruder Horstmar Flunkert trat in die Fußstapfen seines Urgroßvaters und gründete als fachgeprüfte Bestatter 1978 in Reutlingen und Tübingen zwei Bestattungshäuser. Heute arbeitet die ganze Familie, Ehefrau Marlis, Tochter Maren und Sohn Dirk, im Bestattungsunternehmen mit. Für Horstmar Flunkert war es selbstverständlich, das Bestattungsinstitut von seinem Vater zu übernehmen. „Für mich stand schon immer fest, dass ich einmal ein Bestattungshaus führen möchte“, erzählt der Bestatter. Der Liebe wegen übernahm er letztendlich nicht das Geschäft im Saarland, sondern eröffnete in Baden-Württemberg zwei neue Geschäfte.

 

Trauerbegleitung für die Angehörigen

Neben der Durchführung von Erd-, Feuer-, See-, Baum- und Luftbestattungen bietet das Bestattungsinstitut auch Trauerhilfe an. „Wir möchten Hinterbliebenen aller Religionsgemeinschaften, Glaubensauffassungen und Nationalitäten nicht nur bei der Vorbereitung und Durchführung der Bestattung helfen, sondern auch bei der Verarbeitung ihrer Trauer, “ sagt Horstmar Flunkert. „Die Begleitung der Hinterbliebenen über den Zeitraum der Bestattung hinaus ist uns wichtig.“ Das Bestattungshaus bietet Einzelgespräche über die Zeit der Trauer und deren Bewältigung an. Je nach dem wie die Trauernden ihre Trauer verarbeiten, erfolgt eine Weiterleitung zu Gruppengesprächen und Trauertherapeuten in Tübingen und Reutlingen. Für Horstmar Flunkert liegt es am Bestatter, die Tür zur Trauerarbeit zu öffnen, den Weg aus der Trauer aufzeigen und die ersten Schritte in die Trauer begleiten. „Dies tun wir im Bewusstsein, dass im „Ja zur Trauer“ bereits der Keim für ein neues „Ja zum Leben“ steckt“, berichtet der Bestatter.

 

Trauerfeier kreativ mitgestalten

Den Angehörigen sollte nicht die Möglichkeit entzogen werden, den Abschied kreativ mit zu gestalten. Eine Aufbahrung zu Hause, so wie es früher üblich war, kann sich auf die Verarbeitung der Trauer positiv auswirken, denn der Hinterbliebene hat noch einmal in Ruhe die Gelegenheit vom Verstorbenen Abschied zu nehmen. Der Tod wird nicht ausgeschlossen, sondern als Teil des Lebens wahrgenommen. „Wir ermutigen und unterstützen Angehörige bei der Aufbahrung. Denn sie ist ein wichtiger Teil des Abschiednehmens. Wir sind stolz, dass bei uns nahezu 90 Prozent aller Verstorbenen offen aufgebahrt werden“, erzählt Horstmar Flunkert. Feste Rituale sind sehr wichtig und können den Angehörigen bei ihrer Trauerarbeit helfen. Einfache Rituale wie sind das Waschen, Ankleiden und Aufbahren der Toten, das Stillwerden in seiner Gegenwart hilft ebenso wie das laute Klagen, das Anzünden einer Kerze, das Sprechen eines Gebets oder das Singen von Liedern. Sich in Gemeinschaft mit Verwandten und Freunden gegenseitig von dem Verstorbenen zu erzählen ist eine weitere Möglichkeit der Trauerbewältigung. sind für die Verarbeitung der Trauer wichtig.

Die Angehörigen sollten nicht ausgeschlossen werden, denn nur mit ihrer Hilfe kann das Angebot einer individuellen, kreativen Trauerfeier greifen. „Wir geben den zu betreuenden Hinterbliebenen ausreichend Zeit und Raum für ihre Gedanken und Gefühle und somit ergibt sich ein nahezu organischer Prozess von der Sprachlosigkeit und dem Schock der Angehörigen über das Lebensbild der oder des Verstorbenen hin zu den Bildern, Gesten und Worten des Abschieds“, berichtet der Bestatter.

 

Aufbahrung in öffentlicher Trauerhalle

Nicht jeder hat die Möglichkeit den Verstorbenen zuhause aufzubahren. Wird auf Trauerhallen ausgewichen, müssen die Angehörigen sich an festgeschriebene Öffnungszeiten halten. „Der immer stärker aufkommende Wunsch der Hinterbliebenen, in würdevollem Rahmen und unabhängig von Öffnungszeiten der kommunalen Friedhöfen von ihren Verstorbenen Abschied zu nehmen, stellte uns vor eine neue Herausforderung“, beschreibt der Geschäftsinhaber die Problematik. Da eine Investition in eine private Feierhalle die Bestattungskosten in die Höhe treiben würde, entschied man sich für die Mietung einer neu gebauten Aussegnungshalle der Gemeinde. Somit kann das Bestattungsunternehmen allen Trauernden, gegen eine geringe Gebühr, Räumlichkeiten für eine zeitlich unabhängige und individuell-kreative Trauerfeier anbieten. „Wir Bestatter dürfen uns nicht nur auf unsere privaten Räume zurückziehen, ansonsten ist die Gefahr einer zusätzlichen Privatisierung des Todes gegeben. Stattdessen müssen wir uns

für eine erhebliche Verbesserung der kommunalen Leichenhallen einsetzen“, erläutert Horstmar Flunkert seine Entscheidung für die Mietung einer öffentlichen Trauerhalle.

