Persönlichkeit feiern

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Beate Rumberg-Behrendts ist Floristin und Bestatterin. Mit ihrem Mann, dem Bestattermeister Jörg Rumberg und ihrem Team, betreibt sie seit 10 Jahren ein Bestattungsunternehmen  in Witten mit eigener Trauerhalle, Trauergarten und Versorgungsraum. Die Rumbergs sind bewusst offen für ganz persönliche Trauerfeiern – von der Aufbahrung im wertigen Sarg über den Abschied mit Erinnerungsstücken bis zur Urne und zum Trauerdruck mit eigenen Motiven. Für Beate Rumberg-Behrendts ist die Intensität des Erstgesprächs mit den Angehörigen entscheidend für die Qualität der Bestattung.

 

Wie wichtig ist ein feierlicher Abschied noch in Zeiten zunehmender Entsorgungsmentalität?

Wir sind heute ja nicht weniger traurig als noch vor 100 Jahren, auch wenn der Tod gerne aus dem Leben verdrängt wird. Wenn Familien den Wunsch an uns herantragen, die Bestattung auf das Nötigste zu reduzieren, geben wir zu bedenken, dass es wie bei einer Taufe oder einem Geburtstag auch darum geht, das Leben zu feiern. Und schon kommt ein Denkprozess in Gang.

Wenn wir den Menschen ohne zu hinterfragen die gewünschte Bestattung‚ in kleinem Rahmen verkaufen würden, hätten viele gar nicht die Gelegenheit, ihre Trauer zu bearbeiten, mitzuteilen und zu erleben, dass eine Trauerfeier auch schön sein kann.

 

Wie bringen Sie Persönlichkeit in eine Trauerfeier?

Beispielsweise mit Musik. Warum soll man nicht Schlager vom Band spielen oder sogar eine Rockband engagieren, wenn der Verstorbene gerne Rockmusik gehört hat? In beiden Fällen wären Kirchenmusik oder Orgel nicht nur Standard, sondern geradezu unpassend. Um das herauszufinden, braucht man jedoch Fingerspitzengefühl und Offenheit. Gibt man den Menschen Zeit, kommen Ideen oft von ganz alleine, sodass wir gemeinsam einen passenden Rahmen für den Abschied entwerfen kann. Wir bieten auch Themenbestattungen an. Wenn ein Verstorbener sehr verbunden mit seinem Beruf oder Hobby war, gestalten wir auf Wunsch der Angehörigen die Trauerfeier zum Thema, das sich dann in allen Details bis zur persönlichen Trauerkarte wiederfinden kann. Wir hatten vor einiger Zeit eine Urnenbeisetzung; der Verstorbene war 50 Jahre lang Mitglied im Schützenverein gewesen, trug seinen Schützenrock und all seine Orden. Der Wunsch der Hinterbliebenen war es, ihn mitsamt seinen Orden einäschern zu lassen. Gemeinsam entwickelten wir im Gespräch jedoch die Idee, die Urne mit den Auszeichnungen zu dekorieren, sodass sie noch einmal für alle sichtbar waren. Eine solche Urne gibt es kein zweites Mal. Und ein solcher Einfall wird natürlich nicht geboren, wenn man mit einem vorgefertigten Formular zum Kunden kommt und nur Häkchen setzt.

 

Kommen die Angehörigen mit ihren Ideen auf Sie zu oder sind Sie die Zeremonienmeisterin?

Einige Hinterbliebene haben tolle Ideen, befürchten jedoch von vornherein, vieles nicht zu dürfen und freuen sich über meine Ermutigung und Offenheit für persönliche Gestaltungsvorschläge. Wir denken, dass eine Trauerfeier so individuell und persönlich sein sollte, wie der Kauf bestimmter Kleidung oder von Möbeln. Man sollte den Verstorbenen wiedererkennen.