 

Enge Zusammenarbeit mit anderen Handwerken

Die enge Vernetzung mit anderen Dienstleistern spielt im Bestattungshaus Flunkert eine große Rolle. So hilft man hier beispielsweise bei der Vermittlung von Grabpflegeverträgen mit den ortsansässigen Friedhofsgärtnern oder vermittelt den Angehörigen Kontakte zu einzelnen Steinmetzbetrieben oder Metallgestaltern. Zusätzlich besteht ein enger Kontakt zu den Friedhofsverwaltungen von Reutlingen und Tübingen und vielen weiteren Gemeinden mit insgesamt 25 Aussegnungshallen und 70 Aufbahrungsräumen. Außerdem arbeitet man mit über 65 verschiedenen Pfarrer/innen und Pfarreien sowie vielen ortsansässigen Friedhofsgärtnern und Floristen zusammen. „Wir sind stolz auf eine sehr große Vernetzung mit anderen Dienstleistern“, berichtet Horstmar Flunkert. So könne den Angehörigen für eine feierliche Bestattung verschiedene Trauerredner, Gebärdendolmetscher, Fremdsprachendolmetscher, mehrere Sängersolisten, Solisten für verschiedene Musikinstrumente, mehrere Blasmusik- und Streichmusikgruppen, Bestattungschöre und ein Gospelchor vermittelt werden. Um den Wunsch von Baum- und Seebestattungen nachkommen zu können, arbeitet das Bestattungshaus seit Jahren erfolgreich mit der Friedwald GmbH und der Deutschen Seebestattungsgenossenschaft zusammen. Zusätzlich berate Horstmar Flunkert und sein Team noch Lebende bei der Bestattungsvorsorge. Das Bestattungshaus Flunkert ist außerdem Mitglied im Kuratorium Deutscher Bestattungskultur e.V. Bonn und in der Deutschen Bestattungsvorsorge Treuhand AG.

 

Weiterbildung ist das A und O

Für Horstmar Flunkert ist es selbstverständlich sich und seine Mitarbeiter regelmäßig weiterzubilden. „Als Bestatter sollte man nicht stehen bleiben, sondern sich in gewissen Abständen fortbilden“, sagt Horstmar Flunkert. Eine Zusatzausbildung hat Sohn Dirk im Jahre 2002 abgeschlossen. Er war mit 24 Jahren einer der jüngsten ausgebildeten und geprüften Thanatopraktiker in Deutschland. Dementsprechend führt das Reutlinger Bestattungsinstitut seit 9 Jahren Konservierungen ohne fremde Hilfe durch. Beim ersten landesweiten Qualifizierungswettbewerb für Bestatter in Baden-Württemberg erhielt das Unternehmen den höchsten Preis der Jury „Bestatter 2004“.

 

Mit go public auf die Themen Tod und Trauer aufmerksam machen

Unter dem Motto „go public“ startete das Bestattungsunternehmen seine Öffentlichkeitsarbeit. „Wir wollen den Menschen die Schwellenangst nehmen und die Möglichkeit bieten, sich über das im Tabubereich angesiedelte Thema ausführlich zu informieren und beraten zu lassen“, erklärt der Geschäftsinhaber. In loser Folge informieren und referieren der Bestatter selbst oder Fachreferenten in den Vortrags- und Seminarräumen des Institutes über die Themen Sterben, Tod und Trauer. Zusätzlich halten sie in Schulen und Kirchengemeinden Fachvorträge. Auf diese Weise soll auf die Themen aufmerksam gemacht werden. So war das Bestattungshaus Flunkert im Oktober 2002, 2005 und 2009 beim Reutlinger Friedhofstag auf dem Friedhof Römerschanze mit einer Ausstellung und einem Vorsorgestand mit den Themen Sterben, Tod und Trauer in der Öffentlichkeit vertreten. Die Vorträge im Juli 2003 zum Tag der offenen Tür im eigenen Haus, mit Leistungsschau der Friedhofsgärtner, waren ein voller Erfolg. Drei Monate später folgte eine Ausstellung mit Vorsorgestand beim 2.Reutlingen Hospiztag in der Listhalle in Reutlingen. „Eine gut dosierte Öffentlichkeitsarbeit ist in der Bestattungsbranche immens wichtig“ erläutert der Reutlinger Bestatter.

 

Schaufensterdekoration mit Symbolik

Um den Angehörigen die Schwellenangst zu nehmen sind die Räume der Bestattungshäuser hell, transparent und freundlich eingerichtet. Sie wurden lebensbejahend und nicht trauerverstärkend konzipiert. Das besondere an den Reutlinger Bestattungsinstituten sind die vielen Symbole der Trauer, die in den Schaufenstern und vor den Geschäftsstellen zu finden sind. So symbolisiert zum Beispiel ein mäandernter Fluss aus Steinen vor der Geschäftsfiliale in Betzingen den Lebensfluss.

 

Ideen für neue Symbolik

In diesem Jahr wird ein weiteres Symbol hinzukommen. „Wir werden etwas zum Thema Aufmerksamkeit gestalten, ich habe da schon ein paar Ideen“, verrät der Bestattungsunternehmer. Viele Menschen verfallen der Unrast und konzentrieren sich nicht auf die Sache, die sie im Moment tun. Sie sind mit ihren Gedanken einen Schritt weiter. Gerade für die Verarbeitung der Trauer ist es aber wichtig, diese bewusst zu leben. Ich bin im Moment in Trauer – also trauere ich. Horstmar Flunkert ist sich sicher, dass ein hohes fachliches und menschliches Niveau, individuelle Kreativität, eine perfekte Organisation und eine Kostentransparenz die Grundvoraussetzungen für den heutigen erfolgsorientierten Bestatter sind.