Diese Planung einer solchen Trauerfeier braucht jedoch auf beiden Seiten Zeit. Ich rate immer dazu, ruhig den Termin der Beisetzung so zu planen, dass genügend Zeit bleibt, um in Ruhe Fotos herauszusuchen, eine Collage zusammenzustellen, einen Film oder eine Bildschirmpräsentation vorbereiten zu können. Natürlich können Sarg und Urne auch bemalt oder anderweitig gestaltet werden. All das kann ein Teil der Trauerarbeit sein.

 

Welche Rolle spielt der Sarg überhaupt noch – vor allem bei einer Feuerbestattung?

Bei uns nehmen  ca. 98 Prozent noch einmal  Abschied am offenen Sarg. Dazu raten wir unseren Kunden aktiv. Nur wenige fordern dies ein, im Gegenteil. Viele haben Angst. Von dem Spruch, man solle den Angehörigen so in Erinnerung behalten, wie er zu Lebzeiten war, halte ich nicht viel. Wir machen eine vernünftige hygienische Versorgung und fragen, ob die Hinterbliebenen nicht noch einmal kommen möchten, um sich zu verabschieden. Die meisten nehmen die Gelegenheit wahr und kommen tatsächlich zum Abschied in unseren Trauerraum.

Auch wenn eine Einäscherung gewünscht wird, lassen wir unseren Kunden die Wahl und präsentieren alle Särge, denn jeder Sarg ist auch für die Kremation geeignet. Erst kürzlich hatten wir einen Wildeichensarg für eine Einäscherung. Das ist keine Seltenheit. Wenn Kunden die Wahl haben, nutzen sie diese auch. Würde ich ihnen einen einfachen ‚Kremationssarg‘ verkaufen, den sie noch nicht einmal zu sehen bekommen, würde ich die Angehörigen ja gewissermaßen entmündigen. Ich möchte doch auch beim Hosenkauf in einer Boutique nicht gesagt bekommen: Nehmen Sie diese hier, die verkaufen wir an jeden.

 

Und wie begegnen Sie dem Argument „Den Sarg und den Verstorbenen sieht ja niemand“, wenn kein Abschied am offenen Sarg gewünscht wird?

Man stellt sich ja trotzdem vor, wie der oder die Verstorbene im Sarg liegt. Wenn ich weiß, mein Angehöriger liegt, wenn überhaupt, leicht bekleidet und unbedeckt in einer Holzkiste, ist das ein anderes Bild, als wenn man sich die liebe Oma mit Spitzenbluse und Lieblingskissen vorstellt. Wir kleiden die Verstorbenen nach der amtsärztlichen Untersuchung ein, die direkt bei uns stattfindet, sodass sie im Krematorium nicht mehr entkleidet werden müssen. Unser günstigster Sarg ist übrigens ein Zweistab mit lackierter Oberfläche, Matratze, Innenauskleidung, Kissen und Decke – gerne auch das persönliche Bettzeug. Wer weniger will, ist bei uns nicht richtig.

 

Wie berechnen Sie zeitintensive Gespräche und den erhöhten Aufwand für eine persönliche Trauerfeier und wie gehen Sie mit sparsamen Kunden um?

Wir berechnen unsere Leistung nach Aufwand. Ein Trauergespräch dauert mindestens zwei Stunden, und auch für alle anderen Posten haben wir eine komplette Kostentransparenz, keine Pakete. Was die Sparsamkeit betrifft, müssen wir zwischen knauserig und kleiner Rente unterscheiden. In beiden Fällen sollte der Abschied die zentrale Rolle spielen. Wir versuchen im Gespräch herauszufinden und gemeinsam zu erarbeiten, was wichtig und was nötig ist, um den Rahmen zu finden, der den Mitteln und Prioritäten der Hinterbliebenen entspricht. Manchem ist es wichtiger, viele Gäste einzuladen, wieder andere legen mehr Wert auf einen schönen Sarg, eine wertige Urne oder die Dekoration mit den Lieblingsblumen.

 

Wie können Erinnerungs- und andere Produkte eine gelungene Trauerfeier unterstützen?

Wir haben gerade einen Drucker gekauft, mit dem wir große Formate wie Banner, Leinwände oder Kranzschleifen drucken können. Auf Wunsch individualisieren wir auch Urnen. Erst gestern hatte ich ein Gespräch mit der Tochter einer Verstorbenen, die auf ein Kissen mit Eulenmuster gebettet werden soll, das ihre Tochter genäht hat. Mit dem übrig gebliebenen Stoff hat die Tochter die Urne gestaltet. Dominiert ein persönliches Motiv – wie in diesem Fall die Eule – eine Feier, greifen wir es auf der Traueranzeige, dem Banner, dem Erinnerungsbuch und der Erinnerungskerze auf. Wird die Asche im Meer verstreut, können wir auch ein Bild der Stelle im Meer als wiederkehrendes Motiv nutzen. Oder die Orden des bereits erwähnten Schützen.

Für Trauerkarten bieten wir natürlich auch das Standardpapier an. Hier gibt es inzwischen eine große Auswahl ansprechender Motive, doch oft wiederholen sich die Symbole wie Rose, Calla, Kreuz oder Betende Hände und in so manchem Wohnzimmer stehen zwei gleiche Kerzen  zu unterschiedlichen Todesfällen beieinander. Weniger Arbeit bedeutet dies allemal, denn bei persönlichem Trauerdruck haben die Angehörigen immer ein Wörtchen mitzureden – wenn nötig bis zum siebten Korrekturabzug…

 

Haben Sie Erfahrung mit „Give aways“ für die Gäste einer Trauerfeier und mit Erinnerungsprodukten?

Die Erinnerungskerze bekommen die Angehörigen zum Abschied von uns geschenkt. Lediglich eventuelle Nachbestellungen werden berechnet. Auch mit Erinnerungsschmuck haben wir viele gute Erfahrungen gesammelt. Wir nehmen grundsätzlich von jedem Verstorbenen einen Fingerabdruck, denn nur selten sind die Hinterbliebenen in der Lage, sich neben den ganzen anderen Entscheidungen auch noch mit einem Schmuckstück auseinanderzusetzen. Da wir unsere Kunden auch nach dem Sterbefall begleiten, Fragen beantworten und sie beispielsweise zum Jahresgedenken kontaktieren, ist dies eine gute Gelegenheit, über ein solches Erinnerungsstück zu sprechen.

 

Eine solch intensive Betreuung und Beratung ist nicht selbstverständlich.

Das stimmt. Viele Menschen sind trotzdem noch immer erstaunlich unkritisch und hinterfragen wenig. Oft genügt das Argument, dass ein Bestatter bereits die Beisetzung der Oma vor 20 Jahren übernommen hat. Selbst wenn man sich nur vage daran erinnert, dass es nichts zu beanstanden gab. Solange der Markt so funktioniert, überleben auch Bestatter, die Dienst nach Vorschrift machen. Wenn überhaupt. Denn der Bestatterberuf ist ja nicht geschützt. Wir setzen vor allem auf Mundpropaganda. Zufriedene Kunden sind die beste Werbung. Neukunden können sich auch am qih-Qualitätssiegel orientieren. Dies erhalten ausschließlich Innungsfachbetriebe, die nach Ansicht ihrer Kunden sehr gute, überdurchschnitliche und kundenorientierte Arbeit leisten. Die Bewertungen unserer Kunden werden durch das Institut neutral ausgewertet. Abgefragt werden Kriterien wie Kompetenz, Preisgestaltung oder auch ein würdevoller Rahmen. Wir bitten alle Kunden, eine Bewertung abzugeben und haben sehr positive Erfahrungen damit gemacht.

 

bestattungen-rumberg.